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Festnahme von Uni-Triebtäter : Gefühlte Sicherheit

  • -Aktualisiert am

Dingfest: Weil er sich vor einer verdeckten Ermittlerin entblößte, wurde ein Mann auf dem Frankfurter Uni-Campus festgenommen - ein Gentest überführte ihn (Symbolbild) Bild: Picture-Alliance

Die Frankfurter Polizei kann glücklich sein über die Festnahme des Mannes, der mutmaßlich wochenlang auf dem Uni-Campus sein Unwesen getrieben hat. Der Erfolg spricht für die Arbeit der Ermittler. Sie haben die Festnahme dringend gebraucht. Ein Kommentar.

          Es ist eine gute Nachricht, dass der Sexualstraftäter nun in Haft sitzt, der wochenlang sein Unwesen auf dem Uni-Campus Westend in Frankfurt getrieben, Frauen angegriffen und sexuell genötigt hat. Seine DNA hat ihn überführt. Und seine Dummheit, die sich die Polizei zunutze machte: Er kam immer wieder an denselben Tatort zurück. Die Überführung durch eine verdeckte Ermittlerin, die quasi als Lockvogel fungierte, hätte sich auch ein Krimiautor ausdenken können.

          Die Übergriffe haben vor Augen geführt, wie leicht Frauen selbst an einem frequentierten Ort wie dem Campus der Goethe-Universität Opfer von Übergriffen werden können. Dreimal konnte der Täter entkommen, obwohl dort in der Nacht Wachpersonal unterwegs ist. Und obwohl die Bebauung vergleichsweise wenige dunkle Ecken bietet.

          Festnahme dringend gebraucht

          Die Polizei kann glücklich sein über die Festnahme des mutmaßlichen Triebtäters. Dieser Erfolg spricht für die Arbeit der Ermittler. Man könnte aber auch sagen: Sie haben die Festnahme dringend gebraucht. Denn nicht nur unter Studentinnen, sondern auch in der übrigen Bevölkerung wurde die Frage gestellt, warum die Polizei nicht schon früher über die Vorfälle informiert hat.

          Auch wenn die Zurückhaltung durch taktische Erwägungen begründet wurde, was man in Teilen nachvollziehen kann, bleibt die Frage: Warum war es nicht wenigstens möglich, nach der zweiten Tat, als die verdeckten Ermittlungen schon angelaufen waren, den dritten Übergriff zu verhindern?

          Mit der Beantwortung dieser Fragen hat sich die Polizei gestern schwergetan. Die plausibelste Antwort war aus dem Kreis der Ermittler selbst zu hören: Hätten sie gleich nach dem ersten Vorfall eine Warnung herausgegeben, wäre die Gefahr zu groß gewesen, dass der Täter nicht mehr am Campus aufgetaucht wäre. Die Chance, ihn dann jemals zu fassen, wäre gleich null.

          Es ginge deshalb zu weit, der Polizei Versagen vorzuwerfen. Die Abwägung zwischen taktischen Gesichtspunkten und dem Risiko, dass es weitere Opfer gibt, gehört zu den schwierigsten Aufgaben kriminalpolizeilichen Handelns überhaupt. Dennoch wird die Polizei beim nächsten Mal sensibler reagieren müssen. Polizisten seien der Garant für Sicherheit, hat Polizeivizepräsident Walter Seubert gestern gesagt. Dem ist nicht zu widersprechen. Aber der Bürger will diese Sicherheit auch fühlen. Diesem Bedürfnis muss die Ordnungsmacht gerecht werden.

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