Die Angestellten der insolventen Lehrerkooperative, die in Frankfurt unter anderem Kindertagesstätten und zwei Schulen betreibt, haben sich mehrheitlich für eine Übernahme durch den Verein Bildung & Kooperation (Biko) ausgesprochen. Das Biko-Konzept sei in bildungspolitischer und kaufmännischer Hinsicht solide und zukunftsfähig, heißt es in einer Erklärung, die 216 der knapp 400 Mitarbeiter unterzeichnet haben. Ziehe man die Beschäftigten ab, die etwa wegen Krankheit oder Urlaub nicht befragt worden seien, komme man auf eine Zustimmungsquote von mehr als zwei Dritteln.
Ein Teil der Unterzeichner hat sich den Angaben aus der Belegschaft zufolge auch verpflichtet, den Neuanfang unter dem Dach von Biko mit eigenem Geld zu unterstützen. Die genannten Beträge addierten sich zu einer Summe von 24 800 Euro. Die gestern veröffentlichte Erklärung richtet sich an den Insolvenzverwalter der Lehrerkooperative, Stephan Laubereau. Kopien gingen an Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Die Grünen), die Stadtverordneten, die Schulverwaltung und den Betriebsrat.
Schließung der Einrichtungen befürchtet
Die Lehrerkooperative gehört zu den großen freien Trägern von Betreuungs-, Bildungs- und Beratungseinrichtungen in Frankfurt. Vor Weihnachten hatte sich der Verein für zahlungsunfähig erklärt. Nachdem vorübergehend eine Schließung der Einrichtungen befürchtet worden war, liegen dem Insolvenzverwalter inzwischen fünf Übernahmeangebote vor. Eines davon stammt vom Verein Biko, in dem sich frühere Mitglieder der Lehrerkooperative zusammengeschlossen haben, die mit dem wirtschaftlichen Kurs der vergangenen Jahre nicht einverstanden waren.
Bei den übrigen Bietern handelt es sich nach Informationen dieser Zeitung um den Arbeiter-Samariter-Bund, das Diakonische Werk, das Deutsche Rote Kreuz und die derzeitige Führung der Lehrerkooperative. Diesem „Altvorstand“ werden jedoch keine Chancen zugebilligt, weil er für den wirtschaftlichen Niedergang des Vereins verantwortlich sein soll. Die Mitarbeiter sprechen sich nun aber auch gegen einen Übernahme durch einen der drei großen Bieter aus. „Wir haben große Befürchtungen, dass der Charakter des Hinschauens und Zuhörens in der Arbeit wie auch die Einmaligkeit der Einrichtungen verlorengehen und zugunsten bloßen Wachstums auf der Strecke bleiben“, heißt es in der Stellungnahme. Die Mitglieder von Biko hingegen seien mit der Arbeit der Lehrerkooperative seit vielen Jahren vertraut.
Der Insolvenzverwalter hat auf die Erklärung gestern alarmiert reagiert. „Wir sehen eine explizite Gefahr darin, dass sich die Mitarbeiter so deutlich auf einen Träger fokussieren.“ Es sei zu befürchten, dass sich die übrigen Bieter wegen der Stellungnahme für Biko zurückziehen könnten. Alle potentiellen neuen Träger hätten ausdrücklich erklärt, keine Entscheidungen gegen die Mitarbeiter treffen zu wollen.
Zahlungsfähigkeit bis zum Erhalt der öffentlichen Fördermittel
„Wir haben nichts gegen den Verein Biko“, schreibt Laubereau in einer Mitteilung. Aber anders als die großen Träger habe die Initiative noch kein kaufmännisches Konzept eingereicht, das belege, dass Instandhaltungen finanziert und Löhne gezahlt werden könnten. Es sei jedoch nicht mehr viel Zeit für eine Entscheidung, meint der Insolvenzverwalter. So müssten für viele Einrichtungen, etwa die Kindergärten und die Nachmittagsbetreuung an öffentlichen Schulen, noch vor den Sommerferien die Planungen für das nächste Schuljahr abgeschlossen werden. „Deshalb wollen wir uns in der kommenden Woche entscheiden, wer der neue Träger wird.“ Dann seien die Gläubiger zu informieren, und die Trägerschaft für die Einrichtungen müsse übertragen werden.
Biko widersprach der Darstellung Laubereaus. Der Vorstand teilte auf Anfrage mit, das Finanzierungskonzept stehe seit Beginn der Übernahmeverhandlungen fest. Der Verein kalkuliere zunächst mit der Zusage der Stadt, die Zahlungsfähigkeit bis zum Erhalt der öffentlichen Fördermittel sicherzustellen. Für die Zeit bis 2012 habe Biko einen Liquiditätsplan erarbeitet, der auch die Zahlung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld vorsehe. Hierzu soll wie bisher auf einen Dispositionskredit von bis zu 600.000 Euro zugegriffen werden. Auch eine moderate Rücklagenbildung sei vorgesehen. Die Übernahme des Anlagevermögens solle mit einem Kredit gelingen, der über den Betriebskostenzuschuss finanziert und getilgt werde. Eine Kreditzusage stehe aber bisher aus, weil der neu gegründete Verein noch keine Geschäftsbeziehungen zu Geldinstituten habe.

