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„Herrchen gesucht“ wird eingestellt Letzte Klappe für das Fernseh-Tierheim

15.12.2008 ·  Nach 33 Jahren nimmt der HR „Herrchen gesucht“ aus dem Programm. Zwischen 10.000 und 20.000 Tiere wurden in dieser Zeit in ein neues Zuhause vermittelt. Es fehlten die Zuschauer, begründet der Sender die Entscheidung.

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Am Anfang war die Programmlücke: Sieben Minuten Sendezeit mussten Anfang 1975 im HR-Fernsehen irgendwie gefüllt werden. Warum nicht, schlug einer der Bühnenbildner vor, mit einer Art Kontaktbörse, in der für ausgesetzte Tiere ein „Herrchen gesucht“ wird?

Der Name „Herrchen gesucht“ war dann die nächsten 33 Jahre Programm: Zwischen 10.000 und 20.000 Tiere wurden in dieser Zeit in ein neues Zuhause vermittelt, schätzt die ehemalige Moderatorin Barbara Siehl. Und bei dieser Bilanz wird es bleiben: Am vergangenen Nikolaustag wurde die Sendung zum letzten Mal ausgestrahlt. Die Zuschauerquoten seien zuletzt „kaum noch messbar“ gewesen, begründet der HR die Absetzung.

Oft genug „angepinkelt und in den Po gezwickt“

Dabei war die Show mit dem simplen Konzept – ein hessisches Tierheim stellt fünf seiner Bewohner vor, potentielle Herrchen wählen die eingeblendete Telefonnummer – lange Zeit eine der erfolgreichsten Sendungen des Dritten Programms in Hessen. Noch vor sechs Jahren fuhr „Herrchen gesucht“, das zeitweise zu einer dreiviertelstündigen Show ausgebaut wurde, zweistellige Einschaltquoten ein. Das Konzept wurde auch in anderen Bundesländern übernommen und läuft beim Kölner WDR und dem Bayerischen Rundfunk als „Tiere suchen ein Zuhause“, in Ostdeutschland sendet der MDR unter dem Titel „Tierisch, tierisch“.

Von der ersten Ausgabe an war Barbara Siehl 30 Jahre lang die Frau von „Herrchen gesucht“. Oft genug „angepinkelt und in den Po gezwickt“ von nervösen Gästen aus der Tierwelt, wie die inzwischen Siebenundsechzigjährige erzählt, stand sie für etwa 1500 Sendungen vor der Kamera. In Wiesbaden, wo sie mit Mann, Pferd, Katze und Hündin „Enya“ lebt, wird sie heute noch auf der Straße angesprochen. „Sie sind doch die Frau mit den Tieren im Fernsehen?“

Die finale Folge von „Herrchen gesucht“ hat sie angeschaut, allerdings ohne große Wehmut: Wo keine Zuschauer sind, könnten auch keine Tiere vermittelt werden, sagt sie. Viele Leute zappten wohl nur noch durch die zahlreich gewordenen Kanäle, auf denen überall bunte Zoosendungen locken. Wer wirklich ein Tier suche, tue dies heutzutage vielleicht eher im Internet, meint Siehl. Nach Informationen der F.A.Z. fand in den letzten Monaten tatsächlich nur noch jedes vierte Tier aus der Sendung ein neues Zuhause – vor wenigen Jahren waren es noch über 60 Prozent. Frustrierend für die Redaktion, aber auch für die Tierheime, die ihre herausgeputzten Schützlinge aus allen Ecken Hessens in die Frankfurter Studios brachten.

„Nach jeder Sendung hat das Telefon gerappelt“

Im Tierheim Nied, wo unter der Schwalbacher Brücke derzeit 65 Katzen und 20 Kaninchen wohnen, hat man mit „Herrchen gesucht“ indes immer gute Erfahrungen gemacht. Gut 200 Tiere habe ihr Team schon in der Sendung vorgestellt, sagt Heimleiterin Petra Decken. Nach jedem Fernsehauftritt habe das Telefon „dauernd gerappelt“. Auch wenn sie versteht, dass eine Sendung, in der hauptsächlich „ein kleines Tier verängstigt in die Kamera guckt“ kein Quotenrenner ist: Die Öffentlichkeitswirkung von „Herrchen gesucht“ könne man durch nichts ersetzen.

Aus diesem Grund starteten die Frankfurter mit anderen Tierheimen und dem Tierschutzbund im November die Protestaktion „Rettet Herrchen gesucht“. Über 10.000 Unterschriften und Tausende Postkarten sollten die Programmplaner des HR umstimmen. Diese hätten, so Decken, auch durch den ständigen Wechsel des Sendeplatzes entscheidend zum Zuschauerschwund beigetragen.

Es könne sein, räumt HR-Fernsehdirektor Manfred Krupp in einem Brief ein, dass man der Sendung geschadet habe, als man sie vom gewohnten Sendeplatz – Montag, 19 Uhr – auf Sonntag verlegt habe. Vor allem aber sind die Verantwortlichen am Dornbusch der Meinung, „dass Fernsehen möglicherweise nicht mehr das richtige Medium ist“, so Pressesprecher Tobias Häuser. Die Zugriffe auf die Tierdatenbank im Internet seien zahlreicher geworden, während die Einschaltquoten zurückgingen.

Außerdem, so teilte der HR in den vergangenen Tagen mit, wolle man die Tiervermittlung nun doch fortsetzen: Im neuen Jahr werde in der Boulevardsendung „Maintower“ eine vierminütige Rubrik eingeführt, in der jeden Dienstag ein heimatloses Tier vorgestellt wird. Auch über Vermittlungserfolge wolle man dann berichten, so Häuser. Die Proteste könne er verstehen, „aber hätten die Leute, die jetzt Postkarten schreiben, jede Woche ,Herrchen gesucht‘ geguckt, wäre es doch nie zur Absetzung gekommen“.

In den nächsten Tagen laufen um 16.30 Uhr drei Abschiedssendungen von „Herrchen gesucht“ im HR-Fernsehen.

Quelle: F.A.Z./rick.
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