Home
http://www.faz.net/-gzh-143uk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kostenschätzung Altstadtprojekt kostet gut 100 Millionen Euro

10.10.2009 ·  Die Bebauung des Frankfurter Altstadtareals wird sich durch den Verzicht von Werner Pfaff auf den Geschäftsführerposten der Dom-Römer GmbH abermals verzögern. Über die Frage, wie groß der Rückschlag ist, gehen die Meinungen allerdings auseinander.

Von Matthias Alexander, Frankfurt
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die Bebauung des Frankfurter Altstadtareals wird sich durch den Verzicht von Werner Pfaff auf den Geschäftsführerposten der Dom-Römer GmbH abermals verzögern. Darüber sind sich alle Beteiligten in Verwaltung und Kommunalpolitik einig. Über die Frage, wie groß der Rückschlag ist, gehen die Meinungen allerdings auseinander. „Mindestens ein Dreivierteljahr“, ist aus dem Planungsdezernat zu hören. So lange hatten sich Pfaff und seine Mitarbeiter nämlich schon intensiv mit der Materie befasst. Da mit Pfaff auch seine Mitarbeiter die Dom-Römer GmbH verlassen werden, wird das von ihnen erworbene Wissen voraussichtlich weitgehend verlorengehen.

Eine andere Rechnung, die von einzelnen Stadtverordneten aufgemacht wird, hört sich deutlich pessimistischer an. Ziehe sich die Suche nach dem Nachfolger hin, werde es sich schnell um zwei Jahre handeln. Schwarzseher fügen hinzu, dass sich die Finanzlage der Stadt in der Zwischenzeit so weit verschlechtern könnte, dass das Projekt aufgegeben werde. „Wir haben ja noch die Pläne für den Umbau des Technischen Rathauses in ein Apartmenthaus in der Schublade“, äußerte ein CDU-Stadtverordneter sarkastisch am Rande des Plenums am Donnerstagabend. Als ausgemacht gilt, dass die Bebauung in der Amtszeit von Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) bis 2013 nicht annähernd abgeschlossen werden kann.

Laut einer Kostenschätzung soll das Projekt 95 Millionen Euro teuer sein

Immerhin liegt mittlerweile eine belastbare Kostenschätzung für das Altstadtareal vor. Nach einer Aufstellung der Dom-Römer GmbH, die dieser Zeitung vorliegt, wird das Projekt mindestens 95 Millionen Euro kosten. Allein der Abriss des Technischen Rathauses ist mit 20 Millionen Euro veranschlagt. Das ist rund das Doppelte der bisher genannten Summe, die noch das Hochbauamt ermittelt hatte. Weitere sieben Millionen Euro sind für den Umbau der Tiefgarage veranschlagt. Das Stadthaus am Markt, also die geplante Überbauung des Archäologischen Gartens, soll knapp 22 Millionen Euro kosten. Dazu gehören auch die Kosten für die Rekonstruktion der Goldenen Waage in Höhe von 1,5 Millionen Euro, denen noch rund 20 Prozent Nebenkosten hinzuzurechnen sind. Den größten Posten, nämlich knapp 47 Millionen Euro, macht die Errichtung der übrigen rund 40 Häuser des Quartiers zwischen Krönungsweg und Braubachstraße aus.

Den 95 Millionen Euro sind allerdings noch die Aufwendungen für Nachbarschaftsvereinbarungen, Stellplatzablöse, Öffentlichkeitsarbeit und weitere Aufgaben hinzuzurechnen; das ist bisher noch nicht geschehen, weil sie derzeit nicht seriös zu schätzen sind. Als sicher kann jedoch gelten, dass die Stadt mehr als 100 Millionen investieren muss. Die Hoffnung ist, zumindest die Kosten für den Bau der Häuser wieder erlösen zu können.

Abriss des Technischen Rathauses soll am 2. Januar beginnen

Wie im Römer zu hören ist, wird mit dem Abriss des Technischen Rathauses nicht begonnen werden können, bevor sich der Nachfolger Pfaffs eingearbeitet hat. Aus bautechnischen Gründen dürfen höchstens drei Jahre vergehen, bis die neue Bebauung fertiggestellt ist. Andernfalls droht ein Aufschwemmen des Areals durch das Grundwasser. Da davon auch die U-Bahn betroffen wäre, muss mit besonderer Vorsicht vorgegangen werden. Mit dem Abriss des Technischen Rathauses soll nach der aktuellen Planung am 2. Januar begonnen werden. Die städtischen Ämter verlassen das Gebäude am Wochenende des 7. November. Die Läden und Restaurants haben ihre Kündigung zum 31. Dezember erhalten. Sollte sich der Abriss verzögern, wäre die Stadt laut Liegenschaftsamtsleiter Gangel daran interessiert, die Mietverträge mit kurzer Kündigungsfrist zu verlängern.

Wie zu hören ist, hat Pfaff in einem Brief an die Oberbürgermeisterin nachgefragt, ob er für eine Übergangszeit im Amt bleiben solle oder ob es eine Art Notgeschäftsführer geben werde. Aus dem Büro der Oberbürgermeisterin hieß es, man wolle das freundliche Angebot Pfaffs annehmen, das Projekt in einer Übergangsphase zu begleiten. Allerdings sollte Pfaff keine Verträge oder Aufträge mehr unterschreiben, weil das zu neuen Diskussionen führen könnte. Die Nachfolgefrage solle rasch geklärt werden, äußerte Roths Büroleiter Peter Heine. Derzeit würden Überlegungen angestellt, wer in Frage kommen könnte. Heine wollte auf Nachfrage aber keine Namen nennen.

Hans-Erhard Haverkampf als Nachfolger im Gespräch

Da war Liegenschaftsamtsleiter Gangel etwas mitteilsamer. Er schlug im Gespräch mit dieser Zeitung vor, den früheren Baudezernenten Hans-Erhard Haverkampf mit der Aufgabe zu betrauen. Tatsächlich brächte Haverkampf die nötigen planerischen, immobilienwirtschaftlichen und politischen Erfahrungen mit, um ein derartiges Projekt voranzutreiben. Haverkampf war von 1975 bis 1989 zunächst Planungs- und später Baudezernent in Frankfurt. Auf Empfehlung von Walter Wallmann wurde er von Helmut Kohl als Projektleiter für das neue Kanzleramt in Berlin geholt. Anschließend war Haverkampf für die Errichtung des Holocaust-Denkmals in der Nähe des Brandenburger Tors zuständig. Haverkampf, der in Frankfurt lebt, ist mit seinen 69 Jahren allerdings nicht mehr der jüngste. Für ihn spricht, dass in seinem Fall keine Interessenkonflikte mit anderen Projekten drohen. Haverkampf selbst wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen zu den Überlegungen.

Eine andere Möglichkeit wäre, eines der großen Projektentwicklungsunternehmen in Frankfurt zu bitten, einen Geschäftsführer und weitere fähige Mitarbeiter abzustellen. Zu nennen sind die städtische Frankfurter Aufbau AG (FAAG), die OFB Projektentwicklung und Groß & Partner. Das könnte allerdings mit wettbewerbsrechtlichen Schwierigkeiten verbunden sein. Außerdem stellt sich die Frage, ob die Unternehmen Mitarbeiter beschäftigen, die den politischen Herausforderungen des Projekts gewachsen sind.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr