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Veröffentlicht: 18.02.2017, 13:05 Uhr

Lehrermangel in Hessen Kinder fordern Klassenlehrer

An den Grundschulen fehlt Personal. Mit einer Demonstration vor dem Staatlichen Schulamt haben die Eichendorffschüler am Donnerstag darauf aufmerksam gemacht.

von , Frankfurt
© Wonge Bergmann Lautstark: Im Schulamt waren die Rufe sicher zu hören, und vielleicht ist der Protest auch in Wiesbaden angekommen.

Die Pfeifen trillern ohrenbetäubend, die Rufe hallen trotz Verkehrslärms bis zum benachbarten Hauptbahnhof. „Wir wollen Lehrer“, skandieren die Grundschüler von der Griesheimer Eichendorffschule. Mit ihren Eltern sind sie gestern vor das Staatliche Schulamt gezogen. Aus der Behörde, die im Auftrag des Kultusministeriums den Schulen die Lehrer zuweist, lässt sich zwar niemand blicken, aber die Pfiffe und Rufe der etwa 80 Demonstranten dürfte in den Amtsstuben kaum jemand überhört haben. Und vielleicht ist die Botschaft, dass in Frankfurt Lehrer fehlen, sogar in Wiesbaden von Kultusminister Alexander Lorz (CDU) vernommen worden.

Matthias Trautsch Folgen:

Kerstin Mayer, die Vorsitzende des Schulelternbeirats, hat einen Forderungskatalog mit zehn Punkten mitgebracht. Für jede Klasse einen eigenen Klassenlehrer, lautet einer von ihnen. Derzeit führten manche Lehrer aufgrund des Personalmangels zwei Klassen gleichzeitig. Eine andere Forderung lautet, offene Stellen mit examinierten Grundschullehrern zu besetzen. Mayer, deren Tochter in die dritte Klasse geht, verspricht sich davon nicht nur qualifizierten Unterricht, sondern auch mehr Kontinuität. Denn derzeit seien viele Kräfte mit kurzfristigen Vertretungsverträgen im Einsatz. Es komme vor, dass eine Klasse innerhalb einer Woche drei verschiedene Mathematiklehrer habe.

„Eine Bestenauslese ist das sicher nicht“

„Ich brauche eine Vertrauensperson“, steht auf einem Schild, das ein Mädchen in die Höhe hält. Eine Mutter hat „Reiches Hessen - arme Schulen“ auf ihr Plakat geschrieben. Kultusminister Lorz hatte in den vergangenen Wochen zugegeben, dass in Hessen 200 bis 300 Lehrer fehlen, ein Großteil davon in Frankfurt. Um den Mangel zu beheben, hat das Ministerium pensionierte Lehrer zur Rückkehr in die Schulen aufgerufen. Außerdem soll Gymnasiallehrern, die keine Aussicht auf eine Stelle haben, der Einsatz an einer Grundschule mit begleitender Fortbildung angeboten werden.

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Mayer hält die Reaktivierung von Pensionären für eine gute Idee - zumindest so lange, bis die Universitäten genügend Nachwuchs ausgebildet haben. Immerhin seien die Ruheständler Kräfte mit einschlägiger Qualifikation und Erfahrung. Gegen den Einsatz von Gymnasiallehrern hat sie dagegen Vorbehalte: Es sei doch etwas anderes, an einer Grundschule zu unterrichten. Außerdem seien wahrscheinlich nur diejenigen dazu bereit, die an einem Gymnasium nicht genommen würden. „Eine Bestenauslese ist das sicher nicht.“

Auch Alix Puhl, die Vorsitzende des Stadtelternbeirats, ist skeptisch: Es sei schließlich kein Zufall, ob sich jemand für das Lehramt an Grundschule oder Gymnasium entschieden habe. Um bei Drittklässlern das Interesse an Naturwissenschaften zu wecken, reiche es nicht, „wenn ein Physiklehrer Formeln an die Tafel schreibt“.

Nach Puhls Worten fehlen an so gut wie jeder Frankfurter Grundschule Lehrkräfte. Es gebe Fälle, in denen die Eltern sich freiwillig einverstanden erklärten, dass Nebenfächer wie Religion ausfielen, damit es wenigstens Unterricht in Deutsch und Mathematik gebe. Das Problem sei, dass Grundschullehrer wenig verdienten und kaum Aufstiegschancen hätten. Außerdem fänden junge Lehrer kaum bezahlbare Wohnungen. Möglicherweise könne die Stadt helfen, indem sie Nachwuchskräften günstigen Wohnraum anbiete. Angesichts der Prognose des Bildungsdezernats, dass die Zahl der Kinder jährlich um rund 200 zunehme, müsse auch über unkonventionelle Maßnahmen nachgedacht werden.

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