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Hochhäuser in Frankfurt Ein erlesener, aber kein üppiger Jahrgang

28.12.2008 ·  In Frankfurt werden 2009 drei Türme fertiggestellt, ein neuer wird gebaut. Die Zurückhaltung der Banken macht größere Projekte mit einem Volumen von mehr als 50 Millionen Euro nicht einfach. Der Jahrgang wird erlesen, aber nicht üppig ausfallen.

Von Rainer Schulze
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Der Blick auf die Baustelle an der Friedrich-Ebert-Anlage weckt Zuversicht. Die Baugrube für den T 185, jenem auf den Abbildungen weiß schimmernden Büroturm aus Aluminium und Glas, in den die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers einziehen wird, ist schon tief ausgehoben. Seit im Herbst mit dem Bau begonnen wurde, verbreiten die regelmäßig vorbeidonnernden Baufahrzeuge im stetig wachsenden Europaviertel Pionierstimmung. Der Bauherr, die Projektentwicklungsgesellschaft Vivico, hat rechtzeitig vor der Krise begonnen, den 185 Meter hohen Büroturm zu errichten. Die Finanzierung scheint gesichert, ein Baustopp ist nicht zu erwarten: „Der Turm kommt“, sagt Vivico-Sprecher Markus Diekow knapp.

Investoren verhalten sich zögerlich

Doch der T 185 wird voraussichtlich der einzige Turm bleiben, mit dessen Bau im neuen Jahr zu rechnen ist. Der Hochhausjahrgang 2009 wird zwar erlesen, aber nicht besonders üppig. Drei Türme werden fertiggestellt, ein neuer, der T 185, kommt hinzu. Die Zurückhaltung der Banken macht größere Projekte mit einem Volumen von mehr als 50 Millionen Euro nicht einfach. Zudem hat das Geschäft mit Büroimmobilien nach dem Rekordjahr 2007, in dem mehr als acht Milliarden Euro in Frankfurt ausgegeben wurden, einen Dämpfer erhalten: Der Markt ist auf rund 1,2 Milliarden Euro Umsatz eingebrochen. Ohne eine hohe Vorvermietungsquote sind Kreditgeber zurzeit nur schwer zu finden. Angesichts von Zehntausenden Quadratmetern Bürofläche, die nach der Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank frei werden, verhalten sich einige Investoren zudem zögerlich.

Der Opernturm, dessen Rohbau schon auf 170 Metern Höhe angekommen ist, soll Anfang 2010 bezogen werden. Erst vor zwei Wochen verkündete der Bauherr, der Projektentwickler Tishman Speyer, eine für diese Zeiten beachtliche Nachricht. Zwei weitere Mieter wurden gefunden, vier weitere Etagen des Gebäudes sind damit schon ein Jahr vor dem Einzug vergeben. Damit ist der Turm zu mehr als 60 Prozent vorvermietet. Im Palais Quartier an der Zeil werden der 130 Meter hohe Büroturm und der 90 Meter hohe Hotelturm voraussichtlich im dritten Quartal fertiggestellt.

Mit dem Neubau der Europäischen Zentralbank war eigentlich schon im zurückliegenden Jahr gerechnet worden. Doch offenbar wegen einer dilettantischen Ausschreibung fand sich kein Generalunternehmer. Die EZB hat danach einen neuen Anlauf gewagt, will aber frühestens Ende 2009 entscheiden, ob sie ihre neue Zentrale an der Großmarkthalle im Ostend bauen wird. In der Immobilienbranche mehren sich die skeptischen Stimmen. Ein Fachmann hält es für unrealistisch, dass die Baukosten von einer halben Milliarde Euro eingehalten werden können: „Ich kenne niemanden, der diesen Preis für realistisch hält.“

Rahmenplan sieht 17 neue Standorte vor

Vivico will die Stadtentwicklung – wohl eher lang- als kurzfristig – außer mit dem T 185 mit drei weiteren Hochbauten prägen. Zum Skyline Plaza, jenem seit mehr als zehn Jahren geplanten Einkaufs- und Kongresszentrum, gehören ein Hotelturm und ein vorerst zurückgestellter, 200 Meter hoher Büroturm. Doch der Baubeginn für den 160 Meter hohen Turm, in den das Luxushotel „Grand Hyatt“ einziehen soll, ist noch nicht terminiert. Vivico-Sprecher Diekow sagt, es sei das Ziel, dass beide Bauteile, also das Skyline Plaza und der Hotelturm, gleichzeitig wachsen, damit die Besucher sich nicht auf einer Dauerbaustelle bewegen. Derzeit werde für das „Grand Hyatt“ der Architekturwettbewerb vorbereitet. In enger Abstimmung mit der Stadt sollen einige Büros dazu eingeladen werden, die Ausschreibung beginnt im ersten Quartal. „Wir rechnen damit, dass Mitte des Jahres die Ergebnisse vorliegen.“ Auf der Basis des Siegerentwurfs wird dann ein Bauantrag gestellt. Das bedeutet, dass es mit einem Baubeginn 2009 ohnehin knapp wird.

Der auf der letzten Sitzung der Stadtverordneten kurz vor Weihnachten nach langer Wartezeit endlich beschlossene Hochhausrahmenplan (siehe Grafik unten) sieht 26 Hochhäuser an 17 neuen Standorten vor. Das entspricht einem maximalen Zuwachs von 750 000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche. Für den vor zwei Monaten in den Nachverhandlungen zum Hochhausrahmenplan auf knapp 200 Meter aufgestockten Bahn-Tower südlich des Hauptbahnhofs, ein weiteres Vivico-Projekt und besser bekannt als Campanile-Standort, gibt es über Interessensbekundungen hinaus nichts Neues zu berichten. Die Deutsche Bahn plant, 3000 Mitarbeiter in den Büroturm zu verlagern, in dessen Sockel ein Busbahnhof einziehen soll.

Einige Kommunalpolitiker immerhin sind zuversichtlich, dass sowohl der Bahn-Tower als auch der dritte Turm der DZ-Bank, dessen geplanter Standort am Platz der Republik unlängst in den Hochhausrahmenplan aufgenommen wurde, gebaut werden. Nur wann dies der Fall ist, lässt sich zurzeit nicht absehen. Die DZ-Bank hat sich noch nicht festgelegt, ob sie für ihre Mitarbeiter nach der Fusion mit der Düsseldorfer WGZ zur einzigen Zentralbank der Volks- und Raiffeisenbanken einen weiteren Turm in Frankfurt baut. Und falls ja, ist noch völlig offen, wann die Arbeiten beginnen.

Projekt „Maintor“

Auf der als Degussa-Gelände bekannten Fläche zwischen Karmeliterkloster und Schauspielhaus wird im Herbst mit dem ersten Bauabschnitt zum Projekt „Maintor“ an der Weißfrauenstraße begonnen, zu dem auch ein 60 Meter hoher Büroturm gehört. Doch das höchste Gebäude des Quartiers, der 100 Meter hohe Winx-Turm, kommt erst später an die Reihe. Wie Ulrich Höller, Vorstandsvorsitzender des Bauherrn und Investors Deutsche Immobilien Chancen, sagt, wird mit dem Bau des Winx direkt im Anschluss an den Umzug der zum Konzern Evonik zählenden Degussa nach Hanau begonnen: „Baubeginn ist am 1. 1. 2011.“

Für ein weiteres, auf dem Papier schon weit gediehenes Projekt, das Bürogebäude Kaiserkarrée an der Neuen Mainzer Straße, gibt es eine Bauvoranfrage. Allerdings hat das Immobilienunternehmen Tishman Speyer, das das Projekt gemeinsam mit der Commerzbank-Tochter Commerz Real errichten will, im Mai bekanntgegeben, dass der Entwurf des Architekturbüros Gruber Kleine-Kraneburg noch einmal überarbeitet wird. Der Turm soll statt 135 nun 150 Meter hoch und schlanker werden, die geforderten Wohnungen in einem zweiten Gebäude Platz finden. Der zuletzt für Frühjahr 2008 angekündigte Baubeginn wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die Bauaufsicht verbreitet bisher ungebremst Zuversicht: Gemessen an der Zahl der Bauanträge, sei die Krise in Frankfurt noch nicht angekommen. Doch die Behörde macht einen großen Anteil ihres Umsatzes mit der Bautätigkeit am Flughafen, und an diesem Ort entstehen höchstens liegende Hochhäuser wie das Airrail-Center, das im neuen Jahr fertiggestellt werden soll. Unbeirrbar halten die Planer an dem Termin fest, obwohl vermutet wird, dass ihnen die Zeit davonläuft. Bauanträge für neue Hochhäuser sind bei der Bauaufsicht jedenfalls kaum eingegangen. „Gesichert ist nur der T 185“, sagt Amtsleiter Kummer. „Bei allen anderen Projekten muss man die Entwicklung beobachten.“

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