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Sprengung des AfE-Turms : Ein Trümmerfeld bleibt zurück

Trümmerfeld: Wo rohe Kräfte sinnvoll walten, zerbröselt ein 116 Meter hohes Hochhaus in Sekunden zu einem handlichen Haufen Geröll. Bild: Kaufhold, Marcus

Mit einem lauten Knall ist am Sonntagmorgen der 116 Meter hohe AfE-Turm in Frankfurt gesprengt worden. Die Beseitigung der Trümmer wird drei bis vier Monate dauern.

          Mehrere Zehntausend Zuschauer haben am Sonntag die gelungene Sprengung des Uni-Turms auf dem alten Frankfurter Universitätscampus Bockenheim verfolgt. Die Polizei sprach von 30.000 Schaulustigen. Das 116 Meter hohe, entkernte Hochhaus wurde wie geplant um kurz nach zehn Uhr gesprengt und sackte in sich zusammen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bis auf vier Fensterscheiben, die an einem ohnehin zum Abbruch vorgesehenen Nachbargebäude zu Bruch gingen, und einer geplatzten Scheibe im nahen Marriott-Hotelturm gab es in der Umgebung keine Schäden. „Das war eine Punktlandung. Hut ab vor Planung und Ausführung“, sagte Frank Junker, der Geschäftsführer des Grundstückseigentümers und Auftraggebers ABG.

          Abwärts: Innerhalb weniger Sekunden stürzte der AfE-Turm zusammen Bilderstrecke

          Auch die Sicherheit des nur 47 Meter von der Sprengstelle entfernten U-Bahn-Tunnels unter der Senckenberganlage wurde durch die Erschütterung nicht beeinträchtigt. Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt konnte den Tunnel um 13.25 Uhr nach einer Probefahrt wieder in Betrieb nehmen. Zuvor hatten Bauingenieure und Abbruchplaner die Anlage auf Risse, Löcher und andere Schäden überprüft. Die Auswertung der installierten Messgeräte ergab zudem, dass alle Werte unauffällig waren.

          Der Manager des Marriott Frankfurt, Hansjörg Hefel, dankte der ABG, dass sie durch die Sprengung den Baulärm eines zeitaufwendigen Abbruchs mit Baugeräten vermieden hat. Die geborstene Scheibe im ersten Obergeschoss des Hotelturms gehöre zu einer Bankett-Küche und stamme noch aus den siebziger Jahren. Es sei eine Einfach-Verglasung gewesen.

          In den nächsten Tagen soll die Umgebung, die am Sonntag noch mit einer Staubschicht bedeckt war, gereinigt werden. Weil das Gebäude schon von Asbest und anderen Schadstoffen frei war, ist der Staub nach Angaben der Abbruchfirma AWR nicht gefährlich. Das Unternehmen beginnt am Montag (03. Februar 2014) mit der Beseitigung der Trümmer auf dem Grundstück. Das wird nach Angaben des Geschäftsführers Ilmi Viqa drei bis vier Monate dauern. Ebenso sollen die ersten Baumaschinen damit beginnen, den Beton zu zerkleinern. Um zu verhindern, dass sich das Fundament hebt, wird die Hälfte des Schutts in den Keller gefüllt, der vom AfE-Turm übriggeblieben ist. Der Rest wird mit Baggern abgetragen und abtransportiert. Ein Großteil des Baumaterials ist schon in den zweigeschossigen Keller gestürzt. Deshalb ist der Trümmerhaufen trotz der Masse von 50.000 Tonnen Beton und Stahl vergleichsweise niedrig. Der um die Sprengstelle errichtete Erdwall bleibt zunächst stehen, um den Baulärm einzudämmen.

          Die an der Sprengung beteiligten Fachleute zeigten sich mit dem Ergebnis zufrieden. Abbruchunternehmer Viqa führte den Erfolg auf die exakte Planung zurück. „Das nächste Gebäude kann kommen“, sagte er. Sprengmeister Eduard Reisch beschrieb die Sprengung als „absolut minutiös“. Sogar die Bäume am Rand des Grundstücks blieben stehen. „Die Teile des Gebäudes haben sich vor den Bäumen verneigt“, sagte der Sprengmeister. Auch das Wetter sei einer erfolgreichen Sprengung zuträglich gewesen. Frühmorgens war es zunächst sehr neblig. Die erhöhte Luftfeuchtigkeit hat laut Reisch dazu geführt, dass sich die Staubwolke nicht weit ausbreiten konnte.

          Kein Zuschauer in Sperrzone geklettert

          Reisch zufolge waren bei der Sprengung Schäden in Höhe von 32 Millionen Euro versichert. ABG-Chef Junker hatte darüber hinaus noch für einen fünfstelligen Betrag eine zusätzliche Versicherung abgeschlossen, die die abgedeckte Schadenssumme auf 50 Millionen erhöhte. Rückblickend sei diese Investition nicht nötig gewesen, sagte er. „Aber das Risiko war es wert.“

          Zufrieden waren auch die Polizei und das Technische Hilfswerk, die das Areal rund um den Turm vor der Sprengung abgesucht hatten und für die Sicherheit innerhalb der Sperrzone sorgten. Ein Sprecher des Technischen Hilfswerks sagte, das Verhalten der Zuschauer sei vorbildlich gewesen, niemand habe auch nur versucht, in die Sperrzone zu gelangen. Die Polizei war vor allem erfreut darüber, dass es so gut wie keine Schäden gegeben hat.

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