30.10.2008 · Im Frankfurter Europaviertel will der Investor Vivico einen Hotelturm errichten. Einen öffentlichen Wettbewerb von Architekten lehnt das Unternehmen jedoch ab. Stattdessen werden lediglich sechs große Büros mit der Gestaltung beauftragt.
Von Rainer SchulzeDie Vivico Real Estate, Bauherr des neben dem Einkaufszentrum Skyline Plaza im Europaviertel geplanten Hotelturms, will auf einen offenen Architekturwettbewerb zur Gestaltung des Gebäudes verzichten. Stattdessen werden sechs Architekturbüros mit Entwürfen für das Hochhaus beauftragt, in das dem Planungsstand zufolge das Luxushotel Grand Hyatt einziehen soll.
Zu dem begrenzten Auswahlverfahren sollen die Stuttgarter Architekten Lederer Ragnarsdóttir Oei, die zuletzt den Wettbewerb um das Historische Museum für sich entschieden haben, das Büro des Städel-Professors Ben van Berkel, die bekannten Frankfurter Büros KSP Engel und Zimmermann und JSK Architekten, das Architektenbüro Beye Scheid, das aus dem einst bedeutenden Frankfurter Büro ABB hervorgegangen ist, sowie die Braunschweiger Architekten Reichel und Staudt, mit denen Vivico ein Hotelprojekt in Berlin plant und die auch mit der Grundlagenplanung beauftragt sind, eingeladen werden.
Architektenkammer: Öffentlichkeit bekommt nur den Sieger präsentiert
Vivico-Sprecher Wilhelm Brandt begründete das Vorgehen mit einer höheren Effizienz: „Im Hinblick auf Schnelligkeit und Zielgenauigkeit lässt sich so etwas besser steuern.“ Er wollte sich nicht festlegen, ob die Ergebnisse des Gutachterverfahrens auch öffentlich präsentiert werden. Es sei aber nicht damit gedient, den „Erlkönig“ früh zu präsentieren. „Es gibt aber nichts zu verheimlichen.“ Vivico beauftrage in Abstimmung mit der Stadt Architekten unterschiedlicher Größe und Couleur, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Auf die Frage, wie sich das Preisgericht zusammensetze, sagte Brandt, es gebe genügend Sach- und Fachverstand im Hause. Allerdings würden auch Fachleute von außen eingebunden. In der Vergangenheit war vor allem am Verfahren zum „Tower 185“, ebenfalls ein Vivico-Projekt, Kritik laut geworden. Damals war nur der Siegerentwurf präsentiert worden.
Die Architektenkammer Hessen moniert, dass immer häufiger auf offene Architektenwettbewerbe verzichtet werde. Sogenannte Gutachterverfahren, bei denen nur eine begrenzte Zahl von Büros eingeladen wird, gingen zu Lasten der Transparenz, sagte der Sprecher der Kammer, Christof Bodenbach. „Wenn diese grauen Verfahren dazu führen, dass die Öffentlichkeit immer nur den Sieger präsentiert bekommt, ist die Entscheidung nicht nachvollziehbar.“ Es hätten besonders kleinere und unbekannte Büros das Nachsehen, da diese in der Regel bei Großprojekten nicht eingeladen werden. „Der beste Vorschlag sollte zum Maßstab genommen werden und nicht der Name des Büros“, sagte Bodenbach.
Gesine Ludwig, bei der Architektenkammer zuständig für Vergabe und Architektenwettbewerbe, kritisierte, dass Frankfurt im Unterschied zu anderen Städten zu wenig Einfluss auf die Bauherren nehme. „Die Stadt dringt nicht genügend darauf, dass es zu geregelten Wettbewerbsverfahren kommt“, sagte die Architektin. In Frankfurt wird über städtebauliche Verträge und stadtplanerische Instrumente wie den Hochhausrahmenplan Einfluss auf die architektonische Gestaltung genommen. Dort heißt es, dass Wettbewerbe oder „wettbewerbsähnliche Planungsverfahren unter Beteiligung einer ausreichenden Zahl von qualifizierten Architekturbüros und unabhängigen sachverständigen Preisrichtern“ für Hochbauten ab einer Höhe von 60 Metern verlangt werden.
Stadtplanungsamt: Vivico soll mit der Stadt kommunizieren
Beim Hotelturm im Europaviertel ist die Architektur weder vom Hochhausrahmenplan noch durch einen städtebaulichen Vertrag geregelt. Da es vor einigen Jahren schon einmal ein Wettbewerbsverfahren zum Urban Entertainment Center, so die frühere Bezeichnung des Einkaufs- und Kongresszentrums Skyline Plaza, gab, galt dieses Thema als erledigt. Die damalige Planung, die durch den vorangegangenen Hochhausrahmenplan abgesichert war, ist allerdings inzwischen völlig überholt. Es habe daher mit Vivico nur eine Absprache gegeben, mindestens sechs Büros zu beteiligen, sagte Martin Hunscher vom Stadtplanungsamt. „Wir gehen davon aus, dass Vivico das weitere Verfahren mit uns absprechen wird.“ Es sei „immer klug“, als Mitglieder im Preisgericht oder als Sachverständige die Politik einzubinden.
Dass das Planungsamt bei dem Auswahlverfahren zur Gestaltung des Tower 185 nicht in dem üblichen Rahmen beteiligt war, behagte der Stadt nicht. Stefan Majer, der als planungspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion in der Regel in die Entscheidung größerer Wettbewerbe eingebunden ist, kündigte an, sich dafür einzusetzen, dass sich ein solches Verfahren nicht wiederholt.