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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Hoher Goldpreis Bargeld für den Ehering

Gold ist so teuer wie lange nicht mehr. Viele verkaufen deshalb ihren alten Schmuck. Doch auch Betrüger wittern ihre Chance.

© DPA Vergrößern Goldrausch: So viel Schmuck wie dieser Tage brachten die Deutschen lange nicht.

Schallendes Lachen vermischt sich mit Klängen eines Saxophons, Leute hetzen mit großen Einkaufstaschen die Zeil entlang: ein typischer Nachmittag an der Konstabler Wache. Im „Goldankauf Zeil“ dagegen ist es ruhig, ein Mann in Turnschuhen und T-Shirt hat entnervt die Tür von innen geschlossen. Sonst sähe man in einen Laden mit niedriger Decke, der von einer marmorierte Theke dominiert wird. Dahinter steht Peter Gensberger, leicht nach vorn gebeugt und lässt eine schimmernde Kette durch seine Finger gleiten.

Er und sein Geschäftspartner, Peter Kirchgessner, führen den Goldankauf, es sei der älteste in Frankfurt, sagen sie. Seit mehr als 25 Jahren werden hier Gold, Silber, Platin und Paladin geschätzt. Doch solch einen Boom wie zur Zeit hat Kirchgessner noch nicht erlebt. Eine Urlaubsreise nach Nepal hat er neulich storniert. Der Laden braucht ihn.

In einem Gefrierbeutel glänzen Ringe und Ketten

Momentan liegt der Preis für ein Kilogramm Gold bei etwa 41.000 Euro, früher erhielt der Verkäufer dafür nur zirka 16.000 D-Mark. Viele Menschen wollen daher gerade jetzt alten Schmuck zu Geld machen. Vor allem aus der Mode gekommene Stücke aus den Siebzigern und Achtzigern, aber auch viele Eheringe – was glänzt, wird in den Goldankauf getragen.

Ein Mann in weißem Kittel betritt den Laden, in einem Gefrierbeutel glänzen Ringe und Ketten. Er ist Goldschmied. 1500 Euro bekommt er für die mitgebrachte Ware. Kaum ist er aus der Tür, tritt die nächste Kundin ein. Sie und der Ladenbesitzer kennen sich. „107,5 Gramm“, ruft die ältere Frau mit ausgewachsener Dauerwelle und hält Gensberger eine Plastiktüte entgegen. Er wiegt die filigrane Damenuhr und zwei feine Ketten, die darin sind, sucht mit der Lupe den Stempel, der den Feingehalt angibt.

Täglich etwa zwei Kilo

Dividiert man diesen, bei Gold meist 333, 585 oder 750, durch 1000, kommt der Goldankäufer auf einen Koeffizienten. Anschließend multipliziert er diese Zahl mit dem Gesamtgewicht der Stücke. Am Ende erhält er den reinen Goldanteil, das so genannte Feingewicht. Ohne hinzusehen, tippt Gensberger die Zahlen rasant in den Taschenrechner: Eine 107,5 erscheint auf der Anzeige – die Frau blickt triumphierend. Sie erhält 2000 Euro und muss im Gegenzug ihren Personalausweis vorlegen. „Die Polizei kontrolliert das, falls die Ware Diebesgut ist“, sagt der Fachmann und wendet sich gleich dem nächsten Kunden zu. Denn der 25 Quadratmeter große Raum füllt sich mit immer neuen Kunden.

Kirchgessner kümmert sich derweil um einen Mann in dunkelblauer Uniform. Er soll das Gold sicher in die Scheideanstalt nach Pforzheim bringen. Dort wird das Edelmetall, das Kirchgessner und andere Ankäufer entgegen nehmen, eingeschmolzen. Täglich liefert der Goldankauf zwei etwa Kilo Edelmetall an die Scheideanstalt „Allgemeine“, ehemals Degussa. Dort wird die Goldlieferung in einen Barren gegossen, eine Probe gebohrt und analysiert. Nach drei Tagen erhalten die Goldzulieferer eine Gutschrift auf einem „Metallkonto“. „Wir fixieren den Preis täglich“, betont Kirchgessner und meint damit, dass er nicht spekuliere. Jeden Tag verkaufe der Ladenbetreiber das Gold zum Tagespreis an die Scheideanstalt: „Warten wir damit, könnten wir hohe Verluste machen.“ Denn der Preis schwankt – bis zu 500 Euro am Tag für ein Gramm. In den Vereinigten Staaten sei die tägliche Differenz noch größer und im Internet könne man bis zu zehn unterschiedliche Preise finden. „Manche kommen her und sind verblüfft über die 200 Euro, die sie hier bekommen könnten“, berichtet Kirchgessner. Deswegen rät er seinen Kunden zum Vergleich vor dem Verkauf.

„Wenn ein Zehn-Karat-Diamant vor mir liegen würde, dann hätte ich feuchte Hände“

„Betrug an der Tagesordnung“, bestätigt Gensberger. Einmal sei ein Mann in den Laden gekommen, der eine anderthalb Kilo schwere Goldkette um den Hals getragen habe. Gensberger wog sie und schabte etwas von der Legierung auf einen Schwarzstein ab. Mit Goldprüfsäure kontrollierte er die 22-Karat-Legierung. Die Kette war echt, die 32 000 Euro lagen in bar bereit. Doch der Kunde zögerte, nahm den Schmuck wieder in die Hand, drehte sich weg und dann wieder zurück. Er wolle nun doch verkaufen, sagte er zu Gensberger. Der überprüfte die vermeintlich selbe Kette noch einmal – der Fremde hatte sie gegen eine Fälschung ausgetauscht. „Der war ganz schnell aus der Tür“, sagt der Händler.

Kirchgessner ist gelernter Einzelhandelskaufmann, im Alter von 20 Jahren stieg er in den Goldan- und verkauf ein. „Fehler werden knallhart bestraft“, sagt er über seine Anfangszeit, denn jede falsche Schätzung koste „Lehrgeld“. Doch mit der Zeit kommt die Erfahrung. „Ich sehe auf zwei Meter, wie viel die Sachen wert sind“, behauptet Kirchgessner und lacht. Ist Schmuck nur vergoldet, platzt das Blattgold ab und der Gegenstand ist viel zu leicht. „Das Gewicht wird allerdings heute auch mit Wolfram nachempfunden“, sagt Kirchgessner. Nur die Säureprüfung könne einigermaßen sicher über die Zusammensetzung Aufschluss geben.

Obwohl die Arbeit nicht ungefährlich sei, mache man im Goldgeschäft kaum Verluste, da sind sich die Gensberger und Kirchgessner einig. Die vielen Zivilpolizisten auf der Konstabler Wache und die Rundum-Kamera-Überwachung trügen aber zur Sicherheit bei. „Wenn ein Zehn-Karat-Diamant vor mir liegen würde, dann hätte ich feuchte Hände“, sagt der Händler. Der Umgang mit Gold sei für ihn aber längst alltäglich.

Quelle: F.A.Z.

 
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