18.12.2005 · Der Pfarrer untertreibt: "Wenig erbaulich" nennt Rolf Glaser die Sparvorschläge des Bistums Limburg für die Kirche St. Hedwig in Griesheim, am Schluß des Sonntagsgottesdienstes. Glaser ist Pfarrer der beiden Griesheimer Gemeinden St. Hedwig und Mariä Himmelfahrt, die zum Jahresbeginn miteinander fusionieren werden.
Der Pfarrer untertreibt: "Wenig erbaulich" nennt Rolf Glaser die Sparvorschläge des Bistums Limburg für die Kirche St. Hedwig in Griesheim, am Sonntag zum Schluß des Gottesdienstes. Glaser ist Pfarrer der beiden Griesheimer Gemeinden St. Hedwig und Mariä Himmelfahrt, die zum Jahresbeginn miteinander fusionieren werden. Das Bistum möchte die recht große Hedwigs-Kirche nicht mehr weiter finanzieren und, so heißt es im Behördendeutsch, aus den Schlüsselzuweisungen B (laufende Kosten) und C (Unterhalt) herausnehmen.
Was das für die Zukunft der Kirche heißt, wissen momentan weder Glaser noch der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Erich Misterek zu sagen. Doch applaudieren die 60 Gottesdienstbesucher dem Pfarrer, als er sagt, daß sein in den Fusionsverhandlungen gegebenes Versprechen gelte: Solange er Pfarrer sei, werde keine Kirche in Griesheim geschlossen.
In anderen Gemeinden sind die Vorschläge aus dem Bistum nach Informationen dieser Zeitung um vieles konkreter. So soll die Bonifatius-Kirche in Bonames abgerissen und künftig die wesentlich kleinere benachbarte frühere Kirche wieder als Sakralraum genutzt werden. Sie dient heute als Pfarrsaal. Vorgesehen sind auch Abrisse von Kirchen und Zentren in St. Johannes, Goldstein, St. Aposteln, Sachsenhausen, und Herz-Jesu, Eckenheim. Dort sollen jeweils kleinere Gottesdiensträume neu errichtet werden.
Die Gemeinde St. Matthias in der Nordweststadt wird ihren Mittelpunkt verlieren, die Kirche soll an eine andere christliche Gemeinschaft veräußert werden. "Es gibt schon Interessenten", heißt es. Nicht gut bestellt ist es auch um die Zukunft der Kirche St. Pius im Kuhwald. Sie aufzugeben wird im Zusammenhang mit dem geplanten Europaviertel und dessen Konsequenzen für die Kuhwald-Siedlung und das Gallusviertel erwogen. Um einen Abriß herumgekommen ist die Kirche Maria Rosenkranz in Seckbach - vorerst.
Kein Geld mehr zahlen will das Bistum auch für die Deutschordenskirche in Sachsenhausen. Aus ihr könnte eine "Kulturkirche" werden. Gotteshäuser zu "Profilkirchen" zu machen ist auch geplant für St. Michael im Nordend - die Kirche soll ein Zentrum für Trauer-Seelsorge werden - und für Heilig-Kreuz in Bornheim, die eine "Meditationskirche" werden soll.
Das Bistum hatte die Vorschläge kürzlich Vertretern aller Gemeinden unterbreitet. Bezogen sind die Sparziele auf die "Pastoralen Räume". Die Verwaltungsräte der in diesen Räumen zusammengeschlossenen Gemeinden sollen gemeinsam über die Pläne beraten und dem Bistum bis Juni ihre Beschlüsse mitteilen.
In Frankfurt regt sich schon erster Protest: "Wir werden die Kirche nicht aufgeben", sagt Annette Neitzert-Leicher, Verwaltungsratsvorsitzende in St. Bonifatius. Bischof Franz Kamphaus sind schon Unterschriften übergeben worden - bei der Weihe der neuen Kirche "Zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit" auf dem Frankfurter Berg vor einer Woche. Wie berichtet, war das Gotteshaus errichtet worden, nachdem Neubaugebiete erschlossen worden waren. Es ersetzt eine kleinere Vorgängerkirche. "Auch in Bonames gibt es ein Neubauareal", so Neitzert-Leicher. Daher sei die Bonifatiuskirche wichtig, auch wenn das Wohngebiet offiziell zum Nachbarbistum Mainz gehöre.
Leicht wird die Diskussion über die Kirchen schon deshalb nicht, weil manche Pastorale Räume von Spannungen geprägt sind. So gehört etwa St. Bonifatius gemeinsam mit St. Laurentius, Kalbach, und St. Lioba zu einem Pastoralen Raum: Die Laurentiusgemeinde aber ist reich, St. Bonifatius nicht. Und St. Lioba, die Pfarrei am Bügel, ist laut Bistumspapier "ein wichtiger pastoraler Standort, der dauerhaft zu halten ist", und soll nicht "bespart" werden. Der zuständige Pfarrer Christian Enke weiß, daß die Ungerechtigkeit groß ist. Nun müsse überlegt werden, was zu tun sei, vielleicht könne die Bonifatius-Kirche umgebaut werden.
Von "Ungerechtigkeit" wird auch in Griesheim gesprochen, denn St. Hedwig muß jährlich 20 000 Euro alleine einsparen. Das sind zwei Drittel der Sparlast für den dortigen Pastoralen Raum, zu dem auch Nied gehört. "Wir kommen an unsere Grenze", sagt Pfarrer Glaser. "Wir hoffen auf Solidarität", fügt Pfarrgemeinderatsvorsitzender Misterek hinzu. In Goldstein soll das Gemeindezentrum einschließlich Kirche von 1500 auf 350 Quadratmeter verkleinert werden, und das "angesichts einer sehr lebendigen Gemeinde". "Hier herrscht allgemeine Bestürzung", heißt es in der Gemeinde.
Für diese Umstrukturierungen will das Bistum 20 Millionen Euro ausgeben, wie Michael Wittekind mitteilt. Kommentieren will der Sprecher der Diözese die einzelnen Vorschläge nicht. Das Bistum nimmt im Januar dazu Stellung. Auch Stadtdekan Raban Tilmann möchte die Vorhaben derzeit nicht näher bewerten. Insgesamt soll es im Bistum 25 Um- beziehungsweise Neubauten geben, die binnen zehn Jahren realisiert werden sollen. Die 20 Millionen Euro stammen aus einer erheblichen Rückzahlung von Kirchensteuermitteln.
Betroffen von den Sparplänen sind auch Stellen von Pfarrsekretärinnen und Küstern/Hausmeistern. So soll etwa von den zwei Hausmeisterstellen in den Bockenheimer Gemeinden Frauenfrieden und St. Elisabeth "nicht einmal eine Stelle übrigbleiben", wie es heißt. Daß ausgerechnet bei den untersten Einkommensgruppen gespart werden solle, sei schlecht. (toe.)