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„Loveball“ : Große Freiheit für Feierlustige

Standesgemäß: Ballgäste mit schrillen Outfits waren besonders gern gesehen. Bild: Cornelia Sick

Mehr als 900 Gäste lassen sich beim „Loveball“ im Palmengarten-Gesellschaftshaus für ein neues Festkonzept begeistern und küren Sarah Connor zu ihrer Party Queen.

          „Spektakuläre Kleidung“ hatten sich die Veranstalter als Dresscode für den ersten „Loveball“ in Frankfurt gewünscht. Für die einen waren das, ganz klassisch, der Smoking und das lange Abendkleid, für manche aber auch Jeans, Turnschuhe, freche kurze Kleidchen und elegante Hosenanzüge. Aber keiner musste sich underdressed vorkommen, denn ein Accessoire bekam jeder am Eingang: Die Frankfurter Aids-Hilfe bedankte sich bei jedem Gast mit einer roten Schleife dafür, dass er mit dem Kauf der Karte für die Unterstützung von HIV-Infizierten gespendet hatte.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mehr als 900 Gäste konnten die Organisatoren, Robert Mangold als Betreiber des Palmengarten-Gesellschaftshauses und Christian Setzepfand von der Aids-Hilfe, am roten Teppich begrüßen. Für die Organisation waren schließlich 19000 Euro zusammengekommen. Das war zwar etwas weniger als erhofft, doch angesichts der Tatsache, dass es die Premiere war und dazu am Sonntag eines langen Wochenendes, waren die beiden zufrieden. Wenn alle wieder mitmachten, solle es im nächsten Jahr wieder einen „Loveball“ geben. „Und vielleicht trauen sich dann noch einige mehr, sich spektakulär in Schale zu werfen“, so Setzepfand. Anregungen dazu gab es reichlich. Zahlreiche Dragqueens tanzten auf schwindelerregend hohen Pumps in hautengen schillernden Paillettenroben durch den Festsaal und gaben den Damen in der Raucherlounge auch gerne Auskunft über die Pflege der hochtoupierten Haarpracht: „Die stecke ich einfach in einen Wäschesack, und dann ab damit in die Maschine.“

          Es wurde getanzt und gefeiert: Die mehr als 900 Ballbesucher hatten sichtlich Spaß.
          Es wurde getanzt und gefeiert: Die mehr als 900 Ballbesucher hatten sichtlich Spaß. : Bild: Cornelia Sick

          Das Zeug für eine neue Frankfurter Institution

          Vor allem war Partnerlook an diesem Abend angesagt. Mal weiblich händchenhaltend im Dirndl, mal männlich im weißen Anzug oder im Smoking mit pinkfarbenem Rüschenhemd – so mischten sich die homo- unter die heterosexuellen Paare und feierten eine ausgelassene Party, die schon früh mit dem Auftritt der Urban Club Band begann. Während die einen noch von Büfett zu Büfett schlenderten und Lachstatar, Garnelen oder Kalbsfilet mit Pflaumen-Chili-Soße probierten, füllten die anderen gleich die Tanzfläche. Die wurde im Laufe des Abends immer größer, weil schon für den Auftritt von Alphaville die Zahl der Stehtische verringert wurde. Die Truppe, die in den Achtzigern Erfolge mit „Big in Japan“ und „Forever Young“ gefeiert hat, rockte den Saal und lockte bei manchem Jugenderinnerungen hervor. Nicht nur deshalb zeigte sich der Chef von Frankfurts Tourismus-Gesellschaft, Thomas Feda, begeistert von dem Abend. Ihm gefiel die Benefiz-Gala insgesamt, weil sie bunt und ungezwungen sei und deshalb gut in die Stadt passe.

          Außer Feda waren nur wenige Repräsentanten der Stadt zur Premiere des neuen bunten Balls gekommen, der das Zeug hat, eine Frankfurter Institution zu werden. Auch wenn manche noch meinen, erst einmal diskutieren zu müssen, ob alles jenseits von Heterosexualität nun toleriert oder akzeptiert werden müsse: An diesem Abend war das keine Frage. Zu den wenigen, die die Stadtpolitik vertraten, gehörte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen), die im türkis-schwarzen Spitzenkleid im Fünfziger-Jahre-Stil um Mitternacht in ihren 60. Geburtstag hineinfeierte.

          Ein gelungenes Fest der Liebe - mit einem Stargast

          Und während die einen mit Alphaville in Erinnerungen schwelgten, nutzten andere den etwas lautstarken Auftritt für einen Espresso auf der Palmenterrasse. Auch Sitzplätze gab es reichlich, so dass sich niemand so fühlen musste wie Flaniergäste bei anderen Bällen. Vielmehr fand man meist schnell einen Tisch, an dem man seinen nächsten Gang genießen konnte. Waren die einen fertig, wurde zügig abgeräumt, und die Nächsten konnten sich setzen – auch das ein erfreulicher Effekt des neuen Konzepts.

          Wein und Bier, ebenso wie alle anderen Getränke und Speisen von den Herstellern zur Verfügung gestellt, wurden an jeder Ecke üppig ausgeschenkt, nur für Champagner und Cocktails war ein Obolus fällig, der in den Spendentopf kam. Mit Interesse betrachtete das auch Hausherr und Palmengartenchef Matthias Jenny mit seinem Ehemann Josef Becker. Schließlich will Jenny in dieser Woche das neue Konzept für seinen Frühlingsball vorstellen, der hatte bisher sein Spendensoll nicht erfüllt.

          Trat trotz Schwangerschaft auf: Sarah Connor
          Trat trotz Schwangerschaft auf: Sarah Connor : Bild: Cornelia Sick

          Und einen Stargast wie Sarah Connor hatte er auch nicht zu bieten. Die kündigte zwar an diesem Abend an, angesichts ihrer fortgeschrittenen Schwangerschaft auf der Bühne nicht so viel zu tanzen, brachte ihr Publikum aber umso mehr dazu. Das feierte dann mit DJ Julian Smith bis in den frühen Morgen ein wirklich gelungenes Fest der Liebe und der großen Freiheit.

          Quelle: F.A.Z.

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