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Ironman Bitte nimm einen Schwamm von mir

05.07.2009 ·  Was wäre der Frankfurter Ironman ohne seine Helfer und ohne die Verwandten und Freunde, die an der Strecke Mut machen? Stimmungsbilder.

Von Katharina Frank, Frankfurt
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Es ist ein bisschen wie auf dem Jahrmarkt. „Wasser“, ruft ein Helfer im gelben T-Shirt und hält einen Becher hoch, ein anderer preist mit lauter Stimme Obst und eine Handvoll Eiswürfel an. Svenja Karl taucht zwei kleine Schwämme in einen Bottich voller Wasser und hält sie mit ausgestrecktem Arm von sich weg. Svenja Karl steht an Tisch zwölf der Versorgungsstation nahe der Alten Brücke. Sie hat sich gemeldet als einer der etwa 4000 Helfer, die sich beim Ironman Triathlon an diesem Sonntag um die 2300 Athleten kümmern.

Eneko Llanos aus Spanien, der lange in Führung liegt und am Ende Zweiter wird, greift im Vorüberlaufen nach einem Becher Wasser. Die kleingeschnittenen Bananen- und Apfelstücke lässt er liegen, dafür nimmt er einen Schwamm und drückt ihn über seinem Kopf aus. Viermal kommen die Sportler bei der letzten Disziplin, dem Marathon, an der Station vorbei. Und jedes Mal hofft Svenja Karl, dass Vorjahressieger Chris McCormack eine Erfrischung von ihr annimmt. „Ich versuche, jedem das Gefühl zu geben, dass ich nur für ihn da bin“, sagt sie. Aber den Australier findet sie eben besonders nett.

„Wir feuern alle an, die den Mut haben, anzutreten“

Die Frankfurter, so scheint es, machen keinen Unterschied. Schon bevor es gegen Mittag auf die Marathonstrecke geht, stehen viele hinter den Absperrgittern und jubeln den Athleten zu, die nach dem Schwimmen inzwischen auf der 180 Kilometer langen Radstrecke sind. Bärbel Arndt ist mit ihren beiden Kindern aus Köln gekommen. Alle drei wedeln mit roten Plastikhänden, die groß wie Tennisschläger sind, und rufen den Sportlern „Weiter so“ und „Bravo“ zu. „Wir feuern alle an, die den Mut haben, anzutreten“, sagt Bärbel Arndt. Die Profis sind schon längst an ihnen vorbeigefahren, aber die Familie wartet noch auf jemanden ganz Besonderen: den Papa. Er hat sich zum ersten Mal für einen Ironman angemeldet und hätte nach Bärbel Arndts Zeitrechnung eigentlich schon längst da sein müssen. „Wenn ihm was Schlimmes passiert wäre, hätten sie das doch durchgesagt“, murmelt sie und lässt die Plastikhand sinken. Eine Viertelstunde später hat sie ihren Mann immer noch nicht gesehen. Aber er hat auch nicht angerufen und von einer Panne berichtet. „Wahrscheinlich war er schneller als gedacht“, sagt sie und geht mit ihren Kindern erst einmal frühstücken. Sie hoffen, dass sie ihren Papa spätestens beim Wechsel auf die Marathonstrecke treffen.

Für die Stars der Szene ist es schon soweit: Andreas Raelert, später als Vierter im Ziel, ist einer der Ersten in der Wechselzone. Ein Helfer nimmt ihm sein Fahrrad ab, ein anderer reicht ihm einen roten Beutel mit seinen Laufschuhen. Den Helm noch auf dem Kopf, rennt Raelert in das weiße Wechselzelt. Hier ist es kühler als draußen, und es riecht angenehm nach Sonnencreme. Siglinde Gruper steht schon bereit. Sie streckt ihm seine Sonnenbrille entgegen und verstaut anschließend den leeren Beutel. Dann ist der Triathlet auch schon wieder weg. Meistens dauert der Wechsel nicht einmal eine Minute.

„Ich bin so stolz“

So lange haben auch Oli Behrens und seine Kollegen Zeit, um sich die Wackelkandidaten anzusehen. Behrens ist Sanitäter und versorgt verletzte oder erschöpfte Sportler. Das ist nicht immer einfach, denn sobald jemand auf der Trage liegt, darf er nicht mehr weiterlaufen. „Manche fliehen deshalb schon, wenn wir auf sie zugehen“, sagt Behrens.

Die Führenden sind derweil schon auf der ersten der vier Laufrunden entlang dem Mainufer. Da würde Justine Legrand aus Belgien auch gerne stehen und ihren Freund anfeuern. Aber der sitzt noch auf dem Fahrrad und quält sich gerade einen kleinen Anstieg nahe der Alten Brücke hoch. Damit es ihm ein bisschen leichter fällt, hat die Belgierin zwei Fotos von ihren gemeinsamen Kindern vergrößert. Die hält sie ihm jetzt vor die Nase und ruft: „Allez, allez!“ Als ihr Freund außer Sichtweite ist, stehen ihr Tränen in den Augen. „Ich bin so stolz“, sagt sie.

Die Zuschauer haben Brachts Aufholjagd auf den Leinwänden verfolgt

Wenig später sagt das auch Svenja Karl, die an der Versorgungsstation immer noch nasse Schwämme reicht. Gerade läuft McCormack auf seiner letzten Runde vorbei, fixiert die Helferin und greift dann nach der Erfrischung. „Er hat mich nicht berührt, aber es war trotzdem schön.“ Sie lächelt und bereitet schon den nächsten Schwamm vor. Die Abstände der Sportler sind klein, der Eberbacher Timo Bracht ist McCormack auf den Fersen.

Kurz vor dem Ziel geht Bracht in Führung. Tausende rote Plastikhände wedeln auf dem Römerberg durch die Luft. Von weitem sieht es aus, als würde ein Schwarm roter Vögel über dem Platz kreisen. Die Zuschauer auf den Tribünen haben Brachts Aufholjagd auf den Leinwänden verfolgt und rufen im Chor: „Timo, Timo“, als er schließlich vor Eneko Llanos und Chris McCormack ins Ziel läuft.

Svenja Karl bekommt von dem Jubel kaum etwas mit. Nur sehr leise hört sie, wie die Stimme aus dem Lautsprecher dem Sieger gratuliert. Da reicht sie einem anderen Athleten gerade einen mit Wasser getränkten Schwamm. Der wievielte das an diesem Tag ist, hat sie nicht gezählt. Es werden mehr als tausend gewesen sein.

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