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Hochschule Good morning, Professor

 ·  Immer mehr Vorlesungen werden in englischer Sprache gehalten, vor allem in den Natur- und Wirtschaftswissenschaften. Viele Studenten finden das gut - doch es gibt auch einige, die sich dagegen wehren.

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Maria Roser Valenti spricht Deutsch, und zwar gut. Doch wenn sie Vorlesungen über ihr Fachgebiet hält, würde sie sich lieber des Englischen bedienen. Es sei ihr einfach „angenehmer“, sagt die Spanierin, die an der Frankfurter Universität Theoretische Physik lehrt. Auch ihre Studenten haben den Eindruck, dass sich Valenti wohler fühlt, wenn sie Englisch redet. Gelegenheit zum Vergleich hatten sie:

Die Professorin fragte zu Semesterbeginn, ob der Physikernachwuchs die Einführung in die Quantenmechanik auf Deutsch oder Englisch wünsche. Damit sich die Teilnehmer eine Meinung bilden konnten, bestritt sie die erste Hälfte der Stunde in der einen, die zweite in der anderen Sprache. Das Ergebnis der anschließenden Abstimmung fiel eindeutig aus: Die weitaus meisten wollten Valenti fortan auf Englisch dozieren hören.

Forscher müssen Englisch beherrschen

Nur Michel Barget und fünf Kommilitonen waren nicht überzeugt. Das meiste habe er zwar verstanden, sagt der 22 Jahre alte Bachelor-Student, aber eben nicht alles. Und um solche Lücken hinzunehmen, „ist die Vorlesung zu wichtig“. Barget hat noch andere Einwände. Viele wichtige Beiträge zur Quantenmechanik seien auf Deutsch verfasst worden, Begriffe wie „Eigenvektor“ oder „Gemisch“ würden sogar von fremdsprachigen Autoren übernommen. Zudem empfindet er es als Frevel, an einer Universität, die nach dem größten deutschen Dichter benannt ist, eine Grundvorlesung auf Englisch zu bestreiten. „Würde Goethe nicht im Grabe rotieren, wenn er davon wüsste?“ Barget und die anderen Skeptiker trugen ihre Bedenken Valenti vor. Sie fanden Gehör: In diesem Semester wird weiter auf Deutsch gelesen.

Denn die Professorin ist an das gebunden, was der Fachbereich Physik für solche Fälle vereinbart hat. Sofern ein Studiengang als deutschsprachig ausgewiesen sei, müssten alle Pflichtveranstaltungen in Deutsch abgehalten werden, erläutert Studiendekan Reinhard Dörner. Ausnahmen seien nur erlaubt, wenn alle Studenten zustimmten. „Ich bin darüber nicht happy“, gibt Dörner zu; ihm persönlich würde ein Mehrheitsbeschluss genügen. Auch Valenti findet den Ausgang der Sache „schade“.

Beide wollen Englisch in deutschen Physikhörsälen nicht zur Pflicht machen. Aber wer als Forscher international reüssieren wolle, müsse diese Sprache beherrschen. Dörner und Valenti glauben auch, dass die Englischkenntnisse der Studenten im Allgemeinen ausreichen, um einer Vorlesung folgen zu können oder sich bei einem Auslandsaufenthalt im Labor verständlich machen zu können. „Der Sinn von Sprache in den Naturwissenschaften ist doch der: Ich muss einem erklären können, wie man mit dem Schraubenzieher Schrauben anzieht“, meint der Studiendekan.

Anteil englischsprachiger Lehrveranstaltungen nimmt zu

Ähnlich pragmatisch denken die Lehrenden in anderen Disziplinen. Für Uwe Walz, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Goethe-Universität, ist klar, dass der Anteil englischsprachiger Lehrveranstaltungen in seinem Fachbereich weiter zunehmen wird. Noch liege er im Bachelor-Studiengang unter zehn Prozent, langfristig sei ein Verhältnis von fünfzig zu fünfzig zu erwarten. Walz kann die Kritik an dieser Entwicklung verstehen, wie er sagt. Aber auch er verweist auf die Notwendigkeit, international konkurrenzfähig zu werden. „Unsere Aufgabe ist es in erster Linie, die Studenten gut auszubilden. Das hat Vorrang vor der Pflege von Deutsch als Kultursprache.“

Georg Krausch, Präsident der Universität Mainz und selbst Physiker, führt für das Englische ebenfalls das Wettbewerbsargument ins Feld, weist aber darauf hin, dass die 5000 ausländischen Studenten seiner Hochschule in der Lage seien, deutschsprachigen Lehrveranstaltungen zu folgen. Nach den Worten von Physikstudent Barget sind unter den Englisch-Gegnern in seiner Vorlesung zwei Ausländer: „Die können kein Englisch, sondern nur Deutsch. Das zeigt doch, dass es Studenten gibt, die wegen der Sprache nach Deutschland kommen.“

In welcher Zunge die Dozenten vorzutragen haben, wird meist in den Studienordnungen geregelt. An der Uni Mainz enthalten die Musterordnungen für Bachelor- und Master-Studiengänge Öffnungsklauseln, die Angebote auf Englisch erlauben. Auch die Technische Universität Darmstadt regelt laut ihrem Sprecher Lars Rosumek die Vorlesungssprache per Verordnung. Wenn jedoch in einem konkreten Fall alle Studenten für eine Änderung votierten, habe man damit kein Problem. Michel Barget muss nun erst einmal mit dem Ärger jener Kameraden leben, die die Quantenwelt gerne in der Sprache Stephen Hawkings erklärt bekommen hätten. Ein wenig Hoffnung gibt es für sie aber doch noch: Anfang nächsten Semesters will Valenti die E-Frage abermals stellen.

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Jahrgang 1969, Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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