24.11.2007 · Die evangelische Hoffnungsgemeinde in Frankfurt hat dem Verkauf der nahe der Messe gelegenen Matthäuskirche zugestimmt. Die Stadt Frankfurt hat sich zudem bereit erklärt, einen 130-Meter-Turm auf dem Areal zu genehmigen.
Von Matthias Alexander und Stefan ToepferDer Vorstand der evangelischen Hoffnungsgemeinde in Frankfurt hat dem Verkauf der Matthäuskirche an der Ecke von Friedrich-Ebert-Anlage und Hohenstaufenstraße zugestimmt. Die Entscheidung fiel auf einer Sitzung am Mittwochabend, und zwar mit knapper Mehrheit, wie zu hören ist. Damit das Areal in der Nähe der Messe tatsächlich veräußert werden kann, muss noch die Versammlung des Evangelischen Regionalverbandes zustimmen, die am 5. Dezember tagt. Wie berichtet, soll auf dem Areal ein Hochhaus entstehen (siehe: Streit um Matthäuskirche flammt wieder auf). Der Standort ist im Entwurf für den neuen Hochhausrahmenplan, der derzeit in der schwarz-grünen Koalition beraten wird, aufgeführt. Dem Vernehmen nach steht eine große Bank als Investor bereit.
Die Hoffnungsgemeinde knüpft ihre Zustimmung zum Verkauf allerdings an mehrere Bedingungen. Das Gebäude der Matthäuskirche müsse weitestgehend erhalten bleiben. Vor allem müssten der Turm, die Kirchenfenster, die Kanzel, das Sandsteinrelief an der Chorrückwand und der Kirchenraum im ersten Obergeschoss bewahrt werden. Dieser Raum solle auch künftig der Gemeinde zur Verfügung stehen und renoviert werden. Außerdem soll für die Kindertagesstätte, die in der Trägerschaft der Gemeinde verbleiben müsse, ein neuer nahe gelegener Standort gefunden werden.
Südliches Drittel der Kirche wird wohl abgerissen
Wie zu hören ist, wäre der Kirchenvorstand mit dem Kompromissvorschlag des Architekten Jochem Jourdan einverstanden. Jourdan hatte als Verfasser des neuen Hochhausrahmenplans angeregt, das südliche Drittel des Kirchenraums abzureißen. Damit will er Platz für ein flaches Eingangsgebäude an der Friedrich-Ebert-Anlage schaffen, das in der zweiten Reihe plaziert würde.
Diese Lösung hat allerdings zwei gravierende Nachteile. Zum einen ist sie ästhetisch fragwürdig, weil das sehr schmale, langgestreckte Eingangsgebäude wie ein Art Rüssel wirkte und der Grundriss des Hochhauses vor allem vom Grundstück diktiert würde. Zum anderen bleibt ungeklärt, wie die Tiefgarage unter dem Hochhaus erschlossen werden könnte. Hier wird in den weiteren Verhandlungen wohl nachgebessert werden müssen.
Die Stadt hat sich dem Vernehmen nach bereiterklärt, einen 130-Meter-Turm auf dem Areal zu genehmigen. Zwischenzeitlich soll im Römer sogar der Bau eines 150-Meter-Hochhauses ins Spiel gebracht worden sein, wenn die Kirche im Gegenzug unangetastet bliebe. Das scheidet aber offenbar schon mit Blick auf die geringe zur Verfügung stehende Grundfläche aus.
Preis liegt bei deutlich mehr als 30 Millionen Euro
Wie zu hören ist, sollen nach einem entsprechenden Beschluss der Regionalversammlung, des „Kirchenparlaments“, fünf Architekten Vorschläge für das neue Gebäude machen. Esther Gebhardt, die Vorstandsvorsitzende des Regionalverbandes, sagte auf Anfrage, sie wolle sich erst bei der Regionalversammlung zum weiteren Vorgehen äußern. Das Gremium hatte vor einigen Jahren den Abriss der Kirche beschlossen, um das Areal verkaufen und mit dem Erlös andere Gebäude unterhalten zu können. Offenbar ist der Kaufinteressent bereit, deutlich mehr als 30 Millionen Euro für das Grundstück zu zahlen.
Peter Steinacker, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, zeigte gestern abermals sein „großes Interesse“ daran, aus der Matthäuskirche eine sogenannte Profilkirche zu machen, in der über die Bedeutung christlicher Werte der Wirtschafts- und Finanzwelt gesprochen werden könne. „Wir wollen den Regionalverband bei der Ausarbeitung eines neues Konzepts nicht allein lassen.“
Auch in der Führung der evangelischen Kirche gibt es dem Vernehmen nach erhebliche Vorbehalte gegen den Abriss einer Kirche. In Zeiten, in denen vielerorts über den Bau von Moscheen gesprochen werde, sei das ein schlechtes Zeichen.
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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