24.07.2007 · Die Frankfurter Hoffnungsgemeinde wehrt sich nach wie vor gegen einen Abriss der Matthäuskirche. Auch Stadtplaner Jochem Jourdan fordert, die Kirche zu erhalten. Doch nun scheint es einen neuen Interessenten für das Grundstück zu geben.
Von Stefan TopferDer evangelischen Kirche in Frankfurt steht im Herbst wahrscheinlich eine heftige Debatte über die Zukunft der nahe der Messe gelegenen Matthäuskirche ins Haus. Das wird zumindest im Evangelischen Regionalverband erwartet, dem Dachverband der Gemeinden und Dekanate der Stadt. Dem Vernehmen nach rechnet der Verband für den Herbst mit einem – noch nicht näher benannten – Interessenten für das Grundstück.
Außerdem hat der Vorschlag des Frankfurter Architekten und Stadtplaners Jochem Jourdan im Entwurf zum Hochhausrahmenplan, die Kirche zu erhalten, neue Bewegung in die Diskussion über die Zukunft des Gotteshauses gebracht. Es steht seit 1999 zur Disposition.
Hoffen auf Druck der Öffentlichkeit
Das Grundstück sollte veräußert werden, um mit dem Erlös andere Kirchen unterhalten zu können. Bisher hatte sich aber kein Investor für das Gelände gefunden. Sollte sich dies nun ändern, muss das Frankfurter Kirchenparlament seinen Verkaufsbeschluss bestätigen. Die Hoffnungsgemeinde, zu der die Kirche gehört, hatte schon einmal vehement gegen einen Verkauf protestiert und vor einem Kirchengericht dagegen geklagt. „Das werden wir wieder tun“, kündigte Pfarrer Johannes Herrmann an. „Sie hat einen hohen Symbolwert.“ Esther Gebhardt, Vorstandsvorsitzende des Regionalverbands, will sich derzeit nicht zur Zukunft des Gotteshauses äußern.
In dem Verband, in dem nach wie vor starke Kräfte auf einen Abriss dringen, erwartet man einen „großen Druck“ der Öffentlichkeit, das Gotteshaus stehen zu lassen – nicht zuletzt wegen Jourdans Idee einer möglichen Nachbarschaft von Kirche und Hochhaus. In den nächsten fünf Jahren seien dort allein in den Gebäudeunterhalt 900.000 Euro zu investieren. Kritisiert wird, dass es „keine vitale kirchliche Arbeit“ in dem Gotteshaus gebe. Diesem Eindruck widerspricht Herrmann, vor allem unter Verweis auf sechs ausländische Gemeinden, die das Haus nutzten. Trotzdem, so heißt es im Verband, sei es sinnvoller, die Kirche durch eine kleinere Kapelle zu ersetzen. „Das könnten wir tragen.“
Die Stadtverwaltung weiß von einem neuen Grundstücks-Interessenten noch nichts. „Wir sind erst in einer frühen Planungsphase“, so Dieter von Lüpke, Leiter des Stadtplanungsamts. Zudem könnten Details, wie sie Jourdan nenne, erst nach Abschluss eines Wettbewerbs besprochen werden. Über den Hochhausrahmenplan werden die Stadtverordneten im September oder Oktober befinden. Dann könnten die nächsten Schritte eingeleitet werden.
Gemeinde: „Wir wollen in die Offensive gehen“
Am Mittwochabend will sich der Kirchenvorstand der Hoffnungsgemeinde mit den Plänen Jourdans befassen und ein Gespräch des Gremiums mit Gebhardt auswerten, das vor einer Woche stattgefunden hatte. „Wir wollen in die Offensive gehen“, so Herrmann. Für September sei an eine Veranstaltung mit Jourdan gedacht. Die Stimmung im Kirchenvorstand sei zwar „nicht ganz einmütig“, so Herrmann. „Aber drei Viertel der Mitglieder sind für den Erhalt der Kirche.“
Dekan Jürgen Reichel-Odié – die Kirche gehört zu seinem Dekanat – ist inzwischen skeptisch, was einen Abriss angeht, wie er sagte. „Die Argumente für den Erhalt haben mich nachdenklich gemacht.“ Christoph Mohr, Hauptkonservator des Landesamts für Denkmalpflege, sagte, auch wenn die Kirche als solche nicht unter Denkmalschutz stehe, sei sie doch eine „Fassung für die wertvolle Ausstattung“ wie die Fenster von Georg Meistermann und daher erhaltenswert.