03.08.2006 · Nach den Bombenfunden von Dortmund und Koblenz warnt die Bundespolizei Reisende vor übertriebener Angst: Herrenlose Koffer gehörten zum Bahnhofsalltag.
Von Katharina IskandarNach den Bombenfunden in Dortmund und Koblenz sieht die Bundespolizei keine Anhaltspunkte dafür, daß sich am Frankfurter Hauptbahnhof etwas Ähnliches ereignen könnte. Am Mittwoch abend haben Polizeibeamte an einem Bahnsteig zwar einen herrenlosen Koffer gefunden, woraufhin mehrere Gleise für etwa eine halbe Stunde gesperrt worden waren. Wie sich herausstellte, gehörte der Trolley jedoch einer 31 Jahre alten Amerikanerin, die ihn am Bahnsteig vergessen hatte. Es befanden sich lediglich Kleidungsstücke darin.
„Es war falscher Alarm“, sagt Reza Ahmari, Sprecher des Frankfurter Bundespolizeiamts. Er warnt vor einer Panik, die nach den beiden Kofferbomben nun bundesweit um sich greifen könnte. Noch sei unklar, ob es überhaupt einen terroristischen Hintergrund gebe. Zudem, sagte der Polizist, sei es am Frankfurter Hauptbahnhof alltäglich, daß Menschen Gepäckstücke an den Gleisen stehenließen.
Selten ist ein Gepäckstück wirklich verdächtig
Koffer, Rucksäcke, manchmal auch Plastiktüten - für die Beamten, die rund um die Uhr im Hauptbahnhof Streife gehen, sind solche Funde nichts Außergewöhnliches. Einige Fahrgäste sind laut Ahmari schlichtweg vergeßlich oder haben es eilig. Andere würden ihr Gepäck aus Bequemlichkeit stehenlassen, weil sie noch schnell etwas kaufen oder telefonieren wollten. In seltenen Fällen, sagt Ahmari, sei ein Gepäckstück wirklich verdächtig. Auch der Koffer, der in Frankfurt entdeckt worden war, sei ein „harmloser Fund“ gewesen. Ebenso harmlos wie jener Koffer, der am Donnerstag nachmittag in der Ludwigshafener Innenstadt für Aufregung gesorgt und dazu geführt hat, daß mehrere Straßenzüge gesperrt wurden.
Auch die Deutsche Bahn AG, die in ihrer Sicherheitszentrale per Videokamera das Geschehen im Hauptbahnhof überwacht, warnt vor übertriebener Angst. „Die meisten Delikte an Bahnhöfen beschränken sich auf Diebstahl, Vandalismus oder Körperverletzung“, berichtet ein Bahn-Sprecher. „Kriminalität fängt ja nicht gleich beim Terrorismus an.“
Rund 220 Bundespolizisten in Frankfurt im Einsatz
Wie eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums auf Anfrage mitteilte, ist ungewiß, inwiefern sich die beiden Funde auf die Sicherheitslage in Deutschland auswirken. Sowohl ein „staatsschutzrelevanter als auch ein allgemeinkrimineller Hintergrund“ sei in Betracht zu ziehen. Grundsätzlich gelte jedoch, daß die Bundesrepublik ein mögliches Ziel von Anschlägen mit terroristischem Hintergrund sei. Eine Gefahr durch Einzeltäter oder Gruppen könne derzeit wegen des Libanon-Konflikts nicht ausgeschlossen werden.
„Wir sind sensibilisiert“, sagt Ahmari. „Obwohl es derzeit keine konkreten Hinweise gibt, daß der Frankfurter Hauptbahnhof überhaupt gefährdet ist.“ Rund 220 Einsatzkräfte zählt die Inspektion der Bundespolizei in Frankfurt - darunter auch Beamte mit Sprengstoffspürhunden. Um die Sicherheit der Fahrgäste zu gewährleisten, setzt die Bundespolizei vor allem auf Präsenz. Immerhin sei Frankfurt einer der größten Bahnhöfe Europas und mit rund 350.000 Fahrgästen am Tag Deutschlands Achsenkreuz im Bahnverkehr.
Er gehörte einer Amerikanerin?
Martin Vogel (maldetair)
- 04.08.2006, 13:24 Uhr