28.05.2004 · Das Projekt eines neuen Hochhauses an der Ecke von Taunusanlage und Mainzer Landstraße ist in den Fraktionen des Viererbündnisses auf abwartende, aber nicht unfreundliche Aufnahme gestoßen. Wie berichtet, ...
Das Projekt eines neuen Hochhauses an der Ecke von Taunusanlage und Mainzer Landstraße ist in den Fraktionen des Viererbündnisses auf abwartende, aber nicht unfreundliche Aufnahme gestoßen. Wie berichtet, haben sich die Deka-Bank, die Degi GmbH und der Immobilienfonds Grundbesitz Invest der Deutsche-Bank-Tochter DB Real Estate zu einer Projektgemeinschaft zusammengetan. Diese prüft den Bau eines bis zu 250 Meter hohen Turms, für den das Hochhaus "T11" abgerissen werden müßte. Die Höhe und damit auch die Mietfläche des Turms, der frühestens für 2010 geplant ist, sollen in Verhandlungen mit der Stadt festgelegt werden. Das Planungsdezernat war am Freitag nicht zu einer Stellungsnahme zu dem Projekt bereit, das unter dem Namen "Marieninsel" geführt wird.
Die Grünen würden den Vorschlag in aller Ruhe prüfen, äußerte Stefan Majer, planungspolitischer Sprecher der Fraktion. Man werde die städtebaulichen Rahmenbedingungen klären. So müsse ermittelt werden, wie stark der neue Turm seine Umgebung verschatte. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Uwe Becker lobte den Probeentwurf des Frankfurter Architekten als "äußerst ansprechend". Man werde sich des Themas "mit Offenheit" annehmen. Etwas verhaltener äußerte sich der FDP-Fraktionsvorsitzende Volker Stein. Zunächst sollten die Hochhäuser errichtet werden, die in der Planung schon weiter gediehen seien. In absehbarer Zeit sei nicht mit einer Situation auf dem Immobilienmarkt zu rechnen, in der das neue Hochhaus benötigt werde. Aus städtebaulicher Sicht sei es jedoch durchaus sinnvoll, auch an der südlichen Seite der Mainzer Landstraße zwischen Taunusanlage und Platz der Republik den Bau von Hochhäusern zuzulassen. Dort könnte dann eine Häuserschlucht entstehen, wie es sie heute schon entlang der Neuen Mainzer Straße gebe.
Es bestehe angesichts der schon bekannten Projekte derzeit kein Handlungsbedarf, sagte auch Klaus Oesterling, Fraktionsgeschäftsführer der SPD. Es sei jedoch erfreulich, daß es offenbar unter potenten Investoren ein hohes Zutrauen in den Standort Frankfurt gebe. Oesterling sagte, später könne auch über eine Änderung des Hochhausrahmenplans gesprochen werden.
Der Frankfurter Architekt Jürgen Engel äußerte auf Anfrage, der im Jahr 1998 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Hochhausrahmenplan sei überarbeitungsbedürftig. Das habe schon die Diskussion über das Zürich-Hochhaus gezeigt. Bei der Revision müßten klare Vorgaben entwickelt werden, an denen sich die Politik orientieren könne. Andernfalls stehe sie den Forderungen von Investoren hilflos gegenüber. Auch Dietrich-Wilhelm Dreysse, Vorsitzender des Städtebaubeirats, sagte, der Hochhausrahmenplan sei "kein Dogma". Er warne davor, im Bahnhofsviertel weitere Hochhäuser zuzulassen.
Die Vorgaben des Hochhausrahmenplans sind mittlerweile schon mehrfach übergangen worden. So soll das geplante neue Zürichhochhaus deutlich höher werden als sein Vorgänger. Auch für den neuen Hauptsitz der Europäischen Zentralbank hatte er kein Hochhaus vorgesehen. (ale.)