05.04.2007 · In Unkenntnis des ganzen Lebenslaufs von Hans-Christoph Jahr, der 1994 wegen Rechtsbeugung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden war, hat die Hochschule Bremen den ehemaligen Frankfurter Amtsrichter zu ihrem Rektor ernannt.
In Unkenntnis des ganzen Lebenslaufs von Hans-Christoph Jahr, der 1994 wegen Rechtsbeugung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden war, hat die Hochschule Bremen den ehemaligen Frankfurter Amtsrichter zu ihrem Rektor ernannt. Der Professor ist Dekan für Wirtschaft an der Hochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven, an der er seit 2000 in den Fachgebieten Soziologie und Wirtschaft lehrt.
Durch eine Indiskretion, die Jahr laut norddeutschen Zeitungsberichten für das Zeichen einer gegen ihn gerichteten Intrige hält, tauchte vor wenigen Tagen die Berichterstattung dieser Zeitung über das Urteil gegen den Richter aus dem Jahr 1994 auf der Internetseite der Hochschule auf. Der Bremer Bildungssenator Willi Lemke (SPD) kündigte daraufhin an, er werde den vom Akademischen Senat mit 13 zu 8 Stimmen gekürten neuen Rektor nicht berufen.
„Einmal muss Schluss sein“
Jahr antwortete bei Radio Bremen auf die Frage, warum er die doch erhebliche Vorstrafe bei seinen Bewerbungen weder in Wilhelmshaven noch in Bremen erwähnt habe, das Recht sehe auch vor, dass „einmal Schluss sein muss“. Zugleich wies er darauf hin, er sei nach dem Frankfurter Urteil ebenso entsetzt gewesen, wie es jetzt Menschen seien, die von der Vorstrafe erführen. Der Jurist ließ erkennen, dass er die Gerichtsentscheidung gegen ihn nach wie vor für ein Fehlurteil hält.
Rechtskräftig festgestellt ist, dass Jahr als Amtsrichter Akten verfälscht hatte, um wegen Ordnungwidrigkeiten verhandeln zu können, obwohl die Delikte – vermutlich durch seine eigene Nachlässigkeit – schon verjährt waren. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Rolf Schwalbe verhängte zweieinhalb Jahre Freiheitsstrafe wegen fünf Fällen von Rechtsbeugung und Verfolgung Unschuldiger. Das Gericht ging über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, weil der Angeklagte im Prozess Mitarbeiter zu Unrecht beschuldigt hatte.
Republikweite Berühmtheit
Nach längerer rechtlicher Auseinandersetzung verbüßte der aus dem Justizdienst ausgeschiedene Jahr schließlich einen erheblichen Teil der Strafe als Freigänger in Frankfurt. In dieser Zeit kam es zum Zerwürfnis mit einem Frankfurter Rechtsanwalt, der ihn aus kollegialer Solidarität in seiner Kanzlei beschäftigt hatte, wo Jahr jedoch Geld unterschlug. Er geriet außerdem wegen zwielichtiger Grundstücksgeschäfte ins lokale Gerede. In Norddeutschland wurde all dies erst jetzt bekannt.
Bevor er mit dem Gesetz in Konflikt kam, hatte es Jahr einmal zu republikweiter Berühmtheit gebracht: 1985 sprach er mit einer weltpolitisch klingenden Begründung Rüstungsgegner vom Nötigungsvorwurf frei. Die Demonstranten hatten ein amerikanisches Militärareal im Frankfurter Stadtteil Hausen blockiert, weil sie dort Pershing-Raketen vermuteten.