02.07.2008 · Einblicke ins Bahnhofsviertel, Rundgänge durchs Westend: Google will Frankfurt virtuell erlebbar machen. Mit einem Stadtplan auf Straßenniveau. Und dafür wird zur Zeit die Stadt fotografiert.
Von Rainer SchulzeMorgens, 10 Uhr, stadteinwärts, Höhe Opernturm: Ein dunkler Astra mit Hamburger Kennzeichen überholt auf dem Mittelstreifen des Reuterwegs die Radfahrer und hält vor der roten Ampel. Auf seinem Dach ist am Kopf eines Teleskopstabs eine Kamera befestigt, deren Objektive in alle Richtungen zeigen. Ein perfider Blitzer der Polizei, der verkehrswidrig radelnde Radfahrer per Gesichtskontrolle kenntlich macht? Mitnichten. Das Internet-Unternehmen Google fotografiert die Stadt.
Internet auf Straßenniveau
Derzeit sind mehrere Fahrzeuge in Frankfurt unterwegs, um einen Stadtplan anzulegen, der es dem Nutzer ermöglicht, sich auf Straßenniveau am Bildschirm virtuell durch die Stadt zu bewegen. Die Gesichter und die Autokennzeichen sollen nur unscharf dargestellt werden, doch Wohnhäuser, Hotels, Brücken und Parkanlagen sollen deutlich zu erkennen sein.
Die amerikanischen Internetseiten von Google bieten diese Funktion schon an. Mehr als 40 Städte sind dort am Bildschirmm zu erkunden. Nur ein paar Mausklicks sind es bis zum Spaziergang durch New York oder San Francisco. Nach dem Vorbild dieser „Streetview“-Funktion auf den Stadtplänen des Internet-Auftritts in Amerika sollen auch europäische Städte kartiert werden.
Frankfurt, München und Berlin
In Frankfurt, München und Berlin drehen die Fahrzeuge derzeit ihre Runden. Auf den Stadtplänen wird sich Frankfurt von seiner schönsten Seite zeigen. Denn bei Regen müssen die Fahrzeuge eine Pause einlegen.
Noch sei das Ganze nur ein Testlauf, sagt Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google Germany. Geplant sei aber, mit dem Angebot auch in Europa online zu gehen. Was später von Frankfurt auf dem Bildschirm zu sehen sein solle, sei eine einmalige Aufnahme der Stadt und kein Livebild. Darum eigne sich das Programm auch nicht für Spitzeleien. „Wir respektieren die Persönlichkeitsrechte“, sagt Keuchel. Wer sich zufällig dennoch auf dem virtuellen Stadtplan entdecke, werde auf Anfrage aus der Aufnahme gelöscht.
Keine Datenschutz-Bedenken
Die zuständigen Datenschützer halten das Vorhaben von Google nicht für problematisch, da die Personen auf den Bildern unkenntlich gemacht werden sollen. Ulrike Müller, Sprecherin des Hessischen Datenschutzes, orientiert sich an der Einschätzung ihrer Hamburger Kollegen, die wegen des dortigen Firmensitzes für die Aktivitäten von Google in Deutschland zuständig sind. „Luftbilder, die einen Garten zeigen, sind problematischer als die Straßenansicht von Gebäuden“, sagt Müller.
Google habe zugesichert, sich mit dem Datenschutz abzustimmen. Dennoch sei ihr etwas „unwohl“, da die Informationen im Internet leichter zugänglich seien. „Aber ich könnte mir diese Bilder auch auf einem anderen Weg beschaffen.“