11.10.2006 · Ärzte haben bei einer schwangeren Siebzehnjährigen aus Frankfurt eine Notgeburt eingeleitet, nachdem diese von ihrem ehemaligen Freund niedergestochen worden war. Das Kind lebt, die junge Frau liegt im Koma.
Ärzte haben bei einer schwangeren Siebzehnjährigen aus Frankfurt eine Notgeburt eingeleitet, nachdem diese von ihrem ehemaligen Freund mit einem Messer niedergestochen worden war. Das nur 800 Gramm schwere Baby hat laut Polizeimitteilung vom Mittwoch keinen Stich abbekommen, aber nach Expertenmeinung dennoch nur geringe Überlebenschancen. Die schwer verletzte Mutter lag der Polizei zufolge am Tag nach der Bluttat vom Dienstag noch im Koma, war aber außer Lebensgefahr.
Die Ermittler hatten den 22 Jahre alten ehemaligen Freund des Mädchens noch am Dienstagabend in dessen Hanauer Wohnung festgenommen. Er hatte zwei Stunden nach der Bluttat bereits seine Kleidung gewechselt und wollte fliehen. In einer ersten Vernehmung habe er zugegeben, daß er die junge Frau töten wollte. Er sollte dem Haftrichter vorgeführt werden.
Wohl keine gezielten Stiche in den Bauch
Der Mann war ersten Ermittlungen zufolge mit Gewalt in die Wohnung seiner früheren Freundin eingedrungen und hatte sie zu einer Aussprache gedrängt. Ein ebenfalls anwesender Bekannter der Jugendlichen habe daraufhin das Zimmer verlassen, berichtete Polizeisprecher Karlheinz Wagner. Im Laufe der Auseinandersetzung habe der Zweiundzwanzigjährige dann wahllos mit einem mitgebrachten Messer auf die junge Frau eingestochen. Gezielte Stiche gegen den Babybauch habe er wohl nicht geführt. Den Griff des zerbrochenen Messers fanden die Beamten in der Wohnung, die Klinge lag im Garten.
Nach der Tat rief der Zweiundzwanzigjährige den Notarzt und flüchtete. Ermittler der Polizei stellten den mutmaßlichen Täter in seiner Wohnung. Bereits vor ihrer Trennung am vergangenen Freitag hätten die junge Leute häufiger so heftig gestritten, daß die Polizei eingreifen mußte.
Prinzipiell gute Überlebenschancen
Bei guter Vorbereitung hätte ein in der 25. Schwangerschaftswoche geholtes Kind heutzutage „erfreulich gute“ Überlebenschancen, erklärte der Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Marburg, Prof. Felix Maier. 60 bis 80 Prozent dieser so früh geborenen Kinder überlebten.
Diese Quote gelte aber nur bei bester Vorbereitung und optimaler Versorgung des Neugeborenen, was im akuten Fall natürlich nicht möglich gewesen sei. Bei ärztlich begleiteten Frühgeburten würden zum Beispiel Medikamente gegeben, um die Lunge des Kindes reifen zu lassen. Der Sauerstoffmangel im Mutterleib senke die Chancen des Kindes ebenfalls dramatisch und lasse zudem bleibende Hirnschäden im Überlebensfall befürchten.