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„Haus am Dom“ Für eine Kirche ohne Berührungsangst

15.01.2007 ·  Mit einem Festakt hat Bischof Kamphaus das „Haus am Dom“ eröffnet. Das Haus ist ein Bildungs-, Kultur- und Begegnungszentrum der Diözese gegenüber dem Frankfurter Dom.

Von Stefan Toepfer
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Als ein Zentrum, in dem die katholische Kirche zu sozialen Herausforderungen der Stadt Stellung nehme, ihren Beitrag zu einem Zusammenwachsen von Menschen vieler Kulturen leiste und Unterschiede wie Gemeinsamkeiten zwischen Kunst und Religion deutlich gemacht werden könnten, hat der Limburger Bischof Franz Kamphaus das „Haus am Dom“ eröffnet.

Vor mehr als 300 geladenen Gästen sagte Kamphaus beim Festakt am Mittag, die Kirche gehöre in die Stadt, „ohne jede Berührungsangst“. Nach dem Festakt segnete er das Haus, am Abend feierte er im Frankfurter Dom außerdem einen feierlichen Gottesdienst. Nachmittags stand das Haus erstmals Besuchern offen.

An dem Festakt nahmen außer Oberbürgermeisterin Petra Roth und Stadtverordnetenvorsteher Karlheinz Bührmann (beide CDU) etliche Kommunalpolitiker teil, außerdem Vertreter der Bistumsleitung, der Laiengremien der Stadt und der Diözese, von Hochschulen, des Museums für Moderne Kunst und anderer kultureller Einrichtungen. Die evangelische Kirche war mit Gabriele Scherle, Pröpstin für Rhein-Main, und anderen Repräsentanten vertreten.

Neue Impulse in der Bildungsarbeit

Das „Haus am Dom“ ist ein Bildungs-, Kultur- und Begegnungszentrum der Diözese gegenüber dem Frankfurter Dom. Es umfasst das Alte Hauptzollamt, in dem mehrere kirchliche Einrichtungen ihre Büros haben, und einen Neubau, der als Veranstaltungszentrum dient. Für den Kauf des städtischen Grundstücks, den Umbau des Zollamts und den Neubau hat das Bistum 22 Millionen Euro ausgegeben. In der Bildungsarbeit sollen von ihm Impulse in das ganze Bistum ausgehen. Da Kamphaus sich intensiv für das vom Architekten Jochem Jourdan entworfene Haus eingesetzt hat, darf es als eines seiner wichtigsten Vermächtnisse für das Bistum gelten. Am 2. Februar wird Kamphaus 75 Jahre alt und scheidet aus dem Bischofsamt. Der für das Haus zuständige Dezernent im Bischöflichen Ordinariat, Eckhard Nordhofen, sagte, die Eröffnung des Hauses sei ein „Höhepunkt“ der Amtszeit des Bischofs.

Beim Festakt hatte Kamphaus zuvor hervorgehoben, dass sich die Kirche zuallererst daran messen lassen müsse, inwieweit sie an der Seite der Menschen stehe, „die am Rande und im Schatten leben“. Unter Hinweis auf die Bankentürme in der Stadt warnte er davor, die Menschen in den „Hinterhöfen im Schatten der Glaspaläste“ zu vergessen. An der Kirche kritisierte er, sie orientiere sich oft zu stark am Lebensstil und Lebensglück der bürgerlichen Mittelschicht, auch in den Bildungseinrichtungen. Ausgehend vom „biblischen Ethos“, das Stammesdenken, Rassismus und Nationalismus überwinde, könne die Kirche viel für das Zusammenwachsen von Menschen unterschiedlicher Nationen in Frankfurt beitragen.

Er verwies auch auf das Verhältnis von Religion und Kunst; das Museum für Moderne Kunst hat in dem Haus eine große Ausstellungsfläche. Eine Gemeinsamkeit sieht Kamphaus darin, dass moderne Kunst und Religion sich gegen ein Denken wehrten, das „alles nur dem Kriterium der Nützlichkeit“ unterwerfe. „Von einer solchen Welt träumt die Kunst, auf die göttliche Verheißung ihrer Wirklichkeit setzt der christliche Glaube.“ Er dankte der Oberbürgermeisterin ausdrücklich für ihren Einsatz bei der Realisierung des Hauses.

Roth: Das Haus setzt Maßstäbe

Roth sagte, die Stadt feiere die Eröffnung „mit großer Freude“ mit. Sie würdigte das Engagement des Bischofs in sozialen Fragen und rief seinen Wahlspruch „Den Armen das Evangelium verkünden“ in Erinnerung. Unter Verweis auf die derzeit in Frankfurt geführte Debatte über die Bebauung der Altstadt sagte sie, das Haus setze Maßstäbe. Entstanden sei ein Gebäude mit einer eigenständigen und modernen Architektur, das trotzdem kein Fremdkörper sei. Das Haus sei ein „Wegbereiter für die Belebung der Altstadt“.

In seiner Festrede verwies der Politologe, Philosoph und Publizist Otto Kallscheuer auf die durch die Architektur verdeutlichte Offenheit des Hauses zum Dom. Das eigentliche Gotteshaus sei aber nicht dieser, sondern die Gemeinschaft der Christen selbst, denn Gott wohne in den Menschen. Er erinnerte daran, dass die Kirche von Anfang an den Götzendienst kritisiert habe, durch den der Mensch sich unmündig mache. Im Prinzip könne alles von Menschen Gemachte vergötzt werden, sagte er. Nicht umsonst habe etwa Papst Johannes Paul II. vor einer Vergötzung des Marktes, eines „wild gewordenen“ Kapitalismus, gewarnt. Kallscheuer wird künftig als Berater im „Haus am Dom“ tätig sein. Er soll der Arbeit Impulse geben, aber auch selbst Veranstaltungen konzipieren und moderieren.

Während des Festakts reichte Jourdan dem Bischof einen großen Schlüssel aus Brot als Zeichen der Übergabe des Hauses. Kamphaus reichte ihn an Nordhofen weiter, der ihn dem Direktor des Hauses, Joachim Valentin, gab. Dieser versprach, dass sich das Haus in eine „offene und ehrliche Auseinandersetzung“ mit der Stadtgesellschaft begeben werde.

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Jahrgang 1965, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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