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Konzerte Bretter, die das Geld bedeuten

09.08.2010 ·  Konzerte sind für viele Rockmusiker längst die wichtigste Einnahmequelle. Sie sollen die rückläufigen CD-Verkäufe kompensieren. Doch an den Großereignissen wollen viele mitverdienen.

Von Tim kanning, Frankfurt
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Frankfurt. Als U2 in den Jahren 2005 und 2006 mit ihrer Vertigo-Tour durch die Welt zogen, verkauften sie 4,6 Millionen Karten und setzten damit fast 400 Millionen Dollar um. Wenn die Band aus Irland morgen Abend die Frankfurter Commerzbank-Arena zum Beben bringt, dürfte das Ereignis die Konten von Bono und Co. wieder um einige hunderttausend Euro schwerer machen.

Die besten Plätze kosten 199 Euro, für Stehplätze müssen die Fans 68 Euro berappen. So kommen bei Rockkonzerten gewaltige Summen zusammen. Geht man von einem Durchschnittskartenpreis von 80 Euro aus, spült eine ausverkaufte Frankfurter Arena mit 44.000 Sitz- und Stehplätzen an einem Abend rund 3,5 Millionen Euro in die Kassen. Davon wollen viele etwas abhaben.

Das Album als Alibi

Längst sind Konzerte für viele Rockmusiker die wichtigste Einnahmequelle geworden. Die Verkaufszahlen von CDs und anderen Tonträgern gehen aufgrund von Raubkopien und illegalen Downloads im Internet seit Jahren zurück, das Herunterladen gegen Bezahlung kann den Rückgang nach wie vor nicht kompensieren. 1,57 Milliarden Euro gaben die Deutschen 2008 für Tonträger aus. Dem stehen rund 2,57 Milliarden Euro gegenüber, die für Livemusik-Veranstaltungen hingeblättert wurden. In den neunziger Jahren hatten sich die beiden Einnahmequellen noch nahezu die Waage gehalten.

Der Wandel stellt die Verhältnisse in der Musikindustrie auf den Kopf. Gingen Künstler früher auf Tournee, um ihre neuen Alben zu vermarkten, so erscheinen neue Studioaufnahmen inzwischen gerade für altgediente Stars wie die Rolling Stones oder Tina Turner eher als Alibi dafür, mal wieder auf Tournee gehen zu können. Manche Künstler wie Prince oder Radiohead bieten ihre Neuwerke ganz umsonst an, und hoffen, damit die Gruppe potentieller Konzertgänger zu vergrößern.

Ein großes Geschäft

Die Bewegung im Markt ist groß. Jeder will an der Geldquelle Live-Erlebnis mitverdienen. Plattenlabels verpflichten ihre Künstler über Klauseln in den Plattenverträgen, ihnen einen Teil der Konzerterlöse abzutreten. In der vergangenen Woche erst hat Sony Music zusammen mit dem Konzertveranstalter Deutsche Entertainment AG ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, über das sie bei der Produktion von Platten und Konzerten kooperieren wollen.

Bei großen Welttourneen werden die Aufgaben auf viele Schultern verteilt. Die aktuelle Tour von U2 wird weltweit vom Veranstaltungsriesen Live Nation organisiert. Er handelt das Honorar für die Band und die übrigen Künstler aus, kümmert sich um die Bühnenaufbauten, Technik, Ton und was noch so alles bei jedem Konzert in der Welt gleich sein sollte. Für den Deutschlandteil der Tour, also etwa das Anmieten von Stadien, Busunternehmen und Ähnlichem ist ein nationaler Veranstalter – für U2 die Frankfurter Marek Lieberberg Konzertagentur – zuständig. In der Regel übernimmt das Anmieten von Sicherheitspersonal und anderen ortsgebundenen Dienstleistungen noch ein zusätzlicher örtlicher Veranstalter.

Stadionkonzerte sind aufwändiger und teurer

Wer für einen Abend in der Frankfurter Festhalle auftreten will, vor unbestuhltem Innenraum und beiden Rängen, muss bis zu 46.000 Euro hinlegen. „Allerdings gibt es an die 100 unterschiedlichen Bestuhlungsvarianten zur Auswahl und entsprechend viele Preismodelle“, sagt Dieter Otto, Leiter der Festhalle bei der Messe Frankfurt.

Die Arena im Stadtwald ist deutlich teurer. Um die 200.000 Euro muss der Veranstalter nach Angaben der Stadion Frankfurt Management GmbH zahlen. Allerdings passen dort bei Konzerten auch mehr als dreimal so viele Menschen hinein wie in die Festhalle. In der Regel ist bei Stadionkonzerten auch eine längere Aufbauzeit nötig. Während die Roadies der Stars in der Festhalle normalerweise morgens mit dem Aufbau der Bühne anfangen und bis nachts um drei wieder alles eingepackt haben, brauchen die aufwändigen Bauten im Stadion meist mehrere Tage – die alle in den 200.000 Euro enthalten sind. Für die gigantische U2-Bühne wird seit Mittwoch in der Arena gewerkelt.

Geld für Würstchen und Wasser

Eine kleine Halle wie die Batschkapp, die 400 Zuschauer fasst, funktioniert anders. „Die Musiker bringen nur ihre Instrumente und Verstärker mit“, sagt Geschäftsführer Ralf Scheffler. „Wir haben alles, damit es richtig laut wird.“ Die Bühne ist fest installiert. Die Künstler müssen sich nicht einmieten, sagt Scheffler. Stattdessen würden Gewinne oder Verluste einer Veranstaltung nach bestimmten Prozentsätzen zwischen Veranstalter und dem Batschkapp-Betreiber aufgeteilt. Wenn die Karten über den großen Ticketvertreiber CTS Eventim verkauft werden, müssen nach Schefflers Angaben noch einmal bis zu 20 Prozent an Gebühren hinzugerechnet werden. Die Batschkapp habe daher ein eigenes Ticketsystem entwickelt. Was die Besucher an der Bar bezahlen, bleibt bei dem Club.

Auch das rentiert sich. Im Schnitt gibt jeder Zuschauer auf einer Livemusik-Veranstaltung für Bier, Wasser und Würstchen noch einmal fast zehn Euro aus – bei einer ausverkauften Arena kommen so noch einmal 440.000 Euro an einem Abend zusammen. Bei großen Spielstätten geht das Geld in der Regel an die Cateringunternehmen, die langfristige Pachtverträge haben. In der Festhalle gehört der Caterer Accente Services ohnehin zur Messe-Gruppe.

Über die Ticketpreise wurde schon immer geschimpft

Für Fanartikel wie Poster, T-Shirts oder CDs zahlte jeder Konzertbesucher nach Angaben des Veranstalterverbandes 2008 im Schnitt noch einmal 3,90 Euro, 2007 sogar 5,60 Euro. Diese Einnahmen gehen meistens an die Merchandising-Verkäufer, die der Künstler selbst mitbringt. Manchmal zweigen sich die Spielstättenbetreiber aber auch davon einen Teil ab, indem sie den Verkauf nur an zusätzlich angemieteten Ständen erlauben. Wer an einem Ticket wie viel verdient, sei bei jedem Konzert unterschiedlich, sagt Jens Michow vom Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft. Die Kostenstrukturen unterschieden sich so sehr wie ein Konzert von Katie Melua und eine Show von U2. Für den Konzertveranstalter blieben unterm Strich um die neun Prozent des Tourumsatzes, vor Steuern.

Die Schuld an den ständig steigenden Ticketpreisen schiebt Michow auf die Künstler. Die versuchten, die wegbrechenden CD-Erlöse durch immer höhere Auftrittgagen zu kompensieren. Und im übrigen ist das Schimpfen über teure Tickets so alt wie der Rock ’n’ Roll selbst. Schon der Urvater des deutschen Stadionkonzerts, der Frankfurter Fritz Rau, musste sich 1970 als „Kapitalistensau“ verunglimpfen lassen – weil er für die Rolling Stones zehn Mark Eintritt verlangte.

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