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Kinderwunsch Nachwuchshoffnung

08.02.2007 ·  Jedes siebte Paar hat Schwierigkeiten bei der Zeugung. Immer öfter liegt die Ursache beim Mann. Stress, schlechte Ernährung und Umweltgifte, aber auch enge Hosen und Sitzheizungen verschlechtern die Spermaqualität.

Von Til Huber
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Den Traum vom eigenen Kind hat Stefanie Möller nie aufgegeben. Obwohl sie anfangs ständig mit Enttäuschungen leben musste. Wieder und wieder war sie in die Klinik gegangen, hatte noch eine Hormontherapie und noch eine Untersuchung machen lassen. Doch der Erfolg der künstlichen Befruchtung blieb aus. Was sie tat, verriet sie nicht einmal der eigenen Schwester.

Zu groß war die Angst vor Unverständnis und Ablehnung. Im Büro habe sie sich Ausreden einfallen lassen, erzählt Möller. „Für meinen Chef hatte ich eben häufig Durchfall.“ Im vierten Anlauf schien es dann zu klappen. Der Embryo, den die Ärzte außerhalb ihres Körpers gezeugt hatten, nistete sich in der Gebärmutter ein: Sie war schwanger. Schon bald folgte der nächste Rückschlag. Nach zehn Wochen hatte sie eine Fehlgeburt. „Ich war total frustriert.“

Schwanger dank künstlicher Befruchtung

Heute ist Stefanie Möller glücklich. Lächelnd sitzt die 39 Jahre alte Schwalbacherin, die eigentlich anders heißt, aber nicht erkannt werden will, in einem Aufenthaltsraum des Frankfurter Nordwest Krankenhauses. Auf ihrem Schoß räkelt sich Florian: 18 Monate alt, rote Pausbacken, gesund. Im achten Versuch hatte es doch noch geklappt. Die künstliche Befruchtung verlief nach Plan, und Möller brachte Florian zur Welt. Ohne die Hilfe moderner Labormethoden wäre es dazu nicht gekommen. Noch vor 20 Jahren hätte man ihr und ihrem Mann wenig Hoffnung machen können: Er produziert nicht genug zeugungsfähige Spermien und sie zu wenige Eizellen – schlechte Voraussetzungen für ein Kind. Heute spritzen Ärzte die Samenzellen außerhalb des Körpers mit einer winzigen Nadel direkt in eine reife Eizelle (siehe Kasten).

Selbst träge Spermien können so die Zelle befruchten, die dann in den Körper der Frau zurückgesetzt wird. Niste sich der Embryo ein, seien die Chancen auf ein Kind nicht geringer als bei normalen Schwangerschaften von Frauen im gleichen Alter, sagt der Leiter der Frauenklinik im Nordwest Krankenhaus, Eberhard Merz. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen allerdings, dass Kinder, die durch dieses Verfahren gezeugt werden, etwas öfter mit leichten Fehlbildungen zur Welt kommen.

Für viele Paare ist das kein Hinderungsgrund. Denn immer mehr Menschen geht es wie Stefanie Möller und ihrem Mann. Nach Schätzungen des Bundesverbands Reproduktionsmedizinischer Zentren in Deutschland hat mindestens jedes siebte Paar in Deutschland Schwierigkeiten bei der Zeugung. Auch weil das durchschnittliche Alter von Menschen mit Kinderwunsch steigt: Bei Frauen nimmt die Produktion tauglicher Eizellen mit dem Alter ab. Allerdings gibt es für Unfruchtbarkeit viele Ursachen.

Stress mindert die Zeugungsfähigkeit

Unterleibsentzündungen können zum Beispiel die Eileiter verkleben. Immer häufiger liegen die Gründe für die ungewollte Kinderlosigkeit jedoch beim Mann. Zum Beispiel, wenn bei ihm eine falsche Hodenstellung in der Jugend nicht korrigiert wurde. Allerdings tritt Unfruchtbarkeit auch bei Männern auf, die viel rauchen, oft zu enge Hosen tragen oder deren Hoden dauerhaft zu hoher Erwärmung ausgesetzt sind – etwa durch Sitzheizungen. Wissenschaftler beobachten, dass die Spermaqualität generell abnimmt: Äußere Einflüsse wie Stress, schlechte Ernährung und Umweltgifte mindern die Zeugungsfähigkeit.

Therapieeinrichtungen wie im Nordwest Krankenhaus gibt es im Rhein-Main-Gebiet inzwischen viele. In Frankfurt praktizieren zwei weitere Zentren. Auch in Darmstadt, Wiesbaden sowie in Mainz und in Viernheim kümmern sich Kinderwunschpraxen um Paare, die Probleme mit der Zeugung haben. Nicht immer ist eine Befruchtung im Labor nötig.

Ist die Spermaqualität gut, reicht manchmal auch schon eine Hormontherapie bei der Frau oder eine Injektion von Samenzellen aus. Die Zahl der künstlichen Befruchtungen nehme im Vergleich zu den anderen Therapien zu, sagt Julia Bingel, Oberärztin im Nordwest Krankenhaus. Viele Frauen müssten mehrere Versuche durchstehen, bis sie schwanger würden. Nicht jede Frau wird Mutter. „Manchen müssen wir irgendwann sagen: Es macht keinen Sinn.“

Hohe Kosten der Behandlung

Rund 400 künstliche Befruchtungen führt das Zentrum im Jahr durch. Die meisten anderen Einrichtungen in der Region wollen keine Auskunft geben. Ein beteiligter Arzt schätzt die Gesamtzahl der Behandlungen im Rhein-Main-Gebiet aber auf mehr als 3000 im Jahr. Nicht nur Fehlversuche machen den Paaren zu schaffen, sondern auch die hohen Kosten der Behandlung. Vor 2004 übernahmen die Kassen für ein verheiratetes Paar noch vier Behandlungen komplett. Inzwischen bekommen Patienten nur noch bei drei Behandlungen die Hälfte der Kosten erstattet. Seitdem habe die Nachfrage nach der künstlichen Befruchtung um rund die Hälfte abgenommen, berichten mehrere Kinderwunschzentren. Denn bei Preisen von rund 3000 Euro für eine Behandlung kämen schnell 10.000 Euro und mehr zusammen.

Stefanie Möller und ihr Mann haben sich von den Kosten nicht abschrecken lassen. „Gott sei Dank können wir uns das leisten“, sagt sie. Vor Kritik an ihrem Weg hat sie inzwischen immer weniger Angst. Von den acht Müttern in Florians Hortgruppe hätten sich mittlerweile drei weitere „geoutet“.

Auch die haben künstlich befruchten lassen. Stefanie Möller ist gerade wieder in Behandlung. Ein Kind hätte sie gerne noch. Auch wenn schon wieder zwei Versuche fehlgeschlagen sind, will sie es noch einmal probieren. Wenn es dann nicht funktioniere, sei das aber nicht mehr so schlimm: „Der Erfolgsdruck ist weg. Ich habe ja jetzt mein Kind.“

Methoden künstlicher Befruchtung

Nach einer Definition der Weltgesundheitsorganisation spricht man von Unfruchtbarkeit, wenn ein Paar mindestens ein Jahr lang ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte und die Frau trotzdem nicht schwanger geworden ist. In der Regel überweist dann der Frauenarzt an einen Reproduktionsmediziner. Für die künstliche Befruchtung bringt dieser zunächst Eizellen durch eine Hormontherapie zur Reifung. Die Zellen werden mit einer Nadel aus den Eibläschen entnommen. Bei der klassischen „In-vitro-Fertilisation“ werden die Eizellen in einem Reagenzglas oder in einer Petrischale mit Spermien zusammengebracht. Wenn das männliche Ejakulat zu wenige taugliche Geschlechtszellen enthält, wird eine „Intracytoplasmatische Spermieninjektion“ durchgeführt. Dabei wird ein einzelnes Spermium mit einer Glasnadel direkt in die Eizelle gespritzt. Enthält das Ejakulat überhaupt keine Samenzellen, kann eine Spermazelle operativ aus dem Hoden entnommen werden. Sind die Eizellen befruchtet, werden in der Regel zwei bis drei in den Körper der Frau zurückgesetzt, um die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zu erhöhen. Allerdings kann es passieren, dass sich mehrere Embryonen in der Gebärmutter einnisten. Dann werden Zwillinge oder Drillinge geboren.

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