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Sonntag, 12. Februar 2012
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Homosexuelle Partnerschaft Ratzinger-Papier "wenig sensibel"

01.08.2003 ·  Das neue Vatikan-Papier über homosexuelle Lebensgemeinschaften ist bei Katholiken in der Stadt teils mit Zustimmung, teils mit deutlicher Kritik aufgenommen worden. "Meine persönliche Meinung ist: Ich ...

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Das neue Vatikan-Papier über homosexuelle Lebensgemeinschaften ist bei Katholiken in der Stadt teils mit Zustimmung, teils mit deutlicher Kritik aufgenommen worden. "Meine persönliche Meinung ist: Ich wäre froh gewesen, wenn der Vatikan geschwiegen hätte", sagt Rolf Kaifer, Pfarrer in Schwanheim und Goldstein sowie Dekan des Dekanats Süd. Er ist derzeit auch Stellvertreter von Stadtdekan Raban Tilmann, der in Urlaub ist. Aber in dieser Funktion wollte sich Kaifer nicht äußern, denn er habe noch mit keinem anderen Frankfurter Geistlichen darüber gesprochen. Der Pfarrer der Griesheimer Pfarreien Mariä Himmelfahrt und St. Hedwig, Rolf Glaser, bemängelte, daß das Papier "Betroffenen und der gewandelten öffentlichen Meinung" gegenüber wenig sensibel sei, so sehr es nachvollziehbar sei, wenn die Kirche die Ehe stärken wolle.

Wie berichtet, hatte der Präfekt der Glaubenskongregation, Joseph Kardinal Ratzinger, ein Papier veröffentlicht, das an die Ablehnung homosexueller Beziehungen und deren rechtliche Anerkennung erinnert und katholische Politiker auffordert, gegen Gesetze zu solchen Partnerschaften vorzugehen. Dabei ist von "ethischen Anweisungen" die Rede, die zu beachten seien. Walter Seubert, CDU-Stadtverordneter und praktizierender Katholik, wendet sich strikt gegen ein "Anweisungsverhältnis" zwischen Kirche und Politik, teilt aber die Ablehnung homosexueller Lebenspartnerschaften durch seine Kirche. Er sieht die Gefahr, daß die Institution der Ehe aufgeweicht wird. Auch sein katholischer Fraktionskollege Heinz Daum ist gegen eine staatliche Anerkennung von "Homo-Ehen". Hinsichtlich Ratzingers Aufforderungen an Politiker hebt er die Gewissensentscheidung von Abgeordneten hervor.

Norbert Katzenbach von der ökumenischen Initiative Homosexuelle und Kirche in Frankfurt fühlt sich von den Äußerungen des Vatikans verletzt. "Es ist ein Hohn, wenn der Vorsitzende der Bischofskonferenz das Papier gutheißt, gleichzeitig aber sagt, Homosexuelle dürften nicht diskriminiert werden." Katzenbach, der katholisch ist, kritisiert, daß für den Vatikan die Ehe die einzig mögliche Form des Zusammenlebens sei. Große kirchliche Verbände oder Gremien wie die Limburger Diözesanversammlung unterstützten gleichgeschlechtliche Partnerschaften hingegen.

Ferdinand Löhr, Sprecher des Bistums Limburg, wollte zu dem Papier ebenso wenig offiziell Stellung nehmen wie zur Zukunft des Projekts "Schwul und katholisch", einer in der Pfarrei Maria Hilf angesiedelten Gemeinschaft homosexueller Christen. Es wird befürchtet, daß das Projekt nun vor dem Ende stehen könnte. Der Stadtsynodalrat, ihm sitzt Stadtdekan Tilmann vor, hatte dem Projekt jüngst weitere Unterstützung zugesagt. (toe.)

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