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Veröffentlicht: 10.09.2007, 20:10 Uhr

Hochschule Vier-Sterne-Haus für kluge Köpfe

Das „Frankfurt Institute for Advanced Studies“ hat einen Neubau bekommen. Gut hundert Forscher suchen hier nach den Gemeinsamkeiten von Atomen und Molekülen, Gehirnen und Galaxien.

von
© F.A.Z. - Dieter Rüchel Schöner forschen: das neue Fias auf dem Riedberg

Die zentrale Denkfabrik liegt im obersten Stockwerk. Sie hat Parkettfußboden, großzügige Fensterfronten und eine Terrasse, von der aus die Geistesarbeiter die grandiose Aussicht auf die Frankfurter Skyline genießen können. Drinnen ziehen abstrakte Gemälde die Blicke auf sich. Das Mobiliar fehlt noch, doch die bequemen Sessel sollen bald eintreffen, ebenso die Gerätschaften für die Küche nebenan. Nur auf eines müssen die klugen Köpfe hier oben verzichten: auf ihre Computer.

Sascha Zoske Folgen:

Der „Faculty Club“ im Neubau des „Frankfurt Institute for Advanced Studies“ soll dem entspannten Gedankenaustausch dienen – und damit zur Geburtsstätte brillanter Ideen werden. So hofft es jedenfalls Hausherr Wolf Singer. Der Hirnforscher verweist auf die erfolgreichen amerikanischen Universitäten, die ihren Wissenschaftlern nicht bloß beste Technik, sondern auch ein komfortables Arbeitsumfeld böten. „Die wichtigsten Projekte“, sagt er, „werden dort oft beim gemeinsamen Kaffeetrinken geboren.“

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„Princeton am Main“

Auch sonst ist das Institut, kurz Fias genannt, von angelsächsischem Geist durchdrungen. Von einem „Princeton am Main“ schwärmte Gründungsdirektor Walter Greiner, als die Einrichtung vor vier Jahren ins Leben gerufen wurde. Spitzenforscher aus aller Herren Ländern sollen sich im Fias unter komfortablen Bedingungen den theoretischen Naturwissenschaften widmen können. Englisch war von Anfang an Umgangssprache, englisch sind die Titel der Lehrenden am Institut:

Es gibt Senior Fellows, Junior Fellows, Adjunct Fellows – was den internationalen Anspruch unterstreicht, aber auch dem Umstand Rechnung trägt, dass das Fias keine Professorentitel vergeben darf, weil es nicht Teil der Frankfurter Universität ist. Die Einrichtung hat vielmehr den Status einer gemeinnützigen Stiftung, die von privaten Finanziers getragen wird: noch eine Analogie zur amerikanischen Wissenschaftswelt.

Einer der Fias-Gönner ist der Unternehmer Carlo Giersch. Seine Stiftung hat den neuen Institutssitz auf dem Riedberg errichtet, der am Samstag offiziell seiner Bestimmung übergeben wird. Komfortabel ist in dem Gebäude mit der auffallenden roten Fassade nicht nur der „Faculty Club“. Schon die Flure mit ihren Wandleuchten und dem grauen Teppichboden gemahnen eher an ein Vier-Sterne-Hotel als an einen akademischen Zweckbau. Alles wirkt hier ein wenig teurer als zum Beispiel im benachbarten Geozentrum der Universität, das ebenfalls vor kurzem fertiggestellt wurde. Doch der Eindruck täuscht, wie Fias-Vorstandsvorsitzender Singer beteuert: Das Ganze habe nur knapp fünf Millionen Euro gekostet. „Wenn man so etwas privat macht, kann man preiswerter bauen und gleichzeitig komfortabler.“

„Wir haben nur die Besten genommen“

Zum Nulltarif logieren die Fias-Leute auf dem Riedberg freilich nicht. Das Institut hat einen Mietvertrag mit der Giersch-Stiftung, der über 25 Jahre läuft, und zahlt dafür nach Angaben des kaufmännischen Fias-Vorstands Gisbert Jockenhöfer jährlich etwa 300.000 Euro. Das Budget des Instituts – derzeit 2,6 Millionen Euro im Jahr – speist sich aus den Zuwendungen von Unternehmen und Institutionen wie der Hertie-Stiftung, der Volkswagen-Stiftung, Altana, Siemens und der Deutschen Bank. Hinzu kommen Drittmittel, die die Forscher des Instituts selbst einwerben, laut Jockenhöfer gut eine Million Euro.

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