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Hochschule Austausch mit Afrika

24.07.2006 ·  Nicht nur für Afrikanisten: Auf einem Kongreß an der Frankfurter Universität diskutieren Vertreter verschiedenster Fachrichtungen über die Entwicklung des Kontinents.

Von Eva-Maria Magel
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Ein interdisziplinärer Kongreß unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Horst Köhler: Schon bevor am Montag abend die Konferenz „Wissen und Wissenschaft in Afrika“ begonnen hat, waren die Erwartungen hoch. Die 20. Tagung der Vereinigung von Afrikanisten in Deutschland ist nicht nur die erste, die an der Universität Frankfurt stattfindet, sie ist auch die größte: 190 internationale Referenten werden bis Donnerstag in 27 sogenannten Panels diskutieren.

Doch will der Kongreß weit mehr erreichen, als es Versammlungen von Wissenschaftlern gemeinhin tun. Das zeigt nicht nur die enorm große Zahl afrikanischer Teilnehmer: Ist doch der Transfer von Wissen und Wissenschaft eine der dringendsten Fragen in der zukünftigen internationalen Zusammenarbeit. Während der „Brain drain“, also der Exodus begabter Akademiker, auch in Deutschland Thema geworden ist, überlegen internationale Afrika-Forscher gemeinsam, wie Wissen über den Kontinent ausgetauscht wird, auch mit Afrika selbst. Es geht nicht nur um Afrikanistik im engeren Sinne, also um die Sprach- und Kulturwissenschaft. Biologen, Geologen, Historiker und Vertreter anderer Disziplinen tauschen sich darüber aus, wie das Wissen der Bevölkerung fruchtbar gemacht werden kann und wie die Universitätsausbildung in Afrika sich verändert.

Interdisziplinarität und Außenwirkung

Ausrichter ist das Zentrum für Interdisziplinäre Afrikaforschung (Ziaf) an der Universität Frankfurt. Das Thema des Kongresses spiegelt nicht nur einen Schwerpunkt in dessen Arbeit wider; es rückt auch viele in und für Afrika tätige Institutionen in den Blick. Die Beschäftigung mit Afrika hat in der Rhein-Main-Region eine lange Tradition: 1925 siedelte sich der Ethnologe Leo Frobenius mit seinem Institut in Frankfurt an. Derzeit werden die reichen Sammlungen des Instituts mit einem Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft digital erfaßt, für das Richard Kuba zuständig ist: So soll der Schatz einer neuen Aufarbeitung zugänglich gemacht werden - auch eine Form von Wissenstransfer.

Die Frobenius-Sammlung wird von heute an in einer Ausstellung öffentlich vorgestellt, zusammen mit den Afrika-Beständen der Universitätsbibliothek und den Sammlungen des Instituts für Ethnologie und Afrikastudien, das an der Universität Mainz einen starken Afrikaschwerpunkt bildet.

Das Ziaf nämlich hat nicht nur die Interdisziplinarität im Blick, sondern auch die Außenwirkung: Deshalb gibt es während der nächsten Tage etliche, dem Publikum offenstehende Veranstaltungen. Ergebnisse des 15 Jahre lang erfolgreich in Frankfurt wirkenden Sonderforschungsbereichs zu Westafrika etwa wurden 2003 in der Wanderausstellung „Leben in Westafrika“ aufgearbeitet, die 45.000 Besucher sahen.

Wissenstransfer in beide Richtungen

Stefan Schmid, Geschäftsführer des Ziaf, sieht gerade solche Schauen als geeignetes Medium. Als prominentes Beispiel gilt das von dem Frankfurter Paläoanthropologen Friedemann Schrenk gegründete Museum in Karonga (Malawi), das die Erkenntnisse der Paläobiologie dort vermittelt, wo die Wiege der Menschheit stand.

Schrenk wird dieses Projekt nun auf dem Kongreß ebenso vorstellen wie Editha Platte vom Frobenius-Institut ihren Verein „Kasa - Kanuri Studies Association“, ebenfalls ein Projekt des Wissenstransfers. Für die Sprache Kanuri gibt es ein Internetportal, auf dem deutsche und nigerianische Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse zusammentragen, aber auch Laien sich beteiligen. Langfristige Projekte seien bei dem Wissenstransfer in beide Richtungen enorm wichtig, sagt Platte, die sich von dem Kongreß neue Kooperationen erhofft. Das Internet sei dabei eine große Hilfe. Gemeinsame Publikationen aber und der direkte Austausch wie nun in Frankfurt seien unverzichtbar.

Bis 27. Juli auf dem Campus Westend. Am Dienstag wird um 19.30 Uhr im Ausstellungssaal der Universitätsbibliothek die begleitende Schau eröffnet. Am Mittwoch um 16 und 21 Uhr finden Filmvorführungen von Tafe Fanga im 7. Stock des Campus Westend, Raum 7.312 statt. Dazu ist der Eintritt kostenlos. Von 19 Uhr an gibt es vor und im Casino ein Fest mit Konzert der Gruppe „Injera Soul“.

Quelle: F.A.Z., 25.07.2006
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Jahrgang 1970, Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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