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Homosexuelle : Stadt setzt sich für "Altenpflegayheim" ein

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Mit einer ganzen Reihe von Projekten soll die Lebenssituation Homosexueller in der Stadt verbessert werden. Zu den Vorschlägen, die Stadträtin Jutta Ebeling (Die Grünen) am Mittwoch vorstellte, zählt etwa der Bau des schon lange diskutierten "Altenpflegayheims".

          Mit einer ganzen Reihe von Projekten soll die Lebenssituation Homosexueller in der Stadt verbessert werden. Zu den Vorschlägen, die Stadträtin Jutta Ebeling (Die Grünen) am Mittwoch vorstellte, zählt etwa der Bau des schon lange diskutierten "Altenpflegayheims", der forciert werden solle, Fortbildungen zum Umgang mit Familien, in denen Kinder unter der Obhut Homosexueller aufwachsen, und ein Pilotprojekt zur Erstellung von Unterrichtseinheiten an Schulen. Die rund 70 Empfehlungen basieren auf Beratungen eines Runden Tischs, der sich 2002 konstituiert hatte und von Ebeling geleitet wurde. An den Gesprächen nahmen außer ihr und Vertretern der größeren Fraktionen des Stadtparlaments auch Repräsentanten des "Frankfurt Forums" teil, eines Zusammenschlusses von Lesben und Schwulen.

          Ulrike Habert vom "Frankfurt Forum" beklagte am Mittwoch "eine passive Diskriminierung Homosexueller". Deren Lebensweise werde nicht ausreichend wahrgenommen. "Der Christopher Street Day ist eine tolle Sache, aber der Alltag Homosexueller ist oft schwieriger, als man es sich vorstellt", sagte sie. So hätten es Jugendliche schwer, sich zu ihrer Homosexualität zu bekennen, weil sie nicht thematisiert werde und ihnen Vorbilder fehlten. Wie es in dem von Ebeling vorgelegten Magistratsbericht außerdem heißt, gibt es trotz einiger Fortschritte "immer noch täglich erlebte Benachteiligungen, von der Diskriminierung bei der Wohnungssuche, Mobbing in der Schule oder am Arbeitsplatz bis hin zur Gewalt gegen Lesben und Schwule". Schätzungen zufolge leben etwa 50000 Homosexuelle in Frankfurt.

          Die Beratungen des Runden Tischs wurden in acht Gruppen zu den Themen Alter, "Anti-Gewalt", Familie, Gesundheit, Jugend, Kultur, Sport und strukturelle Integration geführt. So empfiehlt die Fachgruppe Gesundheit etwa, einen Leitfaden zum Umgang mit gleichgeschlechtlich lebenden Patienten zu erstellen. Das Thema "Sexuelle Orientierung" solle als eigenständiger Arbeitsbereich anerkannt und in der Kinder- und Jugendhilfe der Stadt verankert werden, fordert die Fachgruppe Jugend. "Außerdem wollen wir beim Land darauf dringen, daß es Geld zum Bau des ,Altenpflegayheims' bereitstellt", sagte Ebeling. Über dieses Alten- und Pflegeheim für homosexuelle Frauen und Männer wird schon seit 1999 diskutiert.

          Die Empfehlungen nach ihrer Bedeutung und Finanzierbarkeit zu gewichten ist nun Aufgabe der Stadtverordneten, die sich mit der Liste nach der Sommerpause befassen sollen. Der Stadtverordnete Stephan Siegler (CDU) hob am Mittwoch hervor, daß der Runde Tisch machbare Vorschläge unterbreitet habe, die keine "astronomischen Summen" kosteten. Wie Siegler gehörte der Grünen-Stadtverordnete Stefan Majer dem Runden Tisch an. Er würdigte die Zusammenarbeit in jenem Gremium, denn so werde das Thema Homosexualität nicht mehr "einer bestimmten politischen Ecke" zugeordnet. Majer warnte davor, zu meinen, die Versorgung älterer Homosexueller sei allein mit dem "Altenpflegayheim" sicherzustellen. "Kein Verband in der Altenhilfe wird sich vor jener Aufgabe drücken können."

          Strittige Themen wie die Möglichkeit für homosexuelle Paare, Pflegekinder aufzunehmen, wurden zwar beraten, sind aber nicht Bestandteil des Papiers. "Es ging uns darum, konkrete Maßnahmen zu benennen", sagte Ebeling. Als "erste Erfolge" benennt der Bericht unter anderem, daß es auf der Homepage der Stadt ein Internetportal für Lesben und Schwule gebe und ein Faltblatt veröffentlicht worden sei, das Homosexuellen bei der Anzeige von Gewalttaten helfe. (toe.)

          Der Magistratsbericht mit den Vorschlägen ist im Internet nachzulesen. Unter der Adresse www.stvv.frankfurt.de/parlis2000/parlis.htm müssen bei der Rubrik "Vorlagen" der Begriff "Berichte des Magistrats" und die Nummer 454 eingegeben werden.

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