14.11.2009 · In den vergangenen Monaten sind die Altbauten des Historischen Museums entkernt worden. Im alten Pallas der Staufer kann man jetzt von oben zehn Meter tief in den Keller bis zu einem mittelalterlichen Kanal sehen.
Von Hans Riebsamen, FrankfurtFünf Bauwerke, sieben Jahrhunderte. Stauferbau, Burnitzbau, Bernusbau, Rententurm und Zollgebäude, die zusammen die Altbauten des Historischen Museums bilden, stellen Frankfurts geschichtlich wohl bedeutsamstes Ensemble dar. In den vergangenen Monaten sind sie Häuser entkernt worden. Der Gebäude-Komplex wird grundlegend saniert, die historische Urgestalt der Bauten dabei freigelegt. Im 19. Jahrhundert und erst recht nach dem Zweiten Weltkrieg ist das Ensemble regelrecht entstellt worden. Ohne Rücksicht auf den historischen Zuschnitt der Räume und die alte Substanz bauten die Architekten nach Gusto um.
Jetzt haben die Planer um Norbert Diezinger die verfälschenden Einbauten herausgerissen und das historische Skelett der Gebäude zum Vorschein gebracht. Der Stauferbau, Frankfurts ältestes hochstehendes Gebäude, wird jetzt nicht mehr von willkürlich gesetzten Wänden durchschnitten. Der alte Pallas der Staufer, den diese sich im 12. Jahrhundert am Main hatten erbauen lassen, liegt frei, von oben kann man zehn Meter tief in den Keller mit den dicken Fundamenten und einem mittelalterlichen Kanal sehen, der heute noch Wasser führt.
Sanierung soll 20 Millionen kosten
Dieser Durchblick ist einmalig, in ein paar Monaten, wenn der Ausbau des Ensembles fortgeschritten ist, werden wieder Decken und Böden eingezogen sein. Die 900 Jahre alten Bruchsteine aus der Frühzeit des Königspalastes werden aber auch dann noch sichtbar bleiben, denn die Wände werden in Zukunft freiliegen, so dass die Besucher die unterschiedlichen historische Schichten und Bruchstücke erkennen können. Im Stauferbau und im angrenzenden Burnitzbau will Museumsdirektor Jan Gerchow das geplante Museum Frankfurter Sammler einrichten, im Stauferkeller wird er ein Modell des Stauferbaus aufstellen lassen.
20 Millionen soll die Sanierung der Altbauten kosten. Bisher liegen die Bauherren im Finanzplan. Doch Überraschungen kann man nicht ausschließen, denn es handelt sich um historischen Grund und alte Gemäuer, mit denen es die Bauleute zu tun haben. Die Archäologen haben noch längst nicht das gesamte Areal umgepflügt. Wer weiß, was da alles noch zum Vorschein kommt.
„Aneignung der Geschichte muss in einem angemessenen Gebäude erfolgen“
Bis April 2010 wollen die Architekten und Planer mit dem Ausbau der fünf Altbauten fertig sein, danach wird das Museum die Schauräume einrichten, Anfang 2012 wird vermutlich eröffnet. Dann wird, so ist der Plan, der Betonbau des Museums abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Den Grundsatzbeschluss für dieses Konzept haben die Stadtverordneten gefällt, jetzt müssen sie nur noch eine Bau- und Finanzierungsvorlage für das 30-Millionen-Projekt gutheißen.
Kulturdezernent Felix Semmelroth warb gestern noch einmal für das Vorhaben: „Die Aneignung der Frankfurter Geschichte muss in einem angemessenen Gebäude erfolgen.“ Der Dezernent wunderte sich ein wenig darüber, dass so ein starkes Bedürfnis nach einer Rekonstruktion der Altstadt vorhanden ist. Dabei würden historische Gebäude nur nachgebaut, mit dem Stauferbau und den anderen Gebäuden seien dagegen Originale vorhanden, die man nur aus ihrer geschichtslosen Verbauung herausschälen müsse.
Welchen Gewinn die Erneuerung der Altbauten für den normalen Frankfurter darstellen kann, deutet das Beispiel des Rententurms an. Er, der seit langem nicht mehr für die Bevölkerung zugänglich war, wird nach den Bauarbeiten für jedermann unentgeltlich zu betreten sein. Von seiner Spitze aus kann der Frankfurter dann das Panorama seiner Stadt bewundern.