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Hauptschüler „Schon das Sprechen fällt vielen schwer“

21.11.2005 ·  Nasila Karimy ist ein Beispiel für eine, die es schaffen wird. Nach der zehnten Klasse will sie weitermachen bis zum Abitur, am Max-Beckmann-Gymnasium oder an der Fachoberschule. Sie profitiert von einem Projekt für Hauptschüler.

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Nasila Karimy ist ein Beispiel für eine, die es schaffen wird. Nach der zehnten Klasse will sie weitermachen bis zum Abitur, am Max-Beckmann-Gymnasium oder an der Fachoberschule. Die Bockenheimer Georg-Büchner-Gesamtschule hat die Zehntkläßlerin, die bis zur neunten Klasse den Hauptschulzweig besuchte, für ein Stipendium ausgewählt. Sie bekommt künftig vierzig Euro im Monat. „Davon will ich einen Sprachkurs in Frankreich machen oder Klavierstunden nehmen.“

Hauptschüler zu unterstützen, die schon gut sind, aber besonders auch die Schwachen zu fördern: Das sind die Ziele eines Projekts des Kinderbüros und des Staatlichen Schulamts, das die Fraport-Stiftung „Pro Region“ mit 170.000 Euro unterstützt. Es ist zunächst auf zwei Schuljahre angelegt und fördert neben der Georg-Büchner-Schule auch die Schwanthalerschule in Sachsenhausen. Beide Schulen werden von vielen Migrantenkindern besucht, die oft schlecht Deutsch sprechen. „Unser Ziel ist, weniger Abbrecher an den Hauptschulen zu haben“, sagt Hans-Rolf Eifert, Leiter des Staatlichen Schulamts. Von der Schwanthalerschule geht fast ein Drittel der Neuntkläßler ohne Abschluß ab. An der Büchner-Schule sind es im Hauptschulzweig fünfzehn Prozent, „fünfzehn Prozent zu viel“, sagt Schulleiter Michael Brehm.

Neben Stipendien für einzelne gute Schüler können die Schulen Förderunterricht und sogenanntes Klassencoaching aus den Stiftungsmitteln finanzieren. Und wenn eine gesamte Klasse ihren Notendurchschnitt um 0,3 Punkte verbessert, bekommt sie einen Videorecorder oder einen Ausflug ins Phantasialand geschenkt. Die Förderkurse sollen vor allem Schwächen in Deutsch, Mathematik und Englisch ausgleichen helfen. Das Coaching ist dazu gedacht, die sozialen Kompetenzen der Schüler zu verbessern und den Klassenverband zu stärken.

„Wir fahren nächsten Dienstag mit unseren Fünftkläßlern in den Taunus nach Grävenwiesbach“, berichtet Inge Gembach-Röntgen, Lehrerin an der Georg-Büchner-Schule. „Dort werden wir den ganzen Tag im Wald spielen und uns kennenlernen.“ Im Februar geht eine Klasse in Klausur, um ein Theaterstück einzustudieren. Außerdem gibt es „Verhaltenstraining für Jungs“, Klettern, die asiatische Sportart Aikido und ein Konflikttraining mit einer Kommunikationstrainerin. Zudem werden die Schüler einmal im Monat das Offenbacher Leder-Museum besuchen. Mit den Stipendien hofft die Schule, auch „den einen oder anderen Freizeitjob verhindern zu können“.

An der Schwanthalerschule kann Schulleiter Reinhold Dallenhöfer auf die schon bestehende „Schülerbörse“ zurückgreifen: Sozialpädagoge Ludwig Wolff macht dort unter anderem seit fünf Jahren Suchtprävention. Jetzt gibt er zusätzliche Förderkurse in Deutsch: „Am Anfang der Stunde lasse ich die Schüler frei sprechen. Das fällt vielen unglaublich schwer.“ Außerdem lese er viel mit den Jugendlichen, von denen manche noch nie ein Buch besessen hätten. Seit kurzem gehört zur Abschlußprüfung an Hauptschulen eine „Projektprüfung“, in der Schüler in Gruppen ein Thema vorbereiten und es dann mündlich präsentieren müssen. „Das ist auch für spätere Bewerbungsgespräche wichtig“, sagt Konrektorin Christiane Köller. Mit Hilfe des Projekts sollen mehr Hauptschüler einen Weg ins Berufsleben finden. So wie Nasila Karimys Konstipendiatin Marija Makotic, die nach der zehnten Klasse eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten machen möchte.

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