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Hochschule Früher fertig, mehr gemacht

12.12.2006 ·  Duale Studiengänge kombinieren Berufsausbildung und Hochschulstudium. Viele sehen darin die Chance, sich doppelt zu qualifizieren. Die Nachfrage ist entsprechend groß.

Von Friederike Haupt
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„Wozu brauche ich das später?“ Nicht selten stellen sich Studenten diese Frage in ihren Seminaren und Vorlesungen. Ob und wie sie das, was sie im Hörsaal lernen, später im Beruf anwenden können, ob sie den Lehrstoff wirklich verstanden haben, ob ihnen die Arbeit in der angestrebten Branche gefallen wird, wissen viele Hochschüler während des Studiums noch nicht. Manche machen Praktika, um die Theorie in der Praxis zu prüfen. Doch es gibt noch eine andere Möglichkeit, parallel zur wissenschaftlichen Ausbildung die erworbenen Kenntnisse anzuwenden: duale Studiengänge.

Die Kombination von Berufsausbildung oder gar Berufstätigkeit und Wissenschaft wird immer wichtiger: So sieht es auch Staatssekretär Joachim-Felix Leonhard. Auf diese Weise ließen sich Ausbildung und Studium miteinander verknüpfen, so daß die für die Unternehmen wichtige betriebsnahe Qualifizierung durch wissenschaftliche Fachkenntnisse ergänzt würde. Die Landesregierung unterstütze daher den Ausbau des Angebots dualer Studiengänge an Berufsakademien, Fachhochschulen und Universitäten. Ralf Breyer vom hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst kündigt für das nächste Jahr eine „Sensibilisierungskampagne“ an, mit der der Bekanntheitsgrad der dualen Studiengänge gesteigert und Unternehmen gewonnen werden sollen.

Hohe Bewerberzahl

Das Interesse von Studienanfängern und Unternehmen an berufsbegleitenden, berufsintegrierten und ausbildungsintegrierten Studiengängen ist in den vergangenen Jahren schon deutlich gestiegen. Das geht aus einer Studie hervor, die das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln in diesem Jahr veröffentlicht hat. „Das Rhein-Main-Gebiet hat eine Vorreiterfunktion“, sagt Institutsmitarbeiterin Karin Hecker. Durch die vielen dort ansässigen internationalen Firmen sei die Region für die Untersuchung geradezu prädestiniert gewesen. Die meisten der befragten Unternehmer vertraten die Auffassung, daß duale Studiengänge bei der Personalentwicklung immer wichtiger würden. Mehr als die Hälfte gab außerdem an, Hochschulabsolventen aus dualen Studiengängen unter Umständen „klassischen“ Hochschulabgängern vorzuziehen. Befragt wurden vor allem Unternehmen aus der Metall- und Elektrobranche, Banken und Chemieunternehmen.

Für die Studie interviewten die Wissenschaftler zudem Vertreter zwölf hessischer Hochschulen. Diese berichteten, daß die Zahl der Bewerber für duale Studiengänge die der Plätze weit überschreite. Gerade private Hochschulen planten daher, das Angebot auszubauen. Allerdings klagten staatliche Hochschulen über fehlende Mittel, manche forderten ein stärkeres finanzielles Engagement der Wirtschaft. Sie gaben an, sich auch eine Kooperation mit mehreren Unternehmen vorstellen zu können. Der wissenschaftliche Anspruch der integrierten Studienmodelle liege, so die Studie weiter, wegen der Praxisorientierung oft unter dem des klassischen Hochschulstudiums. Dafür schätzten die Unternehmen das „bedarfsgerechte Angebot“ und legten Wert darauf, daß die Teilnehmer lernten, Probleme selbständig zu lösen.

Verzahnung von Theorie und Praxis

Das Internetportal „Ausbildung Plus“, das alle ausbildungsintegrierten dualen Studiengänge erfaßt, verzeichnete im Juli in Hessen 23 Programme an insgesamt zwölf Fachhochschulen und Universitäten. Ausbildungsintegriert heißt, daß die Studenten zum Hochschulabschluß auch einen Facharbeiterabschluß erhalten. Hinzu kommen die berufsbegleitenden und -integrierten Studiengänge, in denen die Studenten gleichzeitig in Unternehmen arbeiten. Mit den Hochschulen kooperieren 176 Unternehmen, und 415 Studenten nutzen die angebotenen Plätze. „Besonders die Universitäten merken, wie wichtig die Praxisorientierung ist“, hat Karin Häcker aus Köln beobachtet. Aber auch an den Fachhochschulen steige das Interesse an der Verzahnung von Theorie und Praxis.

Neue Partnerschaften zwischen Hochschulen und Betrieben sollen in Hessen durch das schon 2001 von der Landesregierung gegründete „Technologie Transfer Netzwerk“ entstehen. Auch entstanden in den zurückliegenden Jahren einige duale Studiengänge. So führte die Fachhochschule Wiesbaden an ihrem Standort Rüsselsheim 2002 das „Kooperative Ingenieurstudium Systems Engineering“ ein. Die Universität Kassel bietet das „Studium im Praxisverbund“. Dabei absolvieren die Studenten neben ihrem Maschinenbau-, Elektrotechnik-, Wirtschaftsingenieurwesen- oder Wirtschaftswissenschaftsstudium eine industrielle beziehungsweise kaufmännische Ausbildung. An der Frankfurter Fachhochschule für Ökonomie und Management können Eingeschriebene parallel zum Hochschulbesuch eine Lehre beispielsweise bei der Sparkasse machen. Und auch die HfB-Business School of Finance and Management in Frankfurt bietet die dualen Studiengänge Wirtschaftsinformatik und Betriebswirtschaftslehre an.

Angesichts der großen Nachfrage nach der kombinierten Ausbildung empfiehlt das Institut der deutschen Wirtschaft, den Trend noch zu fördern: Das Land, so sein Ratschlag, solle Geldprämien für die Einrichtung von dualen Studiengängen vergeben.

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