12.02.2010 · Christian Dietrich ist Inhaber und Mitgründer der Frankfurter Firma Alles-Henningsen-Dietrich, die Winterdienst und Straßenreinigung anbietet. Im Interview sagt er, ob er am strengen Winter verdient und warum er sich im Ausland nach Streugut umsieht.
Christian Dietrich ist Inhaber und Mitgründer der Frankfurter Firma Alles-Henningsen-Dietrich, die Winterdienst und Straßenreinigung anbietet. Im Interview sagt er, ob er am strengen Winter verdient und warum er Meersalz aus Bosnien bestellt hat.
Herr Dietrich, können Sie den Schnee noch sehen?
Nein, um ehrlich zu sein. Ich bin seit zwölf Jahren im Geschäft, so einen anspruchsvollen Winter habe ich noch nie erlebt.
Inwiefern anspruchsvoll?
Insofern, als wir in einem einzigen Monat so viel Schnee und Einsätze hatten wie sonst in vier Jahren. Wir arbeiten quasi seit Anfang Januar durch.
Haben Sie noch Streusalz?
Nur noch ganz kleine Reste. In Deutschland bekommt man kein Salz mehr. Wir haben daher Meersalz aus Bosnien bestellt. Das nimmt man normalerweise zum Kochen, und es kostet leider auch viermal so viel wie gewöhnliches Streusalz.
Vor Weihnachten sah es so aus, als seien die Winterdienstler in diesem Jahr die Gewinner. Ihre Kunden schließen ja eine Pauschale mit Ihnen ab.
Das stimmt. Dieser Winter ist zum Teil ein Draufzahlgeschäft. Aber so ist das in unserer Branche. Es gibt mal milde, mal härtere Winter.
Sie betreuen rund 1600 Objekte in Frankfurt, weit mehr als die Hälfte sind private Wohnhäuser. Sicherlich gab es im Januar den einen oder anderen, der gern noch Schneeschippen bei Ihnen gebucht hätte.
Ja sicher. Aber wir konnten keinen mehr annehmen. Das hätten wir von der Logistik her nicht hinbekommen. Zudem haben einige unserer Stammkunden, die in den vergangenen Jahren nur das Minimalprogramm gefahren sind, Flächen nachgemeldet.
Mussten Sie noch Leute einstellen?
Ja. Wir haben unser Personal – das sind etwa 45 Festangestellte und ebenso viele freie Mitarbeiter – aufgestockt und zum Teil auch ausgetauscht, weil sie nicht zuverlässig gearbeitet haben. Winterdienst ist ein hartes Geschäft. Ab drei Uhr nachts muss ich meine Leute erreichen können.
Was verdient man bei Ihnen?
Eine Aushilfe fängt an mit etwa zehn Euro die Stunde. Für den Einsatz, der mit Vor- und Nacharbeit fünf bis sechs Stunden dauert, gibt es 70 Euro pauschal. Wer schon lange dabei ist, bekommt bis zu 100 Euro fix. Für Studenten ist das ein lukrativer Nebenjob.
Werden die Preise in der nächsten Wintersaison anziehen?
Wir hatten noch keine Zeit, uns darüber Gedanken zu machen. Aber ist schon möglich, dass wir die Preise etwas hochsetzen. Das Interesse für die nächste Saison ist schon jetzt groß. Letzte Woche haben wir 30 Angebote geschrieben.
Wagen Sie eine kleine Wetterprognose: Wann wird es Frühling?
Ich bin kein Prophet. Nach meinen Rücksprachen mit den Wetterspezialisten sieht es so aus, als könnte es in der nächsten Woche milder werden. Wir haben uns aber auf Winter bis Mitte März eingestellt.