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Landschaftsarchitektur Meister der englischen Gartenkunst

10.01.2007 ·  Die Wallanlagen sind seine Schöpfung, ebenso ein Teil des Hauptfriedhofs, der Brentanopark und der Günthersburgpark. Vor 225 Jahren wurde der Stadtgärtner Sebastian Rinz geboren.

Von Mechthild Harting
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Ohne ihn sähe Frankfurt anders aus. Er hat den Wallanlagen, der beliebtesten Grünanlage der Stadt, ihre Gestalt gegeben. Das „Nizza“ am nördlichen Mainufer hat er als mediterranen Garten entworfen. Aber auch der erste Abschnitt des 1828 eröffneten Frankfurter Hauptfriedhofs - heute der älteste und eindrucksvollste Teil - wurde von ihm geplant und gestaltet, ebenso wie der Brentanopark, der Günthersburgpark und der Garten der heutigen Hochschule St. Georgen am Rande von Oberrad.

Stadtgärtner Sebastian Rinz hat in den mehr als fünf Jahrzehnten, die er in Frankfurt lebte, viele neue Grünflächen der Stadt geprägt, auch wenn einige zu seiner Zeit noch nicht öffentlich waren.

Weit angelegte Parklandschaft

Am engsten bleibt der Name Rinz jedoch mit den Wallanlagen verbunden, deren ersten Abschnitt, die Bockenheimer Anlage, der damals 24 Jahre alte Gärtner 1806 zwischen Eschenheimer Tor und dem heutigen Opernplatz schuf. Und zwar im englischen Landschaftsstil als elegante wie üppige Promenade mit einem vielgestaltigen Bewuchs aus Bäumen, Sträuchern und Blumen, mit landschaftlich pittoresken Ausblicken und Effekten. Aber vor allem als großzügige, weit angelegte Parklandschaft, zu ihrer Umgebung hin offen.

1807 übernahm Rinz als Stadtgärtner die Aufgabe, den gesamten ehemaligen Festungsring der Stadt in eine durchgängige Grünanlage zu verwandeln: vom heutigen Heilig-Geist-Krankenhaus an der Obermainbrücke bis zum späteren „Nizza“ an der Alten Brücke. 1812 schloss Rinz das Projekt ab, wirkte aber an der Gestaltung bis zu seinem Tod mit.

Mit der Demontage der Festungswerke, die aus einer hohen Mauer, Türmen, Wassergräben und elf wie Keile herausragende Bastionen bestanden, hatte man in Frankfurt schon vor Rinz begonnen, allerdings ziemlich planlos. Rinz' Vorgänger im Amt des Stadtgärtners hatte die freien Flächen mit Alleen und Hecken bepflanzen lassen, zum Missfallen vieler erholungsuchender Frankfurter. Umso mehr hat das rinzsche Konzept wenig später die Bürger überzeugt. Die Wallanlagen wurden zum ersten englischen Landschaftsgarten in Frankfurt, auch wenn sie damals nur eine Breite von etwa 20 Metern hatten und gerade mal elf Hektar groß waren. Heute umfasst die Grünfläche 22 Hektar.

Bedeutender Landschaftsarchitekt seiner Zeit

Goethes Mutter berichtete ihrem Sohn 1808 in einem Brief begeistert: „Die alten Wälle sind abgetragen, die alten Tore eingerissen, um die ganze Stadt ein Park, man glaubt, es sey Feerrey.“ Zwanzig Jahre später lobte Johanna Schopenhauer, Mutter des Philosophen: „Die köstlichen Anlagen endlich dicht vor den Toren umfrieden Frankfurt gleich einem riesengroßen, prächtig blühenden Blumenkranz.“

Heute gilt Rinz als einer der bedeutendsten Landschaftsarchitekten seiner Zeit. Er war als Gärtnerssohn am 11. Januar 1782 in Haimhausen bei München geboren worden und lernte auch selbst dieses Handwerk. 1801 kam er in den Park Schönbusch bei Aschaffenburg. Dort wurde er von dem Hofgärtner Bode angeleitet, der bestens mit dem neuen, „englischen“ Gartenstil vertraut war. Als man dann in Frankfurt einen talentierten Gärtner suchte, der die geschleifte mittelalterliche Befestigung zu einem Prestigeprojekt machen sollte, wandte sich der spätere Maire der Stadt, Jakob Guiollett, hilfesuchend an Schönbusch. Bode empfahl seinen Assistenten Rinz.

Dieser wird später nicht nur für sein gartenarchitektonisches Talent gelobt, sondern ebenso wegen seines organisatorischen Geschicks. Die Stadt hatte auch zu seiner Zeit Geldsorgen, die er bei der Gestaltung der Wallanlagen dadurch linderte, dass er in Privatgärten um Spenden bat sowie Bäume und Sträucher aus dem Stadtwald und dem Taunus holte. Später betrieb Rinz selbst eine Blumen- und Samenhandlung in der Nähe des Doms und gemeinsam mit seinen Söhnen eine Gärtnerei im Westend. Einige der Bäume, die Rinz in diesen ersten Frankfurter Grüngürtel pflanzte, überlebten sogar die verheerenden Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs und sind bis heute Teil dieser stattlichen innerstädtischen Grünanlage.

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Jahrgang 1961, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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