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Hochhäuser Hochhausplan schlägt zwei Dutzend Türme vor

 ·  Im neuen Frankfurter Hochhäuser-Rahmenplan, der nun offiziell vorgestellt worden ist, sind 24 neue Türme an einem Dutzend Standorten vorgesehen. Architekt Jochem Jourdan sagte, ihm sei es dabei um die Stärkung der etablieren Hochhauspulks gegangen.

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Nachdem der Entwurf für den Hochhausrahmenplan durch Indiskretionen im Römer in Grundzügen bekannt geworden war, hat Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) die Flucht nach vorn angetreten und gemeinsam mit dem Architekten und Stadtplaner Jochem Jourdan das Werk der Öffentlichkeit präsentiert. Ganz große Überraschungen blieben aus. Mit einer Ausnahme: Der Vorschlag, anstelle des Poseidon-Hauses gegenüber der Messe in Nähe der Ludwig-Erhard-Anlage einen 170-Meter-Turm zuzulassen, war bisher nicht aus dem Römer kolportiert worden.

Dass die Zahl der geplanten Hochhäuser mit zwei Dutzend noch deutlich höher ausfällt als bisher angenommen, liegt vor allem an dem Vorgehen Jourdans, an etlichen neuen Standorten mehrere Türme zuzulassen. So sollen am nördlichen Ausgang des Hafentunnels drei rund 100 Meter hohe Türme gebaut werden und zu beiden Seiten der Emser Brücke gleich fünf Hochhäuser entstehen. Mit einer Höhe von 50 bis 90 Metern werden die Gebäude an der Emser Brücke allerdings nicht „silhouettenwirksam“ sein, wie es Jourdan formulierte.

220 Meter hohes Hochhaus auf der „Marieninsel“

Anders als bei seinem Entwurf von 1998 hat er diesmal auch kleinere Türme berücksichtigt, die er als „Hochpunkte“ bezeichnet. Auch diese Ausweitung der Kriterien hat die Zahl der Projekte nach oben getrieben. Etwas mehr Klarheit herrscht jetzt auch über die Frage, wie hoch die Türme gebaut werden sollen und welche Nutzungen vorgeschlagen sind. Als „ausgewachsene“ Hochhäuser lassen sich jene sechs Vorhaben bezeichnen, die mindestens 130 Meter hoch werden sollen. Wobei die Höhenangaben nur als grobe Richtwerte zu verstehen sind. Jourdan und Schwarz machten in den meisten Fällen keine genauen Angaben, in anderen gar keine. Der Blick auf das vom Büro Jourdans angefertigte Modell lässt aber auch dann immerhin begründete Schätzungen zu.

Mit rund 220 Metern ist das Hochhaus auf der „Marieninsel“ an der Ecke von Taunusanlage und Mainzer Landstraße das ambitionierteste Projekt. Diesem Büroturm soll das kleine Hochhaus „T 11“ weichen. Die Grundstücke gehören drei Banken beziehungsweise Finanzinvestoren, denen auch die meisten Nachbarareale gehören, so dass Nachbarschaftsstreitigkeiten nicht zu erwarten sind. Auch politisch dürfte der Turm nicht für große Debatten sorgen, da er kein Wohngebiet berührt. Bleibt die Frage, ob es auf dem Büromarkt einen Bedarf für ein solches Riesenprojekt gibt. Schwarz äußerte sich dazu nur allgemein. Der Entwurf für den Rahmenplan sei in Abstimmung mit den Grundstückseigentümern erfolgt, von denen sich einige mit konkreten Bauabsichten trügen.

Bis zu 180 Meter hoch soll ein Turm auf dem nördlichen Teil des Degussa-Areals am Main werden. Fast schon klein nimmt sich auf dem gleichen Areal mit rund 70 Metern der Wohnturm aus, der gemeinsam mit dem gerade erst sanierten Turm der Schweizer National ein Tor zur Innenstadt bilden soll. Vorschläge, auf dem Degussa-Areal einen großen Büroturm zu bauen, sind in den vergangenen Jahren schon öfter im Römer debattiert worden, mangels konkreter Bauabsicht bisher aber ohne große öffentliche Resonanz.

„Campanile“ am Hauptbahnhof geplant

Die politische Debatte im Römer wird sich aller Voraussicht nach nicht zuletzt um dieses Thema drehen. Immerhin rund 170 Meter soll der „Campanile“ am Hauptbahnhof hoch werden, die früheren Schwierigkeiten mit den Nachbarn sieht Jourdan durch die Wahrung der gesetzlich vorgesehenen Abstandsflächen als erledigt an. Schwarz hob hervor, dass der Turm nur realisiert werden dürfe, wenn in seinem Sockel auch der schon lange geplante Busbahnhof entstehe. In ähnlichen Höhen bewegt sich das Hochhaus, das das seit drei Jahren leerstehende Poseidon-Haus ablösen soll.

Etwa 140 Meter soll der Hotelturm aufragen, der auf der Osthafenmole geplant ist. Schwarz sagte, es gelte weiterhin der politische Wille, im Ostend über den geplanten Turm der Europäischen Zentralbank hinaus keine neuen Hochhäuser zuzulassen. Daher habe er auch Überlegungen eine Absage erteilt, entlang der Hanauer Landstraße „Hochpunkte“ zu setzen. Beim Molenturm, der am Rande des Ostends liege, befürworte er aber eine Ausnahme, weil dort ein spektakulärer Bau mit einem herausragenden Blick auf die Skyline möglich sei. Schwarz erinnerte an Rotterdam, Hamburg und New York, wo an ähnlichen Stellen im Hafen eine Hochhausbebauung zugelassen worden sei

Mit 130 Metern soll auch der Turm, der auf dem Areal der Matthäus-Gemeinde an der Friedrich-Ebert-Anlage geplant ist, eine fernwirksame Höhe erreichen. Jourdan hob hervor, dass es ihm gelungen sei, das Hochhaus so zu plazieren, dass die Kirche entgegen den bisherigen Planungen mit ihrem Turm erhalten werden könne. Wie berichtet, gibt es innerhalb der Gemeinde erheblichen Widerspruch gegenüber der Leitung der evangelischen Kirche, das Grundstück zu veräußern.

Architektonischer Rhythmus durch „Hochpunkte“

Unterhalb der Grenze für fernwirksame Häuser, aber wohl doch gut für Debatten werden die drei Hochhäuser sein, die Jourdan in der Nähe des Eschenheimer Turms vorschlägt. Westlich neben dem Wohnturm „Skylight“, im Block zwischen Bleichstraße und Stiftstraße, soll ein rund 50 und ein etwa 80 Meter hohes Paar von Wohntürmen entstehen. Südlich davon, an der Stiftstraße, ist ein weiterer 100-Meter-Turm vorgesehen, in dem nach Meinung Jourdans bis zu 30 Prozent für Wohnungen reserviert werden könnten. Jourdan sagte, mit diesen drei neuen Hochhäusern würden die beiden im Bau befindlichen Türme von „Frankfurt Hoch Vier“ städtebaulich verträglicher gemacht, weil sie dann in ein Ensemble eingebunden seien.

Diese Argumentation wird im Römer nicht unwidersprochen bleiben. Allgemein wird es als Fehler angesehen, dass man auf dem früheren Telekom-Areal eine so dichte Bebauung zugelassen hat. Die Telekom hat dadurch beim Verkauf ihrer Fläche an die niederländischen Projektentwickler von „Frankfurt Hoch Vier“ einen Gewinn in dreistelliger Millionenhöhe gemacht. Jetzt soll dieser planerische Sündenfall dadurch geheilt werden, dass auf dem nördlich angrenzenden Grundstücksrest, der noch einer Telekom-Tochter gehört, ein weiteres Hochhaus genehmigt wird.

Zu den Grundideen seiner Planung sagte Jourdan, ihm sei es um die Stärkung der etablieren Hochhauspulks im Bankenviertel und an der Messe gegangen. Nur dort entstünden fernwirksame Türme. Im Fall des Campanile, der ein „Landmarkturm“ werde, habe er eine Ausnahme gemacht. Die „Hochpunkte“ seien entlang der geplanten Magistrale durch das Europaviertel in regelmäßigen Abständen gesetzt worden, um für einen architektonischen Rhythmus zu sorgen. Einer ähnlichen Absicht folge der Vorschlag, westlich des Ratswegkreisels zwei „Hochpunkte“ zu setzen. Auch hier habe er eine Torsituation geschaffen.

Zum Modell

Die von Jourdan vorgeschlagenen Türme sind weiß gehalten, die vorhandenen Hochhäuser und jene, die Teil des vorigen Rahmenplans waren, dagegen grau. Der Blick geht von Osten nach Westen, links ist der Main zu erkennen. Die drei Türme an Bleich- und Stiftstraße sollen das Projekt „Frankfurt Hoch Vier“ abrunden. Auf dem Allianz-Areal an der Taunusanlage ist ein 90 Meter hoher Wohn- und Hotelturm vorgesehen. Auf dem Degussa-Areal könnten zwei Türme entstehen. Südlich vom Hauptbahnhof ist der Campanile auszumachen. Auf der anderen Seite der Bahngleise, auf dem Areal der Post , sind drei neue Hochhäuser vorgesehen. Gleich fünf sind es zu beiden Seiten der Emser Brücke. Hinter der Matthäuskirche ist ein Büroturm geplant, ebenso zwischen Messe und Marriott-Hotel anstelle des Poseidon-Hauses. Der heutige AfE-Turm soll durch vier Türme ersetzt werden, zwei für Wohnungen, zwei für Büros. Nicht offizieller Teil des Rahmenplans ist die Idee, östlich des Interconti am Main einen Wohnturm zu bauen.

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Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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