21.09.2003 · Ankündigungen gab es genug. Doch jetzt gewinnt eine der zentralen Frankfurter Freizeitflächen tatsächlich an Kontur. Die "Mainufer-Revitalisierung", von der zuletzt der damalige Wirtschaftsdezernent Udo ...
Ankündigungen gab es genug. Doch jetzt gewinnt eine der zentralen Frankfurter Freizeitflächen tatsächlich an Kontur. Die "Mainufer-Revitalisierung", von der zuletzt der damalige Wirtschaftsdezernent Udo Corts (CDU) schwärmte, wird allmählich Realität, was die Grünflächengestaltung und die seit Jahren avisierte Gastronomie betrifft. Zugegeben, die Rasenflächen sehen im Augenblick struppiger und desolater aus denn je - "wie die Toskana im August", so Umweltdezernentin Jutta Ebeling (Die Grünen) -, doch wie der italienische Landstrich waren auch die Mainufer in diesem Sommer belebt wie schon lange nicht mehr. Sollte es bei diesem Trend bleiben, die Sonne wieder mediterran-heiß vom Himmel strahlen und alle Pläne der Stadt in die Tat umgesetzt werden, müßte der nächste Sommer am Main ein wahres Fest werden.
Denn geht es nach dem Willen der Stadt, gehören neben der "Strandperle", die seit fünf Jahren im südlichen Brückenpfeiler des Eisernen Stegs ihren Platz hat, alle Bars und Bistros, deren Provisorien zum Teil erst Ende Juli überraschend installiert wurden, im nächsten Sommer zum festen Inventar - wie das "Pflasterstrand" zwischen Weseler und Ruhrorter Werft, die "Hafenbar" am nördlichen Fuß der Alten Brücke oder das "Maincafe" am Südufer, unterhalb des Museums für Kommunikation. Gleichzeitig entsteht an altem Standort das "Nizza", Cafe und Restaurant, vom Bankhaus Metzler zusammen mit seinem neuen Bürogebäude am Untermainkai errichtet. Im nächsten Sommer wird der Gartenbetrieb aufgenommen.
Das "Maincafe" hat bereits die Genehmigung, im Treppenabgang die Toiletten einzubauen und eine kleine ganzjährige Bar mit großer Außengastronomie zu installieren. Die "Hafenbar" dagegen kann erst ihr endgültiges Domizil im nördlichen Brückenkopf der Alten Brücke beziehen, wenn die geplante Brückensanierung abgeschlossen ist. Und in welcher Form sich das "Pflasterstrand" auf der Bastion am Ende der Weseler Werft fest installieren wird, hängt eng mit dem Bau der dann wenige Meter entfernt entstehenden Europäischen Zentralbank zusammen.
"Von der Bastion hat man auf jeden Fall den schönsten Blick auf die Frankfurter Skyline", meint Stephan Heldmann, stellvertretender Leiter des Grünflächenamts, der die Gestaltung des Mainufers insgesamt koordiniert. Ob es nächstes Jahr wieder eine "temporäre" Vitamin-Bar oder ein Döner-Boot auf dem Main geben wird wie in diesem Sommer, vermag Heldmann noch nicht zu sagen, zumal es auch zahlreiche Interessenten gibt, die gerne am Main ein Stück Strand anlegen und betreiben möchten, so wie andernorts. Vielleicht wartet Heldmann auch ab, ob sich der Trend hält, den manche bereits als "Beach-Feeling" oder "Rasen-Lounging" bezeichnen und der sich in diesem Sommer in Frankfurt so manifestierte, daß das Mainufer, einfach so, wie es war, in Besitz genommen wurde.
Das Grünflächenamt denkt in anderen Zeiträumen. Im Jahr 2000 begann es ganz im Osten an der Weseler Werft mit der grundlegenden Sanierung des Nordufers. Spätestens 2005 soll sie ganz im Westen abgeschlossen sein und dann bis über die Grünflächen am neuen Westhafen hinaus bis zum denkmalgeschützten Druckwasserwerk unterhalb der Eisenbahn-Brücke reichen. Das Südufer, das Heldmann zufolge ebenfalls "erheblichen Sanierungsbedarf" hat, würde sich das Amt am liebsten gleich anschließend vorknöpfen, vorausgesetzt, Umweltdezernentin Ebeling könnte Magistrat und Stadtverordnete weiterhin überzeugen, dem Mainufer finanzielle Priorität einzuräumen.
In diesem Herbst wird erst einmal am nördlichen Ufer damit begonnen, einen der letzten und unattraktivsten Abschnitte der Grünanlage, rund um die Rollschuhbahn, zu sanieren, um im nächsten Jahr bis zur neuen Westhafen-Bebauung aufschließen zu können. Ausgenommen ist vorerst das "Nizza", jener Teil des Tiefkais, der 1860 angelegt wurde, weil im Schutz der Befestigungsmauer auch wärmehungrige Pflanzen des Mittelmeerraums gediehen, von dem auch seinerzeit schon viele Frankfurter träumten. Erst wenn die Bauarbeiten des Bankhauses Metzler abgeschlossen sein werden, wird das "Nizza" mit der dominierenden Platanenallee und zum Teil außergewöhnlichen Pflanzen wieder hergerichtet.
Lebhafte Diskussionen gab es in der Vergangenheit um die Zukunft der in die Jahre gekommenen Rollschuhbahn, auf der seinerzeit Marika Kilius als junge Eiskunstläuferin auf Rollschuhen ihre Sommer-Runden gedreht hat und die für den Mainuferweg ein Nadelöhr darstellt. Alle Pläne, die Anlage an alter Stelle zu belassen, sie aber samt einem Cafehaus neu bauen zu lassen, sind in der Zwischenzeit vom Tisch: Der Frankfurter Roll- und Eissport-Club erhält voraussichtlich im Juni nächsten Jahres in Nieder-Eschbach ein neues Domizil, die historische Bahn am Main wird dann abgerissen. Sollte sich ein Investor finden, der an dieser Stelle ein Cafe bauen will, ist er der Stadt willkommen, ansonsten werden auch hier Grünflächen entstehen.
Und zwar genau in der Art, wie sie das Grünflächenamt bisher am gesamten nördlichen Mainufer anlegen ließ: mit einem einen bis 1,50 Meter breiten Rasenstreifen direkt am Wasser, gefolgt von einem fünf Meter breiten Asphaltweg für Fußgänger, Radler und Inline-Skater und anschließender Rasenfläche, in der das Gleis der "Historischen Eisenbahn" unsichtbar verläuft. An manchen Stellen sind auch Blumenbeete entstanden, doch das Grünflächenamt weiß, daß die Mainufer - außerhalb des "Nizza" - keine Flächen sind, um Gärtnerträume zu verwirklichen. Es muß den jährlichen Anforderungen vom Museumsufer- und Mainfest standhalten und ist von Wasser- und Stromleitungen durchzogen, um die Hotelschiffe während der Messen zu versorgen. Auch der Tatsache, daß Taxen die Gäste bis an die Schiffe heranfahren, versucht das Grünflächenamt Rechnung zu tragen und natürlich dem jährlich drohenden Hochwasser. Flexible Rabattengeländer und Beregnungsanlagen wurden installiert und manche Fläche wie die am Eisernen Steg großflächig gepflastert. Rund zwei Millionen Euro hat die Stadt seit 2000 ausgegeben, weitere 940000 Euro kostet der Teilabschnitt bis zur Rollschuhbahn, der jetzt begonnen wird.
Und auch auf der gegenüberliegenden Seite, am Südufer, tut sich etwas: Dort entsteht das neue Tiefufer am Theodor-Stern-Kai. Auf einer Fläche von 800 Meter Länge und 17 Meter Breite ist dem Main ein Stück Fläche abgetrotzt worden, die sich im Frühjahr mit Rasen, Bäumen und Bänken präsentieren soll. So wird sich dem Frankfurter im nächsten Jahr an vielen Stellen die Möglichkeit zum "Rasen-Lounging" bieten - wenn es dann noch im Trend ist. MECHTHILD HARTING