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Heinrich Hoffmann Sein Spitzname war „Zwiebel“

Den 200. Geburtstag Heinrich Hoffmanns feiert Frankfurt an diesem Wochenende mit zahlreichen Veranstaltungen. Einen Überblick über Leben und Werk des Autors bietet nun das Historische Museum.

© ddp Vergrößern Heinrich Hoffmann (um 1860): Autor des Kinderbuchs „Der Struwwelpeter”

Sieh einmal, hier steht er. Der Original-Struwwelpeter, wie ihn Heinrich Hoffmann im Dezember 1844 gezeichnet hat. Er ist zurückgekehrt nach Frankfurt – allerdings nur bis zum 20. September. An diesem Tag endet „Peter Struwwel – Heinrich Hoffmann“ – die Hauptausstellung in diesem Hoffmann-Jubiläumsjahr, da der Verfasser des Struwwelpeter 200 Jahre alt geworden wäre, hätte er wie sein berühmtestes Geschöpf das ewige Leben besessen.

Hans Riebsamen Folgen:    

Dummerweise haben die Frankfurter den Struwwelpeter, ihren neben Goethe berühmtesten Mitbürger, ziehen lassen. Goethe freilich wollte weg – „Franckfurt bleibt das Nest“ –, der Struwwelpeter aber wäre wohl gerne hier auf seinem Podest stehen geblieben, ist aber einfach in der Fremde vergessen worden. Nach seiner Drucklegung blieb das Urmanuskript in einer Nürnberger Kolorierungsanstalt liegen. Hoffmann hat es seltsamerweise nie zurückgefordert, und auch sonst gab es niemanden in Struwwelpeters Heimatstadt, der den Langhaarigen unbedingt wiederhaben wollte. Also schenkte ihn die Nürnberger Kolorierungsanstalt 1902 dem dortigen Germanischen Nationalmuseum.

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Auf den Schultern des Struwwelpeters

Immerhin konnte Frankfurt 1954 das Manuskript der überarbeiteten Fassung von 1858 für 41.000 Mark ersteigern, es liegt normalerweise in der Stadt- und Universitätsbibliothek. Jetzt hängt Struwwelpeter II. an einer Wand des Historischen Museums und blicket wie die Mutter des Zappel-Philipps stumm in dem ganzen Raum herum. Vielleicht ist er neidisch auf seinen älteren Bruder, der zweifellos der Star ist. Aber nur in dieser Nebenabteilung der Ausstellung, die von Hoffmanns Kinderbüchern handelt.

Der wahre Star dieser Ausstellung ist nämlich Heinrich Hoffmann. Und das ist gut so. Denn über den Struwwelpeter wurden schon Regale voller Bücher veröffentlicht. Heinrich Hoffmann ist darüber vergessen worden, besonders der Heinrich Hoffmann ohne Zeichenfeder, also der Doktor Heinrich Hoffmann, der Bürger Hoffmann, der Demokrat Hoffmann. Nicht einmal Frankfurt hat diesen außergewöhnlichen Mann und Mitbürger richtig gewürdigt, Hoffmann blieb immer hinter dem Struwwelpeter verschwunden – was er selbst am meisten bedauert hat. Nicht in weinerlicher, sondern in einer seinem Charakter angemessenen ironischen Form. In einer Zeichnung stellt Hoffmann sich selbst auf ein Podest – allerdings auf den Schultern des Struwwelpeters sitzend. Der „unvernichtbare Struwwelpeter“ habe eine bedeutsamere Rolle gespielt als alle seine beruflichen und anderweitigen Leistungen, hat Hoffmann einmal bemerkt. „Im Leben“, so seine altersweise Erkenntnis, „werden oft Nebendinge zu Hauptmomenten.“

Griff tief in Stadtkasse

Hoffmanns „Hauptmoment“ war vermutlich jener Augenblick im April 1864, als der erste Frankfurter an einem Tag der offenen Tür die neu errichtete Anstalt für Irre und Epileptische besichtigte. In einem mehr als zehnjährigen Kampf hatte der Arzt Hoffmann, der seit 1851 die alte Irrenanstalt leitete, die damals sinnigerweise am Platz an der Börse stand, den Bau eines neues Irrenhauses durchgesetzt. Aber was heißt da Irrenhaus? Was da draußen vor den Toren der Stadt auf dem heutigen Gelände hinter dem IG-Farben-Haus nach den Plänen des Architekten Oskar Pichler hochgezogen worden war, nannten die Frankfurter das „Irrenschloss“. In der Tat wirkte dieses damals größte Gebäude Frankfurts mit seiner neogotischen Fassade wie das Schloss einer mächtigen Fürstenfamilie.

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