07.06.2006 · Das Präsidium der Goethe-Universität ist auf vier Vizepräsidenten erweitert worden. Gleichzeitig setzten die Studenten ihren Protest gegen Studiengebühren fort.
Zum Präsidium der Goethe-Universität gehören künftig nicht mehr zwei, sondern vier Vizepräsidenten. Bei der gestrigen Wahl durch den Senat, der ausnahmsweise im Physik-Hörsaal am Campus Riedberg tagte, trat der bisherige Vizepräsident Jürgen Bereiter-Hahn aus Altersgründen nicht mehr an. Wiedergewählt wurde sein Kollege Andreas Gold. Der 52 Jahre alte Professor für Pädagogische Psychologie wird weiterhin für die Lehrerbildung zuständig sein, außerdem hat er sich bislang mit den geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern befaßt. Den genauen Zuschnitt der Ressorts werde die neue Geschäftsordnung des Präsidiums regeln, sagte gestern Universitätspräsident Rudolf Steinberg.
Zwei Vizepräsidenten seien für eine Hochschule von der Größe der Frankfurter Universität „außerordentlich unangemessen“ gewesen, so Steinberg. Das neue hessische Hochschulgesetz habe eine Erweiterung des Präsidiums möglich gemacht. Sie soll die laut Steinberg große Arbeitsbelastung der Vizepräsidenten reduzieren und ihnen ermöglichen, in enger Verbindung mit Forschung und Lehre ihres Faches zu bleiben. Zudem sollten die nun Gewählten die vier größten Gebiete der Hochschule repräsentieren. Und nicht zuletzt reduziere sich so die Arbeitsbelastung des Präsidenten. Steinberg will künftig mehr die „Außenkontakte“ zur Landesregierung, aber auch zur Region, zur Stadt und zu anderen Institutionen pflegen.
Rede und Antwort stehen
Seine drei neuen Stellvertreter werden vom 1. Oktober an dem Präsidium angehören. Der 63 Jahre alte Ingwer Ebsen, Professor für Öffentliches Recht und Sozialrecht, möchte vor allem die Position der Universität im nationalen und internationalen Wettbewerb stärken und sich dem Ausbau des Campus Westend widmen. Der Biochemiker und Mediziner Werner Müller-Esterl, 57 Jahre alt, soll im Präsidium die Lebenswissenschaften repräsentieren. Der 53 Jahre alte Physiker Horst Stöcker nannte den Ausbau der Infrastruktur des Campus am Riedberg als eines seiner vorrangigen Ziele.
Alle vier Vizepräsidenten sprachen sich ausdrücklich für eine Verbesserung der Lehre aus. Sie stimmten auch dem kürzlich gefaßten Beschluß des Senats zu, der Studiengebühren nicht grundsätzlich ausschließt, das geplante Gesetz der Landesregierung aber ablehnt. Gebühren müßten „sozialverträglich“ sein und von den Universitäten zur Verbesserung der Lehre genutzt werden können, so die neuen Vizepräsidenten. Sie hatten vor der Wahl auch einer Gruppe protestierender Studenten Rede und Antwort gestanden, die als Gäste zur Senatssitzung gekommen waren.
„Tage der studentischen Selbstorganisation“
Nur etwa 40 Studenten hatten sich am Mittag zu einem „Aktionstag“ auf dem Campus Bockenheim versammelt, um gegen die angekündigten Studiengebühren zu protestieren. Sie fuhren mit der U-Bahn zum Campus Riedberg. Versuche der Demonstranten, dort Vorlesungen zu unterbrechen und Kommilitonen zum Protestieren zu bewegen, schlugen jedoch weitgehend fehl.
Bei einer „Vollversammlung“ der Fachbereiche Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften am Nachmittag auf dem Bockenheimer Campus wurden die „Tage der studentischen Selbstorganisation“ ausgerufen, die bis zum Freitag andauern sollen. Geplant ist, den normalen Lehrbetrieb in diesen Fachbereichen zu blockieren und statt dessen Veranstaltungen zu aktuellen hochschul- und gesellschaftspolitischen Themen anzubieten. Der Protest solle friedlich sein, hieß es aus den Fachschaften.