Die Einschätzungen zum verkaufsoffenen Sonntag am Wochenende gehen innerhalb der Frankfurter Einzelhändler stark auseinander: Während Frank Albrecht, Vorsitzender des Frankfurter Einzelhandelsverbandes, am Sonntag abend noch von 80.000 Besuchern und einem „kleinen Flop“ gesprochen hatte, äußerte gestern Günter Biere, Geschäftsführer von Galeria Kaufhof, es sei ihm „völlig unverständlich“, wie Albrecht zu Zahl und Einschätzung komme; beide „entbehren jeder Grundlage“. In seinem Haus habe man innerhalb der fünfstündigen Öffnung soviel umgesetzt wie an einem ganzen Werktag. Bei 26.000 registrierten zahlenden Kunden könne man von der doppelten Zahl an Besuchern ausgehen.
Das „Cityforum pro Frankfurt“, in dessen Vorstand Biere und Albrecht aktiv sind, teilte gestern mit, daß etwa 200.000 Menschen am Sonntag in der Innenstadt gewesen seien. Beim ersten verkaufsoffenen Sonntag in Frankfurt seit Jahrzehnten, im März 2005, lag die Zahl der Besucher allerdings bei 300.000, weniger waren es diesmal also auf jeden Fall. Lange Schlangen vor den in der Regel besonders stark frequentierten Parkhäusern waren diesmal - zumindest zur Halbzeit der sonntäglichen Öffnung - auch nicht zu sehen.
„Durchaus gut gelaufen“
Albrecht sagte gestern, daß seine Einschätzung vom Sonntag nicht ausschließe, daß es bei einzelnen Geschäften „durchaus gut gelaufen“ sei. Er müsse aber den Handel der ganzen Stadt im Blick haben. Und da sei es eben unbefriedigend, daß mehr als 90 Prozent der Händler nicht teilgenommen hätten. Wer den vergangenen Sonntag zu einem weiteren Erfolg für den Frankfurter Handel erkläre, der versuche, etwas herbeizureden.
Albrecht bezweifelt sogar, daß dieser verkaufsoffene Sonntag überhaupt genehmigungsfähig gewesen sei. Schließlich habe die Kooperation mit der Messe Ambiente, bei der 30 Geschäfte ein Schaufenster den Messeneuheiten widmen, keinen wirklichen Eventcharakter, zumal sie eben nicht nur am Sonntag stattgefunden habe, sondern die ganze Messe hindurch laufe. Gleichwohl hieß es gestern von Messe-Geschäftsführer Michael Peters, „die sehr gelungene Premiere macht sehr viel Mut für weiterführende Kooperationen“.
Rege Nachfrage
Teilnehmende Geschäftsleute berichteten von einer regen Nachfrage nach den Messeneuheiten, so auch Andreas Bovet, Besitzer von Betten Raab an der Frankfurter Schillerstraße. Er ist sich allerdings ziemlich sicher, daß die vielen Leute, die bei ihm die messeneuen bunten Kindertextilien der dänischen Designerinnen Franck & Fischer mit Kühen und Schweinen darauf kaufen wollten, nicht anhand des Ambiente-Flyers zu ihm gefunden hätten, den Messe und Cityforum in Umlauf gebracht haben. Die Kooperation zwischen Messe und Innenstadthandel kann aus seiner Sicht dann ein echter Erfolg werden, wenn der gesamte Handel mitzieht. 30 teilnehmende Geschäfte seien einfach nicht genug.
Beim Haushaltswarengeschäft Lorey hält man es im nachhinein für richtig, am Sonntag nicht geöffnet zu haben. Angesichts zusätzlicher Kosten für das Personal lohne sich das eher nicht, meinte Jochen Keller, dessen Sohn inzwischen die Geschäfte führt. Ob Lorey am für den 26. März geplanten Frühlings-Einkaufssonntag öffnen werde, sei nicht sicher.

