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Hochschule Zutritt nur noch mit Abitur

 ·  Die Frankfurter Universität erntet Kritik für ihren Beschluss, Bewerber mit Fachhochschulreife nicht mehr zum Studium zuzulassen. Universitätspräsident Steinberg verteidigt sich.

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Zum ersten Mal hat die Frankfurter Stiftungsuniversität von ihrem Recht Gebrauch gemacht, den Zugang zum Studium nach eigenem Gutdünken zu regeln – und damit gleich erheblichen Unmut hervorgerufen. Der Beschluss des Senats, künftig keine Bewerber mit Fachhochschulreife mehr aufzunehmen (Uni Frankfurt will Studenten mit Fachhochschulreife ausschließen), stößt bei Studentenvertretern und Landespolitikern auf heftige Kritik. AStA-Vorsitzende Anja Engelhorn sprach von „Bildungsselektion“ und warf Universitätspräsident Rudolf Steinberg vor, den Beschluss durchgesetzt zu haben, ohne Belege für eine geringere Leistungsfähigkeit der Fachabiturienten beibringen zu können.

Ähnlich äußerten sich die Landtagsabgeordneten Gernot Grumbach (SPD) und Sarah Sorge (Die Grünen). Frankfurt sei nun die einzige hessische Universität, die Inhaber der Fachhochschulreife ablehne, äußerte Sorge. Das widerspreche „allen Bemühungen, unsere Hochschulen für eine größere Zahl von Studierenden zu öffnen“. Von einem Versuch der Universität, sich gegenüber Studieninteressierten „abzuschotten“, sprach der „Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften“: Es gebe keinen Zusammenhang zwischen Abitur und Studienerfolg.

Steinberg: Abitur wieder zur Geltung verhelfen

Steinberg verteidigt sich mit dem Hinweis, dass die Senatsentscheidung lediglich dem Abitur als Ausweis der Universitätsreife wieder zu der Geltung verhelfe, die es in anderen Bundesländern genieße. Die Regelung im hessischen Hochschulgesetz habe offenbar den Zweck, den Zugang zu Bachelor-Studiengängen an Universitäten und Fachhochschulen (FH), die als gleichermaßen praxisorientiert angesehen würden, zu vereinheitlichen. Es sei jedoch wichtig, die unterschiedlichen Profile von Universitäts- und FH-Studiengängen zu erhalten. Für ein erfolgreiches wissenschaftliches Studium bürge nur die allgemeine Hochschulreife.

Nach Angaben von Heidemarie Barthold, Referentin für Lehr- und Studienangelegenheiten, haben etwa sieben Prozent der in den Bachelorstudiengängen der Goethe-Universität Immatrikulierten die Fachhochschulreife. Erfahrungen mit deren Studierfähigkeit, die sich verallgemeinern ließen, gebe es noch nicht. Steinberg gesteht zu, dass im Einzelfall auch ein Fachabiturient an einer Universität erfolgreich studieren könne: „Selbst beim Verzicht auf alle Voraussetzungen würden immer einige durchkommen.“

Berichte etwa von der Kasseler Universität zeigten jedoch, dass Studierende mit Fachhochschulreife oft „erhebliche Probleme“ mit dem Lehrstoff hätten. Nach Worten von Annette Ulbricht, Sprecherin der Universität Kassel, gab es an ihrer Hochschule allerdings bisher keine repräsentative Untersuchung dazu, wie Fachabiturienten im Bachelorstudium zurechtkommen. Dazu sei die Öffnungsklausel im Hochschulgesetz noch nicht lange genug in Kraft. Gerade weil die Zahl dieser Studenten bisher nicht sehr groß sei, müsse jetzt gehandelt werden, meint Steinberg. „Wir wollen das Tor schließen, bevor viele kommen.“

Neuregelung wahrscheinlich zum Wintersemester

Damit der Präsident dieses Vorhaben in die Tat umsetzen kann, muss noch der Hochschulrat, der sich voraussichtlich im März konstituiert, den Senatsbeschluss bestätigen. Tut er dies, könnte die Neuregelung nach Angaben von Universitätssprecher Olaf Kaltenborn zum Wintersemester wirksam werden. Wer bereits mit Fachabitur eingeschrieben ist, darf sein Studium zu Ende führen. Bewerber mit fachgebundener Hochschulreife, wie sie zum Beispiel von beruflichen Gymnasien verliehen wird, fallen nicht unter die Ausschlussklausel. Auch Inhaber eines Meisterbriefs können laut Steinberg weiterhin ein Studium in Frankfurt aufnehmen.

Dass die zweite mit besonderen Freiheitsrechten ausgestattete hessische Universität dem Frankfurter Vorbild folgt, ist unwahrscheinlich. Im Autonomiegesetz für die TU Darmstadt sei die Zulassungsfrage zwar nicht ausdrücklich geregelt, sagt Sprecher Lars Rosumek. Man sehe aber „im Moment keinen Anlass, über das Thema zu diskutieren“. Derzeit seien 353 Studenten ohne Abitur an der TU eingeschrieben; generelle Aussagen über ihre Fähigkeiten ließen sich nicht treffen.

Statt bestimmte Gruppen von vorneherein auszuschließen, schaue sich die Universität die Bewerber lieber in Vorstellungsgesprächen an. Anders als Steinberg sehe er nicht die Notwendigkeit, Studenten mit Fachabitur möglicherweise frustrierende Erfahrungen zu ersparen, so Rosumek: „Wir setzen darauf, dass die Leute wissen, was sie erwartet, wenn sie sich bei uns immatrikulieren.“

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Jahrgang 1969, Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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