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Jürgen Fitschen : Gute Banker, schlechte Banker

Jürgen Fitschen Bild: dapd

Jürgen Fitschen ist in der Doppelspitze der Deutschen Bank bislang die Rolle des guten Bankers zugefallen. Nun hat aber auch sein Image einen hässlichen Fleck bekommen.

          Nun also auch noch Jürgen Fitschen. Bislang schienen die Rollen des guten und des bösen Bankers in der neuen Doppelspitze der Deutschen Bank zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung klar verteilt. Anshu Jain hatte von Anfang an mit den Schatten der Vergangenheit zu kämpfen. Über Jahre hatte das von ihm geleitete Investmentbanking dem Haus Milliardengewinne beschert, doch eben auch mit Geschäften, die der Bank inzwischen rechtliche Schwierigkeiten einbringen - seien es Hypothekenpakete in den Vereinigten Staaten, Zinsderivate für deutsche Kommunen oder die Manipulationen des Referenzzinssatzes Libor. Von Jain selbst konnten die Vorwürfe bislang aber ferngehalten werden.

          Anders ist das nun ausgerechnet bei Jürgen Fitschen. Überraschend offen teilte die Bank gestern mit, dass in den Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung neben mehreren Mitarbeitern des Hauses auch Jains Ko-Vorstandsvorsitzender im Fokus steht.

          Die Hoffnungen dürften einen Dämpfer bekommen

          Fitschen ist in der Doppelspitze bislang die Rolle des guten Bankers zugefallen. Den Kulturwandel, den die neue Führung an der Taunusanlage durchsetzen will, mutete man dem stets bodenständig und geradlinig auftretenden Hanseaten wesentlich eher zu als Jain. Auch in Frankfurt hat Fitschen der Bank ein neues Gesicht gegeben. Der Hofheimer zeigt sich viel in der Stadt und scheint die Deutsche Bank mehr noch als Josef Ackermann auch als Frankfurter Unternehmen zu verstehen. Auch seine Bewerbung um den Vorsitz des Deutschen Bankenverbandes - Ackermann hatte sich eher auf internationale Gremien konzentriert - wurde ihm im Bankenviertel hoch angerechnet.

          Wie schwer die Vorwürfe gegen ihn wiegen, ob Fitschen wissentlich seine Unterschrift unter eine falsche Umsatzsteuererklärung gesetzt hat und welche juristischen Folgen das zeitigt, wird sich weisen. Doch sein Image des guten Bankers hat nun einen hässlichen Fleck.

          Und die Hoffnungen, die nicht zuletzt manch einer im Bankenviertel an ihn gehängt hat, dürften einen Dämpfer bekommen. Denn längst sind es nicht mehr nur Linke, die eine zahmere und demütigere Finanzbranche fordern. Auch viele Bankangestellte, die immer wieder für die Verfehlungen Einzelner in Sippenhaft genommen werden, wünschen sich endlich einen glaubhaften Imagewandel ihrer Branche.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

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