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Korruptionsskandal Emig-Affäre reicht bis nach Leipzig

04.07.2005 ·  Aus den Ermittlungen um den ehemaligen HR-Sportchef haben sich Hinweise ergeben, daß es auch bei der Sportberichterstattung in Ostdeutschland illegale Koppelgeschäfte gegeben hat. Am Montag durchsuchte die Polizei Büros des MDR.

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Die Korruptions-Affäre um den ehemaligen Sportchef des Hessischen Rundfunks Jürgen Emig zieht Kreise über das Sendegebiet hinaus. Am Montag ließ die Staatsanwaltschaft Leipzig das Büro des Sportchefs des Mitteldeutschen Rundfunks Wilfried Mohren durchsuchen. Aus den Ermittlungen in Frankfurt hatten sich Hinweise ergeben, auch bei Fernsehberichten über Sportereignisse in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen könnte es illegale Koppelgeschäfte gegeben haben. Dem Vernehmen nach steht die Agentur SMP, die dem Präsidenten des Deutschen Tanzsportverbandes Harald Frahm gehört, im Mittelpunkt.

Gegen Frahm hatte das Frankfurter Amtsgericht am vergangenen Dienstag ebenso wie gegen Emig Haftbefehl erlassen, den Sechzigjährigen jedoch von der Vollstreckung verschont. Nach Ansicht der Ermittler hat er im Gegensatz zu Emig die Vorwürfe weitgehend eingeräumt. Dem Journalisten wird unter anderem Bestechlichkeit zur Last gelegt, weil er als Gegenleistung für Berichte über sogenannte Randsportarten wie Tanzen, Triathlon oder Reiten gefordert habe, die Agentur Frahms oder die seiner, Emigs, Frau bei der Vermarktung und Sponsorensuche zu beauftragen. Auf diese Weise sollen die Beschuldigten, zu denen noch ein früherer Produktionsleiter des HR zählt, insgesamt rund 400000 Euro als „unrechtmäßigen Gewinn“, mithin als Schmiergeld eingenommen haben.

Müller gesteht Fehler ein

Der Organisator des am Sonntag wiederum anstehenden Frankfurter Ironman-Triathlons, Kurt Denk, sagte dieser Zeitung, er habe für die Übertragung des Großereignisses in den Jahren 2002 und 2003 durch das Hessische Fernsehen jeweils Verträge mit der Agentur Frahms abgeschlossen. Dazu habe man sich im Büro Emigs im HR getroffen, so daß er zu keinem Zeitpunkt daran gezweifelt habe, die Agentur vertrete rechtmäßig den Sender; seine Gesprächspartner hätten ihm zudem versichert, diese Gestaltung der Verträge sei üblich. Nach Informationen Denks ist jedoch nur ein Teil der von ihm überwiesenen Summe beim Sender eingegangen. Seit dem Rücktritt Emigs als Sportchef im vergangenen Jahr verhandele er unmittelbar mit dem HR über Zuschüsse zu den Produktionskosten. Er fühle sich seither fair behandelt.

Unterdessen hat der Präsident des Landessportbundes, Rolf Müller, als Konsequenz aus der Korruptionsaffäre abermals die Überprüfung von Sponsoren-Verträgen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern gefordert. „Entweder ist das Sportereignis unter journalistischen Gesichtspunkten relevant oder nicht. Aber es kann kein Kriterium sein, ob sich jemand einkaufen kann oder nicht“, sagte Müller in einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur. Als Mitglied des HR-Rundfunkrats will Müller den Fall Emig bei der nächsten Sitzung am 22. Juli zur Sprache bringen. Selbst wenn der HR nicht betroffen sei, habe die Affäre Auswirkungen auf den Ruf des Senders. Im Nachhinein betrachtet war es laut Müller ein Fehler, die interne Untersuchung des HR zu Emig im Frühjahr 2004 nicht dem Rundfunkrat vorzulegen. Müller lobte jedoch HR-Intendant Helmut Reitze, der nach seinem Amtsantritt 2003 der jahrelangen Sponsoren-Praxis erstmals auf den Grund gegangen sei.

Quelle: hs., F.A.Z. vom 5. Juli 2005
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