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Im Gespräch: Werner Müller-Esterl „Ich erwarte, dass das Land zu seinen Zusagen steht“

03.11.2008 ·  Werner Müller-Esterl folgt zum Januar dem Frankfurter Uni-Präsidenten Steinberg nach. Der Biochemiker, derzeit Vizepräsident von Hessens größter Hochschule, will diese in den nächsten Jahren unter den Top 5 in Deutschland etablieren. Im Verhältnis zu den Studenten setzt er auf Dialog.

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Werner Müller-Esterl folgt zum Januar dem Frankfurter Uni-Präsidenten Steinberg nach. Der 60 Jahre alte Biochemiker, der derzeit Vizepräsident von Hessens größter Hochschule ist, will diese in den nächsten Jahren unter den Top 5 in Deutschland etablieren, wie er im folgenden Interview der Rhein-Main-Zeitung sagt.

Sie haben einmal gesagt, es habe Sie nicht in das Amt des Vizepräsidenten gedrängt. Jetzt steigen Sie in der Hierarchie sogar noch höher. Hat man Sie zur Kandidatur für den Präsidentenposten überreden müssen?

Die hochschulpolitischen Gruppen im Senat haben nach der Ankündigung von Herrn Steinbergs Rücktritt überlegt, wer als Kandidat in Frage käme. Meine Gruppierung „Ratio“ hat mich gebeten, zu kandidieren. Am Ende dieses Nominierungsprozesses stand dann die formelle Bewerbung.

Fiel Ihnen die Entscheidung schwer?

Mir war klar, dass ich als Präsident – anders als im Amt des Vizepräsidenten – meine Forschertätigkeit nicht mehr fortsetzen kann. Daher war es für mich schon so etwas wie eine Lebensentscheidung. Nun habe ich ein Alter erreicht, in dem man eine solche Entscheidung treffen kann. Ich habe 40 Jahre lang Laborluft geschnuppert – da kann ich jetzt auch einmal etwas anderes machen.

Sie haben bei der Wahl 22 Ja- und zehn Nein-Stimmen bekommen. Angesichts der Tatsache, dass Ihre alleinige Kandidatur zwischen Senat und Hochschulrat abgestimmt war, hätte man ein besseres Ergebnis erwarten können.

Ich bin mit dem Resultat voll und ganz zufrieden. Eine Universität ist nun einmal vielfältig, es wird immer Leute geben, die meine Vorstellungen nicht teilen. Ich werde trotzdem versuchen, ein Präsident aller Gruppen zu sein. Vielleicht hat es auch einige Proteststimmen gegeben, weil nicht alle mit dem Procedere der Wahl einverstanden waren.

Eine Ihrer wichtigsten Aufgaben als Präsident wird sein, das große Bauprogramm der Universität fortzuführen. Sind Sie zuversichtlich, dass der Zeitplan – Fertigstellung bis 2014 – angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise einzuhalten ist?

Dieser Punkt macht mir schon ein wenig Sorgen. Aber es gibt ja Verpflichtungen für den weiteren Fortgang der Arbeiten. Ich erwarte, dass auch eine neue Landesregierung zu diesen Zusagen steht. Letzte Gewissheit gibt es natürlich nicht.

Wird die Krise andere Auswirkungen auf die Universität haben, indem sie zum Beispiel die Geberlaune von Spendern und Stiftern dämpft?

Ich glaube nicht, dass es einen unmittelbaren Einbruch gibt. Aber wir werden in größerer Konkurrenz zu anderen Universitäten stehen. Deswegen werden wir jetzt auch ein professionelles Fundraising aufbauen.

Gleich, wie die nächste hessische Landesregierung zusammengesetzt ist – sie wird auf jeden Fall sparen müssen. Sehen Sie darin eine Gefahr für das Forschungsförderprogramm Loewe?

Die nun weiterhin amtierende, geschäftsführende Landesregierung hat es sich wie auch SPD und Grüne zum Ziel gesetzt, das Lissabon-Kriterium zu erreichen, also drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung auszugeben. Zwischen den verschiedenen politischen Richtungen in Hessen scheint durchaus Übereinstimmung zu bestehen, dass Bildung als Investition in die nächste Generation Priorität hat. Daher bin ich überzeugt, dass die Goethe-Universität wie auch die anderen Hochschulen weiterhin in den Genuss des Loewe-Programms und der Ersatzmittel für die Studienbeiträge kommen.

Sie haben gesagt, Sie wollen das breite Fächerspektrum der Universität beibehalten. Heißt das, dass Fächerschließungen für Sie tabu sind?

Entscheidend ist die Qualität, nicht die Größe eines Fachs. Solange zum Beispiel ein „kleines“ Fach von einem herausragenden Wissenschaftler vertreten wird, sehe ich seinen Fortbestand nicht gefährdet.

Woran bemisst sich für Sie die Qualität eines geisteswissenschaftlichen Fachs?

Ich möchte den Geisteswissenschaften die Möglichkeit geben, diese Anforderungen selbst festzulegen. Einige Fachbereiche haben dazu ein detailliertes Programm ausgearbeitet, das mir gut gefällt.

Wer gute Forscher will, muss ihnen auch gute Gehälter zahlen. Hat die Stiftungsuniversität hierbei schon ausreichend Möglichkeiten, oder dringen Sie auf eine Aufhebung des Besoldungsrahmens wie in Nordrhein-Westfalen?

Die Goethe-Universität hat jetzt schon große Freiheiten. Aber im Sinne der anderen hessischen Universitäten würde ich mir wünschen, dass auch hier der Besoldungsrahmen aufgehoben wird. Ansonsten geraten wir gegenüber den südlichen Bundesländern und Nordrhein-Westfalen ins Hintertreffen.

Ebenso wichtig wie gute Forschung ist gute Lehre, und um die zu verbessern, müssen Sie mehr Personal einstellen. Haben Sie dazu genug finanziellen Spielraum?

Wir haben ihn auf jeden Fall erweitert, zuerst durch die Studiengebühren und jetzt durch die Ersatzmittel. Das sind immerhin knapp 20 Millionen Euro im Semester, die zu 95 Prozent für Lehraufgaben eingesetzt werden. Aber ich würde mir sehr wünschen, dass das Land noch mehr Geld für die Lehre gibt und dass wir außerdem Stifter finden, die sich speziell hierfür engagieren.

Das Verhältnis zwischen dem Präsidium und der Studentenvertretung war zuletzt sehr schwierig. Was wollen Sie tun, um für Entspannung zu sorgen?

Ich hatte ein intensives Gespräch mit den beiden AStA-Vorsitzenden, das ich als konstruktiv und freundlich empfunden habe. Diesen Dialog würde ich gerne fortsetzen. Ich habe angeboten, dass wir Monatsgespräche führen, denn ich möchte wissen, was die Studierenden bewegt.

Der AStA hat allerdings nach Ihrer Wahl auch gleich die Sorge geäußert, Sie würden nur den Kurs von Herrn Steinberg fortsetzen und das Stiftungsmodell stärken, dem die Studentenvertreter ablehnend gegenüberstehen.

Ich werde beim Ausbau der Stiftungsuniversität auch eigene Akzente setzen. Der Rohbau ist ja jetzt gesetzt. Nun geht es darum, die innere Gestaltung vorzunehmen. Dazu gehört auch, dass wir unsere neugewonnenen Fähigkeiten als Dienstherr, Bauherr und Eigentümer unserer Liegenschaften verantwortlich wahrnehmen.

Herr Steinberg war sehr geschickt beim Einwerben von Spenden für die Stiftungsuniversität. Sind Sie das auch?

Ich werde mich anstrengen müssen, weil Herr Steinberg die Messlatte sehr hoch gelegt hat. Er hat mir in diesem Punkt seine Hilfe angeboten, und ich würde dieses Angebot gern annehmen, weil er sehr gut vernetzt ist. Selbstverständlich wird ein wichtiger Schwerpunkt meiner Arbeit darin bestehen, um Stifter und Sponsoren zu werben.

Ihre Amtszeit endet 2014, wenn die Universität ihr hundertjähriges Bestehen feiert. Wo sollte die Hochschule dann in den deutschen und europäischen Ranglisten stehen?

In Deutschland wollen wir unter den ersten fünf Universitäten sein, in Europa unter den ersten 25 bis 30.

Die Fragen stellte Sascha Zoske.

Quelle: F.A.Z.
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