27.07.2005 · In der Ferienzeit kommen Kinderbanden nach Frankfurt und brechen in Wohnungen ein. Mit Schraubenziehern hebeln die jungen Täterinnen Türen auf und klauen Bargeld und Schmuck. Doch die Polizei ist ihnen auf den Fersen.
Von Florian LeclercDie Zahl der Einbrüche in Frankfurter Wohnungen ist im vergangenen Jahr um 30 Prozent zurückgegangen. Das sagte am Mittwoch Polizeipräsident Harald Weiss-Bollandt. 38 Personen seien auf frischer Tat festgenommen worden, gegen weitere 129 Beschuldigte werde ermittelt. Sie würden in Zusammenhang mit 183 Wohnungseinbrüchen gebracht.
Am 1.Juni 2004 war aufgrund der hohen Zahl der Einbrüche in Frankfurt die „AG Domus“ gegründet worden. Der Arbeitsgruppe gehören unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Andreas Korngiebel 13 Polizisten an, die sich auf die Bekämpfung und Aufdeckung von Wohnungseinbrüchen spezialisiert haben. Wurden im ersten Halbjahr 2004 noch 1176 Einbrüche in Frankfurt gemeldet, waren es im ersten Halbjahr 2005 nur 807 - ein Rückgang um rund ein Drittel. „Durch die Arbeit der AG Domus hat sich die Zahl der Einbrüche stark reduziert“, sagte Weiss-Bollandt.
„Zarte Mädchen“ begehen Verbrechen
Im Durchschnitt lag die Zahl der Einbrüche in den vergangenen zehn Jahren bei 3749. Im Jahr 1997 wurde ein Höchststand von 4995 verzeichnet. Verantwortlich für die Taten seien vor allem mobile Einbrecherbanden aus Chile oder Osteuropa, sagte Kriminaloberrat Karl-Heinz Becker. Im Sommer und zur Ferienzeit werde Frankfurt von Kinderbanden heimgesucht, die meist vor- und nachmittags in Wohnungen einbrächen, fügte Korngiebel hinzu.
Nach seinen Worten kommen die Kinder, meist Mädchen im Alter von elf bis 13 Jahren, aus der Gegend um Straßburg. Dort lebten sie Wohnwagensiedlungen. Mit Autos oder Wohnwagen führen sie über die A5 nach Frankfurt. Laut Korngiebel wohnen, essen und schlafen sie in den Fahrzeugen und lagerten darin auch die Diebesware. In kleinen Gruppen, meist aber zu zweit, zögen sie durch die Stadt, auf der Suche nach einer Gelegenheit zum Einbruch. Wohnungs- oder Terrassentüren würden mit Schraubenziehern aufgebrochen. Auch gekippte Fenster könnten sie leicht öffnen. Dabei sähen die Diebinnen aus wie die Kinder von nebenan: „Diesen zarten Mädchen traut man eigentlich keine Verbrechen zu“, meint Weiss-Bolandt. In 76 Prozent der Fälle seien Einfamilienhäuser das Ziel der Täter, so Becker.
Diebe klettern auf Balkone
Von Herbst an und in den dunklen Wintermonaten kommen laut Korngiebel chilenische Einbrecherbanden nach Frankfurt. Dort gebe es Mittelsmänner, die ihnen eine Wohnung stellten und die Hehlerware weiterverkauften. Die Chilenen hätten ein Visum für drei Monate und würden nach dieser Zeit „ausgetauscht“. Wenn es abends dunkel werde, sähen die Diebe, in welchen Wohnungen Licht brenne und wo nicht. Dort brächen sie mit dem Schraubenzieher Wohnungstüren auf, kletterten aber auch Häuserfassaden hinauf, um auf die Balkone zu gelangen, erläuterte Becker.
Bis zu 70 Wohnungen würden von der Banden in einer Nacht aufgebrochen. Dabei werde vor allem Schmuck und Bargeld entwendet. Aber die chilenischen Diebe nähmen auch alle Gegenstände mit, die sie tragen könnten. Was sich nicht in Frankfurt verkaufen lasse, werde als Paket nach Chile verschickt.
Zum Schutz vor Einbrechern empfiehlt die Polizei, Türen abzuschließen und auch Fenster nicht gekippt zu lassen, wenn man nicht zu Hause ist. Damit werde die Einbruchsgefahr in der eigenen Wohnung minimiert, sagte Becker: „Die Einbrecher ziehen dann einfach zur nächsten Wohnung weiter.“
Kriminalität in Zahlen
807 Einbrüche wurden im ersten Halbjahr 2005 in Frankfurt verübt, im ersten Halbjahr 2004 waren es 1176 Delikte. Das entspricht einem Rückgang um 31 Prozent. Im Jahr 2004 gab es 2409 Einbrüche in Frankfurt. 38 Personen wurden in diesem Jahr unmittelbar der Tat festgenommen.
Gegen 129 Beschuldigte wird ermittelt, ihnen werden 183 Delikte zur Last gelegt. 36 der Verdächtigen sind deutsche Staatsangehörige, unter ihnen sind elf eingebürgerte Ausländer, weitere elf sind drogenabhängig.
In 27 Prozent der Fälle kommen die Einbrecher durch die Wohnungstür, 22 Prozent der Täter steigen durch die Fenster ein, 13 Prozent brechen die Balkontür auf. Zehn Prozent dringen durch die Terrassentür ein, in vier Prozent der Fälle werden Fenster eingeschlagen. Zwei Prozent der Täter drehen den überstehenden Profilzylinder des Schlosses ab oder drücken es gewaltsam auf.