04.10.2006 · Der Frankfurter Hochschulpräsident Rudolf Steinberg will die Goethe-Universität in eine Stiftungsuniversität umwandeln. Nach dem Vorbild amerikanischer Hochschulen sollen dadurch private Geldquellen erschlossen werden.
Rudolf Steinberg zu seinen Plänen für eine Stiftungsuniversität.
Sie haben vorgeschlagen, die Frankfurter Universität in eine Stiftungs-Uni umzuwandeln. Wie kamen Sie auf diese Idee?
Derzeit wird intensiv daran gearbeitet, den Universitäten mehr Selbständigkeit einzuräumen. Wir haben in Hessen ein hervorragendes Beispiel dafür - in Gestalt des Autonomiegesetzes für die Technische Universität Darmstadt. Ich habe in den letzten Monaten immer wieder angekündigt, daß die Frankfurter Universität über dieses Gesetz hinausgehen will. Hinzu kommt, daß die Goethe-Universität eine in Deutschland einzigartige Tradition besitzt. Sie ist vor knapp 100 Jahren von Bürgern der Stadt Frankfurt gegründet worden - mit einem erheblichen Stiftungskapital. Und wir machen seit einiger Zeit wieder hervorragende Erfahrungen mit Stiftungen, etwa beim Frankfurt Institute for Advanced Studies oder bei dem House of Finance. Daraus entstand die Überlegung, ob mit wachsender Autonomie auch die Tradition der Stiftungsuniversität wiederbelebt werden kann.
Heißt das, der Staat soll sich aus der Universität zurückziehen?
Nein. Die Verantwortung des Staates für die Hochschule, vor allem in finanzieller Hinsicht, wird unverändert erhalten bleiben. Es geht darum, zusätzliche Mittel zu gewinnen, und nicht um eine Privatisierung der Universität. Wir wollen ihr eher einen Status verschaffen, wie ihn die staatliche University of California in Berkeley besitzt.
Sie möchten also zusätzlich zu den staatlichen Zuschüssen in großem Umfang privates Kapital an die Universität holen.
Das ist die Idee. Wir brauchen in Deutschland ein größeres finanzielles Engagement Privater für die staatlichen Hochschulen. Der Anteil des Staates am Etat der Hochschulen entspricht etwa dem in den Vereinigten Staaten. Aber dort kommen zu den 0,9 Prozent des Bruttosozialprodukts aus staatlichen Kassen 1,8 Prozent aus privaten Kassen hinzu. In Deutschland ist dieser Anteil kleiner als 0,1 Prozent. Gerade in Frankfurt gibt mir das in den letzten Jahren neu erwachte Interesse der Bürgerschaft an der Universität Hoffnung, daß wir dies ändern können.
Wie muß man sich das juristische Konstrukt „Stiftungsuniversität“ vorstellen?
Wie die rechtliche Ausgestaltung aussehen kann, wird derzeit untersucht. Wir sind dabei, ein erstes Konzept zu erarbeiten, das wir dann intensiv in den Gremien der Universität erörtern werden.
Was haben Professoren, Studenten und Mitarbeiter von der Status-Änderung?
Ich bin überzeugt, daß alle davon profitieren. Wenn wir bessere Forschung betreiben können, haben wir die Chance, auch international wahrgenommen zu werden. Die Studenten werden auf einer exzellenten Forschungsbasis erfolgreicher studieren und größere Chancen auf den internationalen Arbeitsmärkten haben. Und ich glaube, daß sich auch für unsere Mitarbeiter in allen Bereichen neue Chancen bieten, weil wir größere Spielräume bekommen, etwa bei der Gestaltung von tariflichen Arbeitsbedingungen.
Angeblich sind zwei bis vier Milliarden Euro nötig, um die Goethe-Universität in eine Stiftungshochschule umzuwandeln. Wer spendet Ihnen so viel Geld?
So viel muß es nicht sein. Für uns sind ja eben nicht Stanford und Harvard die Vorbilder, sondern eine amerikanische „State University“, die die Grundfinanzierung vom Staat bekommt und zusätzliche Mittel aus privaten Quellen generiert. Die genannten Milliardenbeträge sind auf absehbare Zeit völlig illusorisch. Wir bleiben sicher auf lange Zeit eine öffentliche Universität mit erheblicher staatlicher Mitverantwortung.
In Deutschland gibt es schon jetzt Stiftungsuniversitäten, zum Beispiel in Göttingen. Kritiker monieren, dort sei die Abhängigkeit vom Geldgeber erhöht und die Selbstverwaltung der Hochschule geschwächt worden.
Das wird man alles sorgfältig prüfen und bei der Erarbeitung des Frankfurter Modells berücksichtigen müssen.
In Göttingen haben sich einige Professoren dagegen gewehrt, in die Stiftung übernommen zu werden. Was halten die Frankfurter Kollegen von Ihrem Plan?
Wir haben erste Rückmeldungen in Zusammenhang mit unserem Zukunftskonzept-Antrag für die Exzellenzinitiative. Die dort beteiligten Professoren und Mitarbeiter haben große Sympathie für das Modell der Stiftungsuniversität erkennen lassen und angeregt, daß es in diesem Konzept deutlich hervorgehoben wird.
Wissenschaftsminister Corts steht Ihrem Vorhaben grundsätzlich wohlwollend gegenüber. Welche Bedingungen muß das Land schaffen, damit es verwirklicht werden kann? Ist der Autonomiestatus Voraussetzung für die Neugestaltung als Stiftungs-Uni?
Wir werden sorgfältig überlegen, ob man beides parallel oder nacheinander tun sollte. Wichtig ist aber, daß es sich um ein Projekt der Frankfurter Universität handelt und nicht um eines der hessischen Landesregierung - auch wenn Regierung und Landtag zustimmen müssen.
Studentenvertreter befürchten, daß eine Stiftungsuniversität noch höhere Studiengebühren verlangen könnte als schon jetzt geplant. Eine begründete Sorge?
Ich sagte ja schon: Es handelt sich nicht um eine Privatisierung. Alle wesentlichen öffentlich-rechtlichen Bindungen, etwa ans Grundgesetz und die hessische Verfassung, bleiben erhalten. Insofern halte ich diese Befürchtungen für unbegründet.
Glauben Sie, daß die Frankfurter Universität 2014, wenn sie ihr hundertjähriges Bestehen feiert, wieder eine Stiftungsuniversität sein wird?
Das könnte eine realistische Überlegung sein. In einigen Monaten werden wir es genauer wissen.
Das heißt, Sie verfolgen Ihr Ziel mit großem Nachdruck?
Wenn man so etwas machen will, muß man es konsequent betreiben und darf es nicht auf die lange Bank schieben.