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Jüdisches Museum Architektur der mittleren Tonlage

Keine Experimente: Im Wettbewerb um den Erweiterungsbau für das Jüdische Museum haben sich konventionelle Entwürfe durchgesetzt, die für das städtebaulich schwierige Grundstück auf eine ruhige Formensprache setzen. Ein besonders interessanter Entwurf hat es nicht unter die Preisträger geschafft.

© Simulation Staab Architekten Vergrößern Geteilter Sieg: Die Jury war von keinem Entwurf restlos überzeugt. Das Büro Staab Architekten aus Berlin teilt sich den zweiten Platz mit einem ebenfalls aus der Hauptstadt stammenden Entwurf.

So kann man das also auch sehen: „In Anlehnung an die historischen Satteldächer und Gauben transformiert die neue Kubatur das historische Stadtbild und bildet einen Gegenpol zu der klaren Geometrie der Bankentürme.“ Mit diesem Prachtbeispiel von Architektenlyrik bewirbt das New Yorker Büro Leeser Architecture seinen Entwurf für den Erweiterungsbau des Jüdischen Museums, der aus der Mottenkiste des Dekonstruktivismus geklaubt zu sein scheint. Irgendwo ist dann auch noch von der Vielschichtigkeit jüdischen Lebens die Rede, die das mehrfach gefaltete und geknickte Gebilde aus Beton, Glas und Stahl repräsentiere.

Matthias Alexander Folgen:  

Die Jury des vor zwei Wochen entschiedenen Wettbewerbs hat unter dem Vorsitz des Architekten Max Dudler mit dem Vorschlag aus Amerika kurzen Prozess gemacht und ihn schon im ersten Rundgang aussortiert. 19 Büros hatten ihre Entwürfe eingereicht. Die Aufgabe war nicht einfach. Auf einer kleinen Grünfläche, als Appendix der Wallanlage zwischen Hofstraße und Untermainkai gelegen, soll der Neubau entstehen. Im Süden muss er an das klassizistische Rothschildpalais anschließen, das allein für die Zwecke des Jüdischen Museums nicht mehr ausreicht, im Norden konkurriert er mit dem banalen Großblock der Städtischen Bühnen, der durch den unpassenden Anbau für die Werkstätten auch nicht viel ansehnlicher geworden ist. Immerhin sorgt der direkte Nachbar im Osten, ein 2005 fertiggestellter, wohlproportionierter Bürobau, für ein wenig optische Ruhe an diesem Ort, den die meisten Frankfurter nur durch das Autofenster wahrnehmen. Dahinter ragt dann aber schon wieder das Hochhaus der Schweizer National auf. Man könnte auch sagen: eine in ihrer ästhetischen Zerrissenheit typische Frankfurter Situation.

22560688 Asymmetrisch: der Entwurf des New Yorker Büro Leeser Architecture © Leeser Architecture Bilderstrecke 

Städtebaulich zurückhaltend und architektonisch gemäßigt

Die Mehrzahl der Büros hat sich angesichts der Umgebung für eine schlichte kubische Lösung entschieden. Allerdings weichen die Entwürfe in Höhe, Länge und Breite stark voneinander ab. Heidenreich und Springer aus Berlin etwa haben einen Klotz entworfen, der das Rothschild-Palais annähernd um das Doppelte überragt. Heckmann und Schaefer aus Stuttgart haben es dagegen mit einem pavillonartigen Flachbau versucht.

Büros, die die kulturpolitische Stimmungslage in Frankfurt kennen, konnten sich ausrechnen, dass die Aussichten auf einen Wettbewerbssieg mit einem Entwurf am höchsten sind, der städtebaulich zurückhaltend und architektonisch gemäßigt mutig auftritt. Diese mittlere Tonlage haben Staab Architekten aus Berlin, die als Spezialisten auf dem Gebiet des Museumsbaus gelten, besonders gut getroffen. Sie sind denn auch mit einem zweiten Preis ausgezeichnet worden, einen ersten gab es nicht. Das Dach ihres Entwurfs ist ein wenig abgeschrägt, der hell verputzte Bau gibt sich betont schlicht, große Fenster sind die einzige Gliederung; einleuchtend ist die Idee, den Eingang in die südwestliche Ecke einzuschneiden. Dadurch erregt er die sonst schwer zu erzeugende Aufmerksamkeit der Passanten. Etwas konventioneller kommen die ebenfalls mit einem zweiten Preis bedachten Töpfer Bertuleit aus Berlin daher, deren schlichte, weitgehend geschlossene Kiste auf einem gläsernen Erdgeschoss aufliegt.

Ohne Überarbeitung ausgeschieden

Betont massiv geben sich von Gerkan, Marg und Partner aus Berlin, die einen dritten Preis gewonnen haben. In der Höhe eher am Bühnen-Gebäude orientiert, inszenieren sie den Eingang des Anbaus sehr markant, beinahe pathetisch mittels einer mit Mauern gefassten Rampe. Er ist nach der derzeit herrschenden Mode in hellem Beton-Fertigteilen gehalten und an einigen Ecken mit schmalen Fensterschlitzen versehen. Das Büro hat das großartige Stadion im Stadtwald entworfen, ist allerdings auch an dem von dramatischen Mehrkosten geprägten Werkstattgebäude auf der anderen Straßenseite beteiligt.

Der rein äußerlich städtebaulich wie architektonisch gelungenste Entwurf stammt vom Büro Diener und Diener aus Basel. Sie haben einen langgestreckten Quader entworfen, der sich in der Höhe am Altbau orientiert. Mit seinen regelmäßigen Fensternischen, die mit Rücksicht auf die museale Nutzung zum größeren Teil „blind“ bleiben, greift er die klassizistische Gestalt sehr geschickt auf. Dem Vernehmen nach brachte es der Entwurf aus praktischen Erwägungen nur zu einer Anerkennung. Anders als die drei Preisträger dürfen Diener und Diener ihren Entwurf nicht überarbeiten und sind damit ausgeschieden. Nicht alle Jurymitglieder sollen damit einverstanden gewesen sei. Es ist jedenfalls bedauerlich, dass dieser sehr entspannte Entwurf aus dem Spiel ist.

Die Wettbewerbsarbeiten werden noch bis zum 23. Dezember und wieder vom 2. bis zum 17. Januar im Deutschordenshaus, Brückenstraße 3-7, gezeigt. Die Ausstellung ist dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Quelle: F.A.Z.

 
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