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Kritik von Marek Lieberberg : „Kahlschlag auf dem Werbemarkt“

Säulenordnung: Die neuen Regeln zur Außenwerbung überzeugen nicht jeden. Manche Veranstalter fürchten, von 2018 an nicht mehr genug Platz auf Litfaßsäulen zu finden. Bild: Junker, Patrick

Konzertveranstalter Marek Lieberberg hält die Ausschreibung der städtischen Werbeflächen in der beschlossenen Form für falsch. Dass die Kritik sehr spät kommt, weiß er.

          Marek Lieberberg klingt verärgert. Der Konzertveranstalter hat sich kürzlich die Details der Ausschreibung städtischer Werbeflächen angesehen und seine Schlüsse gezogen. „Es ist eindeutig ein Kahlschlag“, sagt der Mann, der unter anderem das Festival „Rock am Ring“ organisiert. „Dadurch fehlen uns die entscheidenden Flächen.“ Alle Veranstalter hätten damit ein Problem.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nach Lieberbergs Berechnungen werden durch die Ausschreibung, gegen die er grundsätzlich nichts hat, etwa 7500Werbeflächen gestrichen, die er bisher für Veranstaltungen buchen konnte. Im Gegenzug wolle die Stadt statt der bisher 1200„Moskito-Rahmen“ an Schalt- und Verteilerkästen 2500Stück zulassen. Für ihn ergebe sich daraus ein Minus von 6200Werbeflächen, überwiegend in der Größe A1 (59,4 mal 84,1Zentimeter). Lieberberg findet außerdem: „Moskito-Rahmen, das sind die hässlichsten der hässlichen.“ Sie seien zu klein, um wahrgenommen zu werden. Auch Einzelhändler hatten Teile der städtischen Ausschreibung kritisiert.

          Planungsdezernat kann Lieberbergs Rechnung nicht nachvollziehen

          Je länger Lieberberg redet, desto klarer werden zwei Dinge. Zum einen definiert er Kultur anders als die Stadt in ihrer Ausschreibung. Zum anderen hat er sich, wie andere kommerzielle Kulturveranstalter auch, reichlich spät mit dem für sie offensichtlich wichtigen Thema befasst. Spätestens Ende Februar, als der zuständige Planungsdezernent Mike Josef von der SPD in dieser Zeitung die Grundzüge der Ausschreibung skizziert hatte, hätten all jene Einspruch erheben müssen, die es jetzt erst tun, heißt es im Rathaus. Mittlerweile ist die Ausschreibung, mit der Frankfurt mehr Geld für die eigenen Werbeflächen erlösen und zugleich den Straßenraum von „Plakat-Wildwuchs“ befreien will, vom Magistrat beschlossen und auch schon veröffentlicht worden.

          Die Ausschreibung sieht vor, die Werberechte an den städtischen Flächen, zu denen gut 1200 Litfaßsäulen, 155 Großflächenplakate, 35 verglaste Mega-Light-Anlagen, 37 Uhrensäulen und viele weitere Flächen zählen, in vier Losen zu vergeben. Vorgesehen sind dabei auch kleinere Flächenpakete, die für regionale Firmen interessant sein sollen. Die Unternehmen, die schließlich zum Zug kommen, vermieten die Flächen dann selbst an ihre Kunden und zahlen der Stadt dafür eine Pacht aus einem Mindestbetrag und einer umsatzbezogenen Abgabe. Die Werberechte werden erstmals per Ausschreibung vergeben; von Anfang 2018 an soll das neue Konstrukt gelten.

          Marek Lieberberg weiß, dass er spät dran ist. Erst am 6.Juni hat er sich an das Kulturdezernat gewandt. In seiner E-Mail, die dieser Zeitung vorliegt, schreibt er: „Mit großem Befremden hören wir, dass die Stadt Frankfurt die Genehmigung für die Kulturplakatierung nunmehr ersatzlos widerrufen hat. Wir glauben, dass die Vielzahl der davon betroffenen unabhängigen Kulturproduzenten, die mit ihren Events – ohne Subventionen – wichtige Beiträge zur Vielfalt unsrerer Metropole leisten, diese schwerwiegende Entscheidung überhaupt nicht nachvollziehen kann.“

          „Überhaupt nicht nachvollziehen“ – das ist im Clinch mit der Stadt ein gutes Stichwort. „Wir können Lieberbergs Rechnung nicht nachvollziehen“, sagt der Sprecher des Planungsdezernats, der die Mail ebenfalls kennt. Offenbar basiere die Behauptung, fortan würden allein 170 „Kultursäulen“ mit insgesamt rund 5400A1-Flächen wegfallen, auf einem Missverständnis. „Denn es gibt in Frankfurt gar keine Kultursäulen.“ Deshalb seien sie auch nicht Teil der Ausschreibung.

          „Was es weniger geben wird, ist illegale Werbefläche“

          Was die Stadt hingegen ausschreibe, seien die Flächen auf den mehr als 1200 Litfaßsäulen, auf denen bisher und auf denen auch künftig kommerzielle wie gemeinnützige und institutionelle Kulturwerbung kostenpflichtig plaziert werden könne. Fortan müssten die Werbeunternehmen allerdings zehn Prozent der Flächen entgeltfrei für gemeinnützige Vereine zur Verfügung stellen.

          Ebenfalls nicht zutreffend sei die Behauptung Lieberbergs, wonach rund 100 Dreieckständer wegen der Ausschreibung nicht mehr zur Verfügung stünden. „Was es weniger geben wird, ist illegale Werbefläche“, sagt der Sprecher. 100 Dreieckständer könnten schon allein deshalb nicht wegfallen, weil es zurzeit überhaupt nur 28städtische, legal aufgestellte Ständer dieser Art gebe. Richtig hingegen sei, dass die gut 280 Werbeplatten an den sogenannten Drängelgittern entfernt und nicht ausgeschrieben würden – was Lieberberg ebenfalls moniert. Zutreffend sei auch, dass es nach der Ausschreibung keine Brückenwerbung mit Spannbändern mehr geben werde; auch das kritisiert der Konzertveranstalter.

          Und noch ein weiteres Missverständnis eher grundsätzlicher Art will der Dezernatsprecher ausgemacht haben. Er sagt: „Was Herr Lieberberg organisiert, sind kommerzielle Veranstaltungen. Unter Kulturwerbung im eigentlichen Sinne verstehen wir Werbung für Museen und für nichtkommerzielle Veranstaltungen von Kirchenchören, Vereinen und für Straßenfeste mit Kleinkunst.“

          Lieberberg, der morgen mit der Ehrenplakette der Stadt ausgezeichnet wird, sieht das anders. „Wir machen Kultur für Millionen auf eigene Kosten. Wir schaffen Arbeitsplätze und zahlen viel Gewerbesteuer“, sagt er. In dem Schreiben an das Kulturdezernat beklagt er außerdem, dass „gerade der nicht subventionierte Teil der Kulturlandschaft zusätzlich belastet“ werde. Nahezu abgeschafft würden „vielfältige, bewährte Kommunikationsoptionen“. Dadurch wiederum werde sich die Plakatierung „ganz erheblich verteuern“. Und deshalb würden noch mehr Veranstalter ihre Werbung ins Internet verlagern. Anstatt sich um Plakat-Wildwuchs zu sorgen, durch den angeblich die Gestaltungsqualität im öffentlichen Raum eingeschränkt werde, „wäre die Eindämmung der Frankfurter Graffiti-Seuche sicher eine wirklich vordringliche Aufgabe“.

          Quelle: F.A.Z.

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