Home
http://www.faz.net/-gzh-1101u
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Im Gespräch: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst „Natürlich würde ich zur Moschee-Eröffnung kommen“

19.11.2008 ·  Der Limburger Oberhirte äußert sich über die Aufgaben des neuen bischöflichen Islambeauftragten Joachim Valentin, den geplanten Rat der Religionen in Frankfurt und den christlich-islamischen Dialog im Allgemeinen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Der Limburger Oberhirte äußert sich über die Aufgaben des neuen bischöflichen Islambeauftragten Joachim Valentin, den geplanten Rat der Religionen in Frankfurt und den christlich-islamischen Dialog im Allgemeinen.

Was soll Ihr neuer Islambeauftragter Joachim Valentin leisten?

Er soll den immer wichtiger werdenden Dialog zwischen Christen und Muslimen als katholischer Partner moderieren, und er ist in diesem Feld auch mein Sprecher. Gerade in Frankfurt ist ein solcher Vermittler nötig, jemand, der intensiv im Gespräch mit Muslimen ist. Kontakte wachsen nur, wenn sie kontinuierlich gepflegt werden.

Welche Grenzen hat die Dialogbereitschaft der Kirche?

Sie endet, sobald sich Gruppen im Islam außerhalb unserer freiheitlichen Grundordnung stellen. Außerdem heißt Dialog, Muslime an den Respekt gegenüber Christen zu erinnern, wenn es etwa darum geht, in muslimischen Ländern Kirchen zu bauen. Auch dort muss die Religionsfreiheit gelten. Da gibt es noch ein großes Defizit.

Sollte Herr Valentin als Vertreter der katholischen Kirche Mitglied im geplanten Frankfurter Rat der Religionen sein?

Nicht direkt, aber er soll die Gespräche inhaltlich vorbereiten. Sprecher der Kirche auf der Ebene der Stadt Frankfurt ist in erster Linie der Stadtdekan.

Stadtdekan Raban Tilmann hat den Plan zur Einrichtung des Rats im August mit vorgestellt. Hat er Sie damit unter Zugzwang gesetzt?

Es war eine Entwicklung, die mir vorher in den Details nicht bekannt war. Ich halte die Sache aber für äußerst wichtig.

Wie stehen Sie zu diesem Rat?

Er ist in Frankfurt unerlässlich, ähnlich wie in Stuttgart oder Köln. Zu beachten ist aber, was man unter „Rat“ versteht.

Wieso?

Der Begriff kann missverständlich sein. Das Gremium ist kein interreligiöser Einheitsrat, sondern ein Beratungsgremium, zum Beispiel für die Kommunalpolitik in Fragen des Zusammenlebens von Menschen mehrerer Kulturen. Das Gremium „Runden Tisch“ zu nennen, fände ich klarer, aber auch mit „Rat“ könnte ich leben, wenn genau definiert ist, was diese Versammlung leisten soll. Sie soll und kann nicht über theologische Fragen befinden, aber das Verständnis der Religionsgemeinschaften füreinander fördern und die Politik beraten. Sie ist dafür verantwortlich, dass Integration von Zuwanderern gelingt. Dazu wollen wir als Kirche unseren Beitrag leisten.

Der Papst hat sich jüngst mit islamischen Gelehrten getroffen. Wann gibt es ein solches „katholisch-islamisches Forum“ im Bistum Limburg zwischen Ihnen und namhaften Muslimen?

Ich bin zu einem solchen Treffen bereit, aber es muss gut vorbereitet werden. Ich muss mich in dieses Feld erst noch einarbeiten, weil es im Bistum Münster, in dem ich bis zum Januar dieses Jahres Weihbischof war, nicht so viele Muslime gibt wie im Bistum Limburg, gerade in Frankfurt. Aber die Aufgabe ist mir wichtig. Kontakt mit einem namhaften Vertreter des Islam hatte ich bereits: Als ich in Sarajevo war, habe ich lange mit dem dortigen Großmufti gesprochen. Er hatte auch an dem Treffen mit Papst Benedikt XVI. teilgenommen. Diese Zusammenkunft im Vatikan macht Mut. Sie hat gezeigt, dass es Verständigung geben kann. Auf andere Weise hatte dies Papst Johannes Paul II. getan, als er mit Vertretern mehrerer Religionen zu einem Gebetstreffen in Assisi zusammentraf.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat jüngst neue Leitlinien für das Gebet bei Treffen von Christen und Nichtchristen erlassen. Anders als früher ist von „multireligiösen Feiern“ nicht mehr die Rede. Was ist an diesem Begriff falsch?

Die Gefahr ist, in einer solchen Feier die Unterschiede zwischen den Religionen zu verwischen. Das Verständnis Gottes ist nun einmal unterschiedlich. Liturgie muss ehrlich sein.

Was heißt das für solche katholische Kindergärten in Frankfurt, in denen viele muslimische Kinder sind?

Christliche Feiertage sollen dort gefeiert werden, ohne andere zu vereinnahmen. Über die Feste anderer Religionen sollen die Erzieherinnen die Kinder informieren.

Das Zweite Vatikanische Konzil spricht davon, dass andere Religionen einen „Strahl“ religiöser Wahrheit erkennen ließen, es die „Fülle des religiösen Lebens“ aber nur in Christus gebe, den die Kirche verkündige. Andere Religionen sind also defizitär.

Ich möchte keine Religion abwerten. Das Konzil spricht an anderer Stelle von einer unterschiedlichen Stufung in der Erkenntnis der Wahrheit und somit von einem Unterschied zwischen nichtchristlichen Religionen, den christlichen Konfessionen und der sakramental verfassten katholischen Kirche. Wir wären keine katholischen Christen, wenn wir nicht meinten, dass die Fülle der Gotteserkenntnis in unserem Glauben aufleuchtet. Ich bin für einen großen Respekt gegenüber anderen Religionen, aber genauso strikt gegen einen interreligiösen Relativismus, eine Vermischung von Gottesbildern.

Nehmen wir an, Sie würden zur Eröffnung der neuen Moschee im Frankfurter Stadtteil Hausen eingeladen. Würden Sie kommen?

Natürlich. Bei der Eröffnung der Moschee in Duisburg war Ende Oktober auch mein Essener Mitbruder anwesend und hat ein Grußwort gesprochen. Das ist ein Zeichen eines guten christlich-islamischen Verhältnisses.

Die Fragen stellte Stefan Toepfer.

Quelle: F.A.Z.
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr