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Kirchliche Studentenwohnheime Katholische Betten sind schmaler

 ·  Das neue Wohnheim auf dem Campus Westend in Frankfurt ist fast voll belegt. Doch noch immer ärgern sich die Bewohner über Schimmel, Internet-Mängel und hohe Waschkosten. Es heißt aber auch: „Wir haben alles, was wir brauchen. Und 300 Euro Miete sind in Ordnung.“

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Seit 22 Jahren verwaltet Stefan Schlimmer Wohnheime. Er trägt seinen Anorak offen, wenn er durch das neue Studentenwohnheim auf dem winterlichen Campus Westend geht. Auf gewisse akustische Reize reagiert der Sozialpädagoge allerdings empfindlich. „Wenn ich das Wort ,Brandschutz' nur höre, kriege ich schon Brandblasen.“

Mit etwas mehr als 400 belegten Zimmern ist das im Oktober eröffnete Wohnheim schon fast voll ausgelastet, und noch immer funktioniert nicht alles. Mehr als 20 Millionen Euro haben die evangelische und die katholische Kirche in die sieben Häuser investiert. Möglicherweise müssen sie noch etwas drauflegen, denn besonders mit der Innenausstattung gibt es Ärger: Das Internet hängt, in den Bädern schimmelt es, und der edle Steinboden im prächtigen „Raum der Stille“ ist uneben. Schlimmers Hausmeister hat seit der Eröffnung schon sechs Kilo abgenommen. Vielleicht, weil die Aufzüge in den fünfgeschossigen Häusern nach der Eröffnung zunächst nicht betrieben werden durften - es waren keine Brandmelder installiert.

Die etwas billig anmutenden Fassaden der sieben Zweckbauten fallen gegenüber dem edlen Travertin-Gemäuer der neuen Universitätsgebäude optisch ab. Auch die Studentenzimmer haben den Charme einer Discount-Hotelkette. Doch das stört Frederik Pohlers aus Haus eins nicht: „Wir haben alles, was wir brauchen. Und 300 Euro Miete sind in Ordnung, besonders in Frankfurt.“ Dann führt der Lehramtsstudent ins fensterlose Gemeinschaftsbad, in dem nach vier Monaten Benutzung Schimmel den weißen Duschvorhang befallen hat.

„Die Einzelwohnungen waren am schnellsten weg“

Die russische Wirtschaftsstudentin ein Stockwerk höher bewohnt ein Einzelapartment. Dort schimmelt nichts. „Die Einzelwohnungen waren am schnellsten weg“, sagt Schlimmer. Vielleicht ein wenig zu schnell: Noch immer kämen Handwerker in ihre Wohnung, klagt die Studentin, „sogar, wenn ich nicht zu Hause bin“. Russisch-orthodox sei sie, früher habe sie ab und zu Gottesdienste besucht. Heute bleibe ihr dafür keine Zeit mehr.

Nach den Konfessionen der Studenten fragen die Träger des Wohnheims ohnehin nicht. Die evangelische Kirche trägt knapp zwölf Millionen, die katholische Kirche ungefähr neun Millionen Euro Baukosten. Unterhalt und Schuldentilgung sollen vor allem über Miete und Gebühren finanziert werden - ein Waschgang inklusive Trocknung kostet vier Euro fünfzig. Es gibt insgesamt 425 Zimmer, 250 auf der evangelischen und 175 auf der katholischen Seite. Einzelapartments kosten 325 Euro im Monat, für ein WG-Zimmer werden 295 Euro fällig. Auf der katholischen Seite hat jedes Zimmer seine eigene Nasszelle, während die evangelische auf Gemeinschaftsbäder setzt. Katholische Betten sind länger, dafür schmaler.

Die Zusammenarbeit der Kirchen funktioniert, doch einfach ist das Projekt nicht. „Bei uns stand bis vor kurzem alles auf der Kippe“, sagt Ruth Habermann, die evangelische Studentenpfarrerin. Der Beschluss der Synode war hart und deutlich: Nicht einen Cent aus Kirchensteuergeldern gibt es. Die evangelische Kirche finanzierte ihren Teil aus Darlehen und mit dem Verkauf des Bonhoeffer-Hauses an der Lessingstraße. Anfangs reichte das Geld nicht einmal, um Hausverwalter Schlimmer einen Schreibtisch zu besorgen. Ungleich besser sei es bei den Katholiken, sagt Habermann: „Dort ist für alles immer noch etwas über.“

Der Vereinzelung entgegenwirken

Habermann mag recht haben. Der edel ausgestattete Messeraum grenzt an ein Kaminzimmer, in dem gemütliche braune Stoffsessel vor Bücherregalen stehen. Bald werden sie durch Ledersessel ersetzt. Die Arbeitsräume der Studenten wirken wie Luxus-Refugien im Vergleich zu den evangelischen Zimmern. Wer sie nutzt, ist allerdings egal. „Ich habe noch niemanden gefragt, wo er herkommt“, sagt Hochschulpfarrer Martin Löwenstein, der gleichzeitig Geschäftsführer des katholischen Wohnheims ist. Er verstehe das gemeinsame Wohnen auch als Chance, der Vereinzelung entgegenzuwirken. Jeden Dienstag um halb acht hält er eine Morgenmesse.

Für viele Bewohner haben derzeit aber nicht geistliche, sondern materielle Bedürfnisse Vorrang. In den ersten zwei Monaten nach dem Umzug funktionierte das Internet nicht. Bewohner sammelten Unterschriften und drohten mit einer Klage. Ihr Anführer ist Dominik Mikat. Der Wirtschaftsstudent im fünften Semester engagiert sich im achtköpfigen Heimbeirat. Für die internetlose Zeit erstritten er und seine Kommilitonen eine monatliche Mietminderung in Höhe von 15 Euro. Schuld sei eine Fremdfirma gewesen, die ein langsames ISDN-Netzwerk installiert habe, sagt Schlimmer. Erst das Uni-Rechenzentrum sorgte für rascheren Datenfluss. „Jetzt haben wir eines der schnellsten Netzwerke, die es in Frankfurt überhaupt gibt.“

Mülltüten, Bierkästen und ein Wäscheständer

Mikat zahlt seit Anfang des Jahres trotzdem bloß 200 statt 295 Euro Miete. „Ich verlange eine genaue Aufstellung der Kosten“, sagt er. Noch immer funktioniere das Internet nur leidlich. Gerade erst hat sich ein Bewohner ohne Anmeldung in das Netzwerk zu hacken versucht. Er legte es für zwei Tage lahm.

Der Zugang zu Mikats Wohngemeinschaft ist ebenfalls nicht barrierefrei. Im Gemeinschaftsflur stehen Mülltüten, Bierkästen und ein Wäscheständer. „I love Beer“ steht auf einem Plakat an der Wand über einem altertümlichen Kühlschrank. Mikat hat ihn sich zusätzlich gekauft, denn der vom Heim installierte fasst bloß 120 Liter. Ein lachhaftes Volumen für vier Personen, meint der Student - auch wenn es gesunde Ernährung fördere: „Fertigpizzen passen nicht rein.“ Allerdings hat auch das Kochen auf dem Herd seine Tücken. Über den Platten ist ein empfindlicher Rauchmelder installiert. Acht Fehlalarme habe es schon gegeben, sagt Schlimmer. Jeder Feuerwehreinsatz koste 675 Euro. Das zahle die Wohnheimverwaltung - noch.

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Jahrgang 1980, Redakteur in der Politik.

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