01.03.2006 · Hessen zählt nach Worten von Innenminister Bouffier zu den am wenigsten gefährlichen Bundesländern. Die Aufklärungsquote für Verbrechen liegt für 2005 bei 54,5 Prozent, die Zahl der registrierten Straftaten sank um 4,4 Prozent.
Deutlich weniger Straftaten, ein Aufklärungsrekord, starke Rückgänge bei Wohnungseinbrüchen und Raubdelikten und eine Kriminalitätsbelastung, die unter dem Bundesdurchschnitt liegt: Die Präsentation der Kriminalitätsstatistik 2005 erfüllte Innenminister Volker Bouffier (CDU) gestern sichtlich mit Zufriedenheit. „Hessen ist wieder ein Stück sicherer geworden“, stellte er am Ende seiner Pressekonferenz in Wiesbaden fest. SPD und Grüne wiesen dagegen darauf hin, daß die grundsätzlich erfreulichen Entwicklungen nicht das Verdienst des Ministers, sondern fast völlig auf einen allgemein rückläufigen Trend bei den Diebstahlsdelikten zurückzuführen seien.
Mit 54,5 Prozent war die Aufklärungsquote 2005 so hoch wie nie. Die Zahl der registrierten Straftaten sank um 4,4 Prozent auf 441.800, und mit nur noch 7246 Fällen je 100.000 Einwohner zählt Hessen Bouffier zufolge zu den am wenigsten gefährlichen Bundesländern. Erstmals seit zehn Jahren ging die Zahl der Opfer von Straftaten zurück: 54.302 waren es 2005 statt 55.313 im Jahr 2004. Auch der von Kriminellen angerichtete Schaden fiel geringer aus: Er lag bei 571 Millionen Euro, 13,5 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Der Innenminister hob den Rückgang jener Straftaten hervor, die das Sicherheitsempfinden besonders beeinträchtigten. Bei der Kriminalität, die auf Straßen, Wegen und Plätzen verübt werde - Raubüberfälle, Autoaufbrüche, Taschendiebstahl und Körperverletzungen -, war ein Rückgang um 6,6 Prozent (minus 7246 Fälle) zu verzeichnen. Die Zahl der angezeigten Diebstähle liege mit rund 187.700 auf dem niedrigsten Stand seit 1977.
„Einbruch lohnt sich in Frankfurt nicht“
Bei den Wohnungseinbrüchen wurde nach einem Rückgang um 24,3 Prozent auf 9665 Fälle der niedrigste Wert seit 25 Jahren erreicht. Dies sei nicht zuletzt speziellen Arbeitsgruppen der Polizei zu verdanken, die sich vor allem um ausländische Intensivtäter kümmerten, sagte Bouffier. So würden beispielsweise aus Chile einreisende Einbrechergruppen von Beamten der Frankfurter „AG Domus“ schon beim Eintreffen am Flughafen observiert und dann auf frischer Tat dingfest gemacht. „So etwas spricht sich bis nach Südamerika herum: Einbruch lohnt sich in Frankfurt nicht.“ Daß es sinnvoll sei, in die Sicherung von Türen und Fenstern zu investieren, belege eindrucksvoll die abermals gestiegene Zahl erfolgloser Einbruchversuche: 38,6 Prozent aller Wohnungseinbrüche (2004: 28,4 Prozent).
Mit Besorgnis beobachtet Bouffier hingegen die zunehmende Zahl von Körperverletzungen: 29.933 Fälle (plus 1,9 Prozent) wurden 2005 gemeldet. Gründe dafür seien die sinkende Hemmschwelle bei Jugendlichen, aber auch das konsequente Einschreiten der Polizei bei häuslicher Gewalt - allein davon wurden 6000 Fälle festgestellt, ein Anstieg um zehn Prozent.
Die Polizei habe trotz Stellenabbau, höherer Arbeitsbelastung und Schwierigkeiten mit Computersystemen hervorragende Arbeit geleistet, konstatierte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Günter Rudolph. Der Rückgang der Einbruchszahlen und der Delikte rund ums Auto sei aber vor allem auf technische Verbesserungen zurückzuführen und die Aufklärungsquote nur deshalb gestiegen, weil der Anteil der selten geklärten Diebstahlsdelikte an der Gesamtzahl der Straftaten zurückgegangen sei. Der innenpolitische Sprecher der Grünen, Jürgen Frömmrich, nannte es beunruhigend, daß der Anteil von Straftaten wie Körperverletzung und Rauschgiftdelikten zugenommen habe.