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Veröffentlicht: 08.06.2008, 13:00 Uhr

Kunstraub in der Schirn Wie gemalt, alles bleibt im Nebel


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Für die beiden Angeklagten scheint die Charakterisierung skrupellosen Berufsverbrechertums nicht einmal entfernt zuzutreffen. Sie sollen auch laut Staatsanwaltschaft lediglich zeitweise im Besitz des Friedrich und eines Turner gewesen sein. Sie selbst haben erklärt, unter Druck gesetzt worden zu sein und noch heute um ihr Leben zu fürchten. In Verhandlungen mit diesen Männern, die der als Unterhändler für die Eigentümer fungierende Frankfurter Rechtsanwalt Edgar Liebrucks vor Gericht als freundlich bezeichnete, gelangten Licht und Farbe“ und „Nebelschwaden“ in die Hand von Liebrucks. Er hatte dafür 2,25 Millionen Euro gezahlt.

Versicherungswert von 40 Millionen Euro

Bereits zwei Jahre zuvor war es ihm gelungen, „Schatten und Dunkelheit“ von einer anderen, nach seinen Angaben weitaus unangenehmeren und gefährlicher wirkenden Gruppe zu beschaffen und es der Londoner Tate Gallery als Eigentümerin zurückzubringen. Alles in allem, so der Erkenntnisstand der Frankfurter Staatsanwaltschaft, hat das Londoner Kunstinstitut fünf Millionen Euro und die Hamburger Kunsthalle 225 000 Euro gezahlt. Wie die Summe zwischen den Auftraggebern des Raubes von 1994, Zwischenbesitzern und dem vermittelnden Rechtsanwalt aufgeteilt wurde, ist nicht bekannt.

Der Wert von Kunstwerken ist schwer zu bestimmen und nicht selten Schwankungen unterworfen. Der Rang der beiden Turner-Gemälde ist seit Jahrzehnten unbestritten, ihr Versicherungswert von um die 40 Millionen Euro ist nur ein Anhaltspunkt für den Wert dieser Werke von fast beispiellosem kunsthistorischem Rang. Zu den an Rätseln nicht armen Kriminalfall gehört daher auch, warum sich die Bilderräuber mit dem vergleichsweise durchschnittlichen Friedrich-Bild auch noch abgegeben haben. Ungeklärt wird wohl auch bleiben, was die eigentlichen Drahtzieher bewogen hat, letztlich nur einen Bruchteil des Wertes als Lösegeld verlangt und die Beute herausgegeben zu haben.

Wirklich schlau und erfolgreich erscheint in dem Drama allein die Tate Gallery. Sie hatte einige Zeit nach dem Verlust der Turner-Gemälde von ihrer Versicherung 24 Millionen Pfund erhalten. 1998 kaufte sie die nach dieser Auszahlung an die Assekurranz übergegangenen Rechte an den Bildern für acht Millionen Pfund zurück. Als weiteren Schritt in die richtige Richtung rückversicherte sich die Galerie bei der britischen Regierung, dass sie die Bilder, falls sich je die Gelegenheit ergibt, als unschätzbare Güter des nationalen Kulturerbes wieder erwerben darf. Das geheime Geschäft des Rückkaufs, bei dem Tate letztlich trotz hoher Lösegeldzahlung einen Gewinn machte, wurde von einem Beamten der Londoner Kriminalpolizei Scotland Yard begleitet. Sergeant Jurk „Rocky“ Rokoszynski kommt jetzt als Zeuge zum Frankfurter Prozess. Vielleicht kennt er den „Paten“.

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