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Im Gespräch: Margit Sponheimer „Das geht den Leuten ans Gemüt“

Margit Sponheimer brachte bei der Mainzer Fastnacht die Hallen zum Kochen. Irgendwann fand sie, es sei genug mit Karneval. Da kam ein Anruf, und plötzlich wurde sie Schauspielerin.

© Wolfgang Eilmes Freut sich: Sie ist jetzt „die Sponheimer vom Volkstheater” und nicht mehr „das Margitsche von der Fassnacht”.

Frau Sponheimer, die Mainzer Fastnacht war früher eine reine Männerveranstaltung. Wie kam es, dass Sie als Solistin auf die Bühne durften?

Das lag an Ernst Neger. Er war ja Dachdeckermeister, und plötzlich kam es in seinem Betrieb zu einem Unfall. Da war es unmöglich, dass er auf der Fastnachtsbühne sang „Ich stemm’ die Flaaschworscht mit einer Hand“, während seine Männer im Krankenhaus lagen.

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Im Jahr zuvor hatten Sie gemeinsam mit Ernst Neger auf die Bühne gedurft?

Genau. Nun fehlte dem MCV nicht nur Ernst Neger als Solist, sondern auch unsere gemeinsame Nummer. Und da hat der damalige MCV-Präsident mutig entschieden, „die Klaa“ solle alleine singen.

Aber hatten Sie ein Lied?

Eben nicht. Da fuhr ich nach Gießen zu Toni Hämmerle.

Das war der blinde Komponist vieler Schlager und Fastnachtshits.

Genau. Toni Hämmerle hat sich durch seine Erblindung die Lebensfreude nicht nehmen lassen. Er lief auch nicht mit dunkler Brille oder Stock durch die Welt. Toni hat versucht, auch anderen Blinden Lebensfreude zu geben – in den damaligen Zeiten haben die sich ja vor Langeweile die Knöpfe von den Hemden gedreht. Einmal hat Toni ein Haus aus Legosteinen gebaut, damit andere Blinde sich vorstellen konnten, wie ein Haus ausschaut.

Sie fuhren also zu Hämmerle nach Gießen, und er hat Ihnen spontan ein Lied komponiert?

Ja, mit dem Refrain: „Ich brauch’ etwas fürs Herz, alles andere ist nur Scherz. Ich brauch’ was mit Gefühl, alles andere ist nur Spiel.“

Au wei.

Ja, das hat Frau Hämmerle auch gesagt. Die hörte das und meinte: „So ein Mist, das ist doch kein Lied für die Kleine, die Margit ist doch keine Trude Herr!“ Da gab es erst mal Krach im Hause Hämmerle. Und ich seh den Toni heute noch da sitzen, motzig, zündet sich eine Zigarette an, auf einmal spielt er mit den Fingern auf der Tischdecke und macht: „Didelipbibbib“ – da war „Gelle gern“ entstanden, er komponierte und textete das in einer Stunde.

Für die Jüngeren: Das Lied hieß „Gell, du hast mich gelle gern, gelle ich dich auch“ und hat sich wie oft verkauft?

Über eine Million Mal.

Aber zurück zu diesem Auftritt im Jahr 1963, Sie waren damals zwanzig.

Ja, der Sitzungspräsident kündigt an: „Und nun Toni Hämmerle ...“ und der ganze Saal brüllt „... und Ernst Neger“. Aber statt Neger kündigt er eine Margit Sponheimer an. Der Beifall war dann etwas schütter und blieb es auch nach meinem ersten Lied. Aber dann kam „Gelle gern“, und dieses Lied war von der ersten Sekunde an ein Knaller, das war ein Traum, der Saal tobte. Die Plattenfirma Ariola musste bald Sonderschichten fahren, allein in den ersten vier Tagen wurde die Platte 20.000 Mal verkauft.

Haben Sie auch Goldene Schallplatten?

Ich glaube, es sind vier. Für „Gelle gern“, „Am Rosenmontag bin ich geboren“, „Zupft euch mal am Öhrchen“, ein schreckliches Lied, und das vierte habe ich vergessen.

Sind Sie eigentlich reich geworden durch den Karneval und die Platten?

Reich an Erfahrung. Ich muss aber sagen, zum Glück hatte ich eine sehr vernünftige Mutter, die mir gleich am Anfang sagte: „Von dem Geld, das du verdienst, gehört die eine Hälfte dem Finanzamt, die andere musst du sparen.“

Sie müssen „Gelle gern“ Tausende Male gesungen haben, können Sie es noch hören?

Doch. Denn es ist nicht nur ein Stimmungsschlager, es hat auch Seele. Es enthält die Zeile „Wenn die Welt mir Böses bringt, gell dann bitt’ ich dich, gell du lässt mich nicht, gell du lässt mich nicht, gell du lässt mich nicht im Stich“. Das geht den Leuten irgendwo ans Gemüt.

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